Printausgabe der Tiroler Tageszeitung vom Sa, 22.06.2019


Musik

Das dritte seiner Art: Neues Album von Jack White

Über-Gitarrist Jack White meldet sich zurück: „Help Us Stranger“ heißt das neue Studioalbum von „The Raconteurs“. Solide, wie erwartet.

Perfektes Songwriterduo: Brendan Benson (links) und Jack White (rechts) sind für die Songs der „Raconteurs“ verantwortlich.

© imago stock&peoplePerfektes Songwriterduo: Brendan Benson (links) und Jack White (rechts) sind für die Songs der „Raconteurs“ verantwortlich.



Von Barbara Unterthurner

Innsbruck – „Wir haben gerade das Rock’n’Roll-Album fertig gestellt, auf das ihr alle gewartet habt.“ Das ist doch mal eine Ansage. Gekommen war sie im März dieses Jahres aus dem Munde (besser vom Twitter-Account) von The Raconteurs, jener US-Supergroup um den umtriebigen Musiker Jack White. Und wer seine etlichen Projekte, allen voran sein minimalistisches Duo The White Stripes (bis 2011) kennt, der ahnt vielleicht, der mit Grammys überhäufte Übergitarrist hat Bescheidenheit nicht nötig. Zu oft hat er es geschafft, den Zeitgeist zu treffen – ja, es geschafft, den Zeitgeist headbangen zu lassen. Und mit „Boarding House Reach“, einer doch im besten Sinne unkonventionellen Platt­e, erklomm Jack White zuletzt auch solo die Spitze der US-Albumcharts.

Um The Raconteurs, die White mit Brendan Benson und Jack Lawrence und Patrick Keeler (von den Green­hornes) seit fast 15 Jahren betreibt, war es in letzter Zeit aber ruhig geworden. 2008 brachten sie mit „Consolers of the Lonely“ ihr letztes Studiowerk auf den Markt. Den Erfolg des ersten Albums mit der Hitsingl­e „Steady, As She Goes“ hatte man damit nicht übertrumpft. Vielleicht ein Ansporn, um jetzt jenes großartige Werk Rockgeschichte zu schreiben, auf das eh alle schon gewartet hätten.

Vorab darf schon verraten werden: „Help Us Stranger“, die neue Platte, die seit gestern vorliegt, wird wohl nicht Geschichte schreiben, ist aber solide. Eine Scheibe mit zwölf Songs, Whites typischem, straightem Gitarrenrock. So selbstverständlich klare Riffs hatte man zuletzt vermehrt von weiblichen Acts wie Anna Calvi vernommen.

Dass The Raconteurs der Garagen-Rock aber auch noch steht, zeigen sie in der zentralen Nummer „Sunday Drive­r“: Unverkennbar kratzen hier Whites Stimme und seine Crunch-Gitarre um die Wett­e. Komprimierteren Sound liefert da noch der Opener „Bored and Razed“. Sehr harmonisch geht es beim titelgebenden „Help Me Stranger“ zwischen White und Benson zu, einer fruchtbringenden Symbiose, die im bluesigen „Now that You’re Gone“ gipfelt. Allzu feine Melodien werden – wie schon in den vorherigen Platten – von zotigen Solopartien aufgebrochen.

Gut so. Das heißt, The Raconteurs bleiben sich treu. Einreden lässt sich die Band nichts: Auf fremde Hilfe (wie der Titel vermuten lassen könnte) ist man nicht angewiesen; die Werke werden allesamt beim hauseigenen Label „Third Man Records“ produziert. „Help Us Stranger“ beweist erneut: Jack White ist der Stadion­hymne „Seven Nation Army“ entwachsen. Darauf haben Fans gar nicht mehr warten müssen, das war schon lang klar.

Rock The Raconteurs: Help Us Strange­r. Third Man Records.


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