Letztes Update am Sa, 22.06.2019 09:53

TT / Tiroler Tageszeitung Onlineausgabe


Donauinselfest

Liebe, Flitter und Rock-Routine zum Auftakt des Donauinselfestes

13 Stages werden heuer bespielt, rund 1500 Künstler sind beim 36. Donauinselfest von Freitag bis Sonntag im Einsatz. Der Headliner „Mando Diao“ beschloss den ersten Abend, die Veranstalter zählten rund eine Million Besucher.

Rund eine Million Besucher feierten am Freitag auf der Donauinsel in Wien.

© APARund eine Million Besucher feierten am Freitag auf der Donauinsel in Wien.



Wien – Nach dem hohen politischen Besuch am Nachmittag – Bürgermeister Michael Ludwig (SPÖ) absolvierte seinen Rundgang – stand ab dem frühen Freitagabend schließlich die Musik im Mittelpunkt des 36. Donauinselfestes. Auf der am Freitag von Ö3 bespielten Festbühne war etwa die Schweizer Sängerin Stefanie Heinzmann zu Gast. Sie feierte am Fest ihre Wien-Premiere, wie sie verriet.

Die einstige Castingshowgewinnerin machte vor allem in Deutschland Karriere. Das ist kein Wunder, ist sie doch einer der musikalischen Schützlinge von Stefan Raab. Sie hat ihre noch immer relativ neue, bereits fünfte Platte schlicht mit „All We Need Is Love“ betitelt, der „Kalenderspruch schlechthin“, wie sie kürzlich im APA-Interview befunden hat. Gleichzeitig sei das mit der Liebe auch eine ernste Sache, gab sie zu bedenken, wo doch viele Menschen mit Angstzuständen durch die Welt laufen würden.

Die Gefahr, bei einem Auftritt der fröhlichen Künstlerin in Depression zu verfallen, ist tatsächlich aber verschwindend gering – obwohl sie im aktuellen Material ihre eigenen persönlichen Sinnkrisen zum Thema gemacht hat. Im eingängigen „Mother‘s Heart“ singt sie von der bedingungslosen Liebe, die Eltern ihren Kindern entgegenbringen, auch wenn der Nachwuchs mit sich nicht zufrieden ist, wie sie heute darlegte: „Ich möchte mit diesem Song sagen, wir sind toll, genauso wie wir sind.“

Sängerin Stefanie Heinzmann freute sich vor allem über ihre Flitter-Premiere.
Sängerin Stefanie Heinzmann freute sich vor allem über ihre Flitter-Premiere.
- APA

Frühsommerabendstimmung mit Stefanie Heinzmann

Die Sängerin mit ihrer souligen Stimme verbreitete mit ihrer Band trotz der Schwere solcher Gedanken wunderbare Frühsommerabendstimmung. Sie tanzte viel, motivierte das Publikum zum Mittanzen und präsentierte exotische Instrumente – konkret ein Walliser Hackbrett. Außerdem hat sie sich einen großen Wunsch erfüllt, wie sie versicherte: eine Flittermaschine, die kleine gelbe Papiersonnen und rote Herzen über die ersten Reihen verströmte.

Zu hören waren neben „Mother‘s Heart“ unter anderem das ältere „On Fire“, das als idealer Opener diente, oder auch die aktuelle Single „Shadows“. Dass Stefanie Heinzmann längst auch in Ösi-Land ihre Fans hat, wurde durch den bereits regen Andrang deutlich. Die große Festwiese war während ihres Gigs bereits gut besucht, obwohl sie die Main-Stage der Inselsause bereits um 18.30 Uhr betrat. Enttäuscht wurden lediglich jene, die auf Schweizerdeutsch gehofft hatten, auf das die Künstlerin konsequent verzichtete.

Nach der Kollegin aus dem Westen enterte der deutsche Liedermacher Joris Ramon Buchholz – der sich als Künstler auf den Namen Joris beschränkt – die Festbühne. Skurril-absurdes wurde unterdessen im Ö1-Kulturzelt aufgeboten. Die schräge britische Truppe The Tiger Lillies gastierte einmal mehr in Wien, heute mit ihrer „30th Anniversary Show“.

Sänger Florian Ritt von der Band "Folkshilfe" im Einsatz.
Sänger Florian Ritt von der Band "Folkshilfe" im Einsatz.
- APA
"Folkshilfe" sorgte für gehörig Stimmung.
"Folkshilfe" sorgte für gehörig Stimmung.
- APA

Routinierter Mando Diao-Auftritt mit mäßig Schwung

Mit einem routinierten Auftritt hat die schwedische Rockband Mando Diao den Abend am Wiener Donauinselfest auf der Hauptbühne dann beschlossen. Mit zwei neuen Songs belohnten sie ihre Fans mit einem Vorgeschmack auf das kommende Album. Insgesamt zählten die Veranstalter am ersten Festivaltag eine Million Besucher.

Nach dem energiegeladenen Auftritt der Folkshilfe hatten es die Schweden zunächst gar nicht so leicht, denselben Schwung beim Publikum aufrecht zu halten. Spätestens zu den Hits wie „Down In The Past“, „Long Before Rock‘n‘Roll“ oder „Dance With Somebody“ hatte sich die Menge aber warmgetanzt und sang laut mit.

Mando Diao, die heuer das 20-jährige Bandjubiläum feiern, sind keine Neulinge am Donauinselfest, sie traten bereits vor zwei Jahren als Headliner auf der FM4-Bühne auf. Bei ihrem Auftritt am Freitag setzte die ganz in Schwarz gekleidete Band auf eine Mischung aus Songs des neuesten Albums „Good Times“ und alten Hits.

Sänger und Gitarrist Björn Dixgard sowie der Rest der Band "Mando Diao" rockten die Donauinsel-Bühne ganz in Schwarz.
Sänger und Gitarrist Björn Dixgard sowie der Rest der Band "Mando Diao" rockten die Donauinsel-Bühne ganz in Schwarz.
- APA

Publikum erst bei älteren Songs begeistert

Das Publikum, das trotz der fast angestrengt wirkenden Bemühungen der Band, für Stimmung zu sorgen („Put your hands up!“ und „Scream!“ rief Sänger Björn Dixgard nicht nur einmal in die Menge), zunächst etwas zurückhaltend reagierte, zeigte sich vor allem bei den älteren Songs begeistert.

Auch einen Vorgeschmack auf das neue Album, das im Herbst veröffentlicht wird, gab es. Die beiden durchaus eingängigen und tanzbaren Songs „He Can‘t Control You“ und „One Last Fire“ wurden mit viel Jubel vom Publikum aufgenommen, was der sonst eher streng dreinschauende Dixgard mit einem Lächeln und Kusshändchen goutierte.

Nicht bei allen Besuchern beliebt machte er sich allerdings, als er das Publikum aufforderte sich hinzusetzen, um anschließend aufzuspringen. Eine Aufforderung, der trotz oder wegen seiner immer barscher werdenden Aufforderungen nicht alle nachkommen wollten. Mit dem abschließenden Refrain von „Dance With Somebody“ inklusive Konfettiregen brachte er die Menge aber doch wieder zum Tanzen. (APA)


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