Printausgabe der Tiroler Tageszeitung vom Fr, 07.06.2019


Musik

Innsbrucker Streetnoise Orchestra: Demokratie hörbar machen

Sieben Ensembles werden am Wochenende das Treibhaus und die Straßen mit alternativer Blasmusik beschallen.

Seit 2013 aktiv: Das Streetnoise Orchestra hat ca. 35 Mitglieder. Gemeinsam wollen sie beweisen, dass Bläser nicht nur Marschmusik können.

© Alena KlingerSeit 2013 aktiv: Das Streetnoise Orchestra hat ca. 35 Mitglieder. Gemeinsam wollen sie beweisen, dass Bläser nicht nur Marschmusik können.



Von Barbara Unterthurner

Innsbruck – In Innsbruck sind sie der Sound des Widerstands. So etwa zuletzt bei den freitäglichen Schülerprotesten für den Klimaschutz. Oder bei den Demonstrationen gegen das Bettelverbot. Das Streetnoise Orchestra liefert den Groove dazu. In der Straße hat die Gruppe, wie ihr Name unmissverständlich zu verstehen gibt, ihre Heimat gefunden. Natürlich nicht nur zum Protestieren, auch zum Unterstützen, so etwa bei Initiativen wie Weltfest oder Romaball. Beim Streetnoise Orchestra geht es um zivilgesellschaftliches Engagement, erklärt Mitglied Boris Traue – darum, zu beweisen, dass demokratisch organisierte Musik Zuhörer begeistert und dass Demokratie hörbar wird.

Diese Philosophie soll auch das zum ersten Mal stattfindende Urban Brass Festival „Strafiato“ nochmals vor Augen führen, welches ab heute u. a. im Treibhaus über die Bühne geht. Von der Straße wechselt man – zumindest temporär – in den Keller. Dafür lädt das Musikkollektiv sechs weitere Ensembles ein, die so wie ihr Innsbrucker Pendant organisiert sind: Amateure treffen auf Profis. Die Musik aber ist demokratisch organisiert. „Die Ausrichtung unserer Gäste ist unterschiedlich“, erklärt Traue. „Während es Combos wie Milfshake eher um die Performance geht, sind Fanfare Invisible durchaus politisch engagiert und unterstützten etwa die Gelbwesten-Proteste in Frankreich“, so Traue weiter.

Neben den beiden Konzertabenden im Treibhaus, bei denen jeweils alle sieben Ensembles involviert sind, ist das Zentrum des Festivals natürlich der öffentliche Raum: Am Samstagvormittag gibt es an unterschiedlichen Plätzen in der Stadt (Wiltener Platzl, Franziskanerplatz, Domplatz, Waltherpark, Maria-Theresien-Straße sowie Seilergasse/Kiebachgasse) Platzkonzerte. Nachmittags treffen sich die Gruppen und ziehen in einer bunten Parade durch die Straßen.

Im wahrsten Sinne des Wortes hoch hinaus geht es am Sonntag, wo die rund 150 Musiker die Seegrube zur Großraumbeschallung erklimmen werden; unterstützt von „Reisende-Augen-Wildwuchs“ mitsamt Künstler Werner Richter. Da gehe es darum, die urbane Musik der Street-Ensembles wieder zurück in die Natur zu bringen, erklärt Traue. Gerade in Tirol, wo Blasmusik – besonders auf dem Land – eine lange Tradition habe, soll der Auszug aus der Stadt einen besonderen Effekt erzielen.

Dieser Auftritt, wie auch alle anderen Programmpunkte im Treibhaus oder auf der Straße, sind frei zugänglich. Möglich gemacht hat dies die öffentliche Hand, die 10.000 Euro zuschießt. Tourismusverband und private Unternehmen sowie Eigenmittel verdoppeln diesen Beitrag nochmals.

Natürlich soll das erste Festival nicht auch gleichzeitig das letzte sein, wünscht sich Streetnoise-Orchestra -Musiker Traue. Ein jährlicher Rhythmus wäre für das 35 Mann starke Orchester aber wohl ein zu großer Aufwand. Man wolle auf seine Kernkompetenzen natürlich nicht vergessen, meint der Musiker: allen voran die Musik, die bei dieser Gruppe rein aus der Feder des Kollektivs kommt.

Der Austausch mit anderen Gruppen sei trotzdem wichtig, meint Traue. Das schafft ein Gemeinschaftsgefühl. Gerade in der Gegenwart will das 2013 gegründete

Streetnoise Orchestra weiter rührig bleiben. Genauso wie Musik machen, die nicht elitär ist und mitunter auch provoziert. Zum Tanzen etwa.


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