Letztes Update am Sa, 15.06.2019 13:27

TT / Tiroler Tageszeitung Onlineausgabe


Festival

Tiroler Trio Mother‘s Cake nahm Hitze am Nova Rock mit Humor

„Jetzt spielen wir ‚The Sun‘ als Hommage an die gelbe Sau“, ließ Mother‘s Cake-Sänger Yves Krismer den harten Kern in der brütenden Hitze am Freitag vor der Bühne wissen. Diese Beschreibung spricht dieser Tage wohl so manchem schweißgeplagten Musikfan in Nickelsdorf aus der Seele.

Sänger und Gitarrist Yves Krismer von der Band "Mother's Cake" während ihres Konzertes auf der "Blue Stage" am Freitag.

© APA/OczeretSänger und Gitarrist Yves Krismer von der Band "Mother's Cake" während ihres Konzertes auf der "Blue Stage" am Freitag.



Nickelsdorf – Immer dasselbe? Ja, als Festivalbesucher fühlt man sich manchmal wie in „Und täglich grüßt das Murmeltier“. Während Bill Murray im Filmklassiker allerdings eine winterliche Zeitschleife durchleiden muss, ist es im Fall des diesjährigen Nova Rock das genaue Gegenteil: Hitze, Hitze, Hitze. Deshalb suchten die Besucher bisher auch am liebsten die Schattenplätze vor den Bühnen auf.

Wie mit dem Lineal gezogen schien da die Grenze zur sonnenbeschienenen Fläche, als das Tiroler Trio Mother‘s Cake auf der Blue Stage seinen von psychedelischen Ausflügen infiltrierten Stoner Rock servierte. Gerne wurden die Songs in die Länge gezogen, gab es instrumentale Passagen, die zur sommerlichen Atmosphäre passten und natürlich einige launige Ansagen von Sänger und Gitarrist Yves Krismer. „Jetzt spielen wir ‚The Sun‘ als Hommage an die gelbe Sau“, ließ er den harten Kern vor der Bühne wissen. Eine Beschreibung, die dieser Tage so manchem schweißgeplagten Musikfan in Nickelsdorf wohl aus der Seele spricht.

Zeitgleich ging es auf der Red Stage äußerst technisch zu: Die britische Prog-Band Tesseract hält nämlich nichts von einfachen Songstrukturen, sondern pflügt gerne durch arhythmische Abschnitte, die es dem geneigten Headbanger wahrlich nicht einfach machen, da irgendwie mitzuhalten. Was man auch an den abgehackten Bewegungen von Sänger Daniel Tompkins erkannte, der die Stücke mit melodischem Ausdruck eine Spur in Richtung Nachvollziehbarkeit rückte.

Trotz der Hitze feierte das Publikum nicht zu knapp.
Trotz der Hitze feierte das Publikum nicht zu knapp.
- APA/Oczeret

„Gute Routine, die man hier ausspielen kann“

Dass man es als Musiker auch nicht unbedingt besser hat als der gewöhnliche Nova Rocker, gab Trivium-Bassist Paolo Gregoletto zu. „An solchen Tagen ist es echt schwer“, lachte er im APA-Gespräch vor dem Auftritt seiner Band – immerhin kann es auch Backstage ganz schön warm werden. Für die Gruppe sind die Festivalshows dennoch eine lohnende Angelegenheit. „Es ist eine gute Routine, die man hier ausspielen kann. Du erreichst einfach neue Leute, und natürlich ist das wichtig. Immer, wenn wir in Europa bei Festivals gespielt haben, ist unser Publikum größer geworden.“

Die Band ist immer noch mit dem 2017er Album „The Sin and the Sentence“ unterwegs – für viele ein Schritt zurück zu alten Großtaten der Formation um Sänger und Gitarrist Matt Heafy. „Wir wollen definitiv die Art und Weise, wie wir diese Songs geschrieben haben, beibehalten“, stellte Gregoletto in Aussicht. „Es ist gut, daran anzuknüpfen.“ Derzeit jongliere man mit ein paar Ideen und Riffs herum, wirklich konkret ist die Arbeit am Nachfolger allerdings noch nicht.

Wie aber erkennt die Band, ob etwas entsteht, das funktionieren wird? „Du spürst das einfach, besonders wenn du die Sachen oft spielst. Deshalb ist es sehr wichtig, gemeinsam im Proberaum zu sein. Da stellt sich heraus, was gut ist und was nicht.“ Frischen Wind hat auch der neue Drummer Alex Bent gebracht, „das hat sicher gut getan“, nickte Gregoletto. „Die Herausforderung, interessante Musik zu schreiben, bleibt aber natürlich. Es ist ein Balanceakt, in den viele Faktoren hineinwirken. Aber wenn wir dem folgen, was in unseren Köpfen und Herzen ist, dann stimmt die Richtung meist.“

Für das Nova Rock versprach Gregoletto jedenfalls eine Mischung aus alten und neuen Stücken. „Wir haben mittlerweile ja acht Alben, da musst du wirklich gut auswählen, was du weglässt. Das wird mit der Zeit immer schwieriger.“ Und ansonsten gelte natürlich: „Nutze deine freien Tage und pass auf dich auf, sonst stirbst du“, lachte der Bassist, „besonders an so heißen Tagen wie heute.“

Die meisten Festivalbesucher schützen sich gut vor der Sonne, wie die Einsatzkräfte berichten.
Die meisten Festivalbesucher schützen sich gut vor der Sonne, wie die Einsatzkräfte berichten.
- APA/Oczeret

Einige Patienten, aber die meisten auf Hitze vorbereitet

Indes führte die heiße Atmosphäre bei manchen Festivalbesuchern auch zu Kreislaufproblemen. Der Großteil hatte sich jedoch auf Sonne und Hitze gut vorbereitet, hieß es am Samstag von den Einsatzkräften.

Bisher seien insgesamt 1.863 Patienten versorgt worden, berichtete Thomas Horvath vom Roten Kreuz Samstagmittag. Am Freitag und in der Nacht auf Samstag wurden 508 Personen im Camping-und Caravanbereich und 199 Menschen bei den Bühnen betreut. 50 Festivalbesucher wurden zur Abklärung ins Krankenhaus transportiert. „Das waren aber hauptsächlich röntgentechnische Abklärungen. Die meisten Patienten sind wieder am Gelände“, sagte Horvath.

Die Hitze trage dazu bei, dass bei Festivalbesuchern Kreislaufschwächen auftreten: Man merke, dass in der Nacht wenig Regenerationsphase da sei, weil es wenig Abkühlung gebe. „Die Leute haben aber die Gesundheitstipps, die wir vorab schon ausgegeben haben, in den meisten Fällen auch gut angenommen. Man sieht sehr viele mit Kopfbedeckung“, auch Sonnencremes würden eifrig benützt. „Natürlich haben wir aber auch viele Patienten, die das nicht beherzigt haben und die dann bei uns auf der Sanitätshilfsstelle aufschlagen.“

Hinsichtlich der Rettungseinsätze liege das heurige Festival im Schnitt der vergangenen Jahre, meinte Horvath. Auch heuer habe man es wieder mit Verknöchelungen zu tun, weil die Festivalbesucher leichtes Schuhwerk anhätten. „Wir können heuer doch auch noch von einem ruhigen Festival reden. Was dem Rettungsdienst sehr auffällt, ist, dass die Besucher äußerst freundlich sind heuer, auch wenn natürlich die Hitze zu schaffen macht“, so Horvath.

Das Festival sei bisher „im Großen und Ganzen reibungslos und ohne gröbere Zwischenfälle über die Bühne gegangen“, lautete am Samstag auch das Zwischenresümee der Polizei. Allerdings seien bisher um die 50 Diebstähle angezeigt worden. Der Großteil davon betreffe Mobiltelefone, sagte Polizeisprecher Jürgen Mayer. Die polizeilichen Tätigkeiten laufen weiter wie bisher. So führe etwa die Landesverkehrsabteilung laufend Kontrollen bei der Abfahrt vom Gelände durch. (APA)