Letztes Update am Mo, 24.06.2019 10:49

TT / Tiroler Tageszeitung Onlineausgabe


Donauinselfest

36. Donauinselfest war „fix leiwand“: 2,7 Millionen Besucher

Den Schlussakkord eines fulminanten Festivals setzten Sonntagabend die „Opas vom Donauinselfest“ Revolverheld und Tocotronic. Auch wenn am dritten Tag immer wieder Regen einsetzte, waren noch genügend Inselfans unterwegs. Insgesamt zählten die Veranstalter dieses Jahr 2,7 Millionen Besucher.

Auch DJ Felix Jaehn heizte der Menge am letzten Tag des 36. Donauinselfestes gehörig ein.

© APAAuch DJ Felix Jaehn heizte der Menge am letzten Tag des 36. Donauinselfestes gehörig ein.



Wien – Reine Vernunft darf niemals siegen – aber für die Band, die dies fordert, ist ein Auftritt auf der FM4-Bühne jedenfalls eine Art Heimsieg. Tocotronic boten einen höchst würdigen Abschluss des 36. Donauinselfestes. Parallel dazu war mit Revolverheld auch auf der von Ö3 bespielten Festbühne eine deutsche Formation zu Gast. Apropos Gäste: 2,7 Millionen Besuche wurden heuer auf der Insel gezählt.

„Guten Abend Wien! Es ist so herrlich“: Mit diesen Worten begrüßte die deutsche Rock-Pop-Band Revolverheld die Fans. Frontmann Johannes Strate scherzte, dass man sich wie „Opas vom Donauinselfest“ vorkomme, immerhin sei man schon vor 13 Jahren dabei gewesen. Mit im Gepäck hatte die Band Altes und Neues – von „Freund bleiben“ über „Halt dich an mir fest“ bis hin zu „Ich werde nie erwachsen“ reichte das Repertoire. Natürlich durfte auch der Riesenhit „Ich lass für dich das Licht an“ nicht fehlen.

Auch an Entertainment-Faktor fehlte es den Deutschen nicht: Zwischenzeitlich schlüpften die Revolverhelden in weiße Jacken, um eine Tanzeinlage a la Boygroup zu zeigen, wobei es Strate nicht an Selbstironie fehlte, um schnell raus „aus dem Fummel“ zu schlüpfen: „Ich schaue aus wie ein Schneemann.“ Mit „So wie jetzt“ und Konfettiregen setzte Revolverheld den Schlussakkord für die Festbühne.

DJ Jaen: „Das war fix leiwandd, Oida“

Zuvor gab es eine polyglotte Show: Alvaro Soler – mit deutschen Wurzeln, aber in Barcelona geboren – und die Deutsch-Kanadierin Alice Merton gaben sich auf der Ö3-Bühne ein Stelldichein. Letztere hat ihre Herkunft auch bereits musikalisch zum Thema gemacht.

In „No Roots“, dem Superhit aus dem Jahr 2016, reflektiert sie darüber, dass sie bereits in vielen Ländern gewohnt hat – was schließlich zu einer gewissen Verlorenheit geführt habe, wie sie in Interviews erzählte. Jubel gab es für die Debütsingle trotzdem, handelt es sich doch um das mit Abstand bekannteste Lied der Sängerin.

Sängerin Alice Merton.
Sängerin Alice Merton.
- APA

Sie zeigte sich „super excited“, wieder in Wien zu sein, parlierte wenig später dann aber auch in makellosem Deutsch mit den Fans. Auch die aktuelleren Stücke „Learn To Live“, „Trouble in Paradise“ und „Funny Business“ sorgten für sichtliches Wohlwollen. Als eine der besten Nummern entpuppte sich „Lash Out“. Das Highlight schlechthin: Alice Merton durfte ihren Gig bereits wieder im Trockenen absolvieren, der Regen schien von der Insel verbannt zu sein.

In Sachen Animation packte Alvaro Soler zahlreiche Tricks aus.
In Sachen Animation packte Alvaro Soler zahlreiche Tricks aus.
- APA

So manch Herz schlug wohl beim Auftritt von Alvaro Soler höher. Gilt der in Deutschland lebende Sänger mit spanischen Wurzeln doch als Frauenschwarm. Er hatte alle seine bekannten Hits „La Cintura“, „El Mismo Sol“, „Sofia“ bis hin zur neuen Single „La Libertad“ mit im Gepäck, dem Publikum gefielen die Latino-Rhythmen.

Der in Deutschland lebende Sänger mit spanischen Wurzeln Alvaro Soler gilt als Frauenschwarm.
Der in Deutschland lebende Sänger mit spanischen Wurzeln Alvaro Soler gilt als Frauenschwarm.
- APA

In Sachen Animation packte der Sänger zahlreiche Tricks aus – mitsingen, Chöre bilden, Tanz-Choreographie zum Mitmachen. Dann gab es auch noch jene Lobesworte, mit denen er wohl so manches Herz mehr auf seiner Seite zog: „Österreich ist ein bisschen geiler als Deutschland.“ Das Publikum dankte es ihm mit einem Plakat, auf dem zu lesen war: „Alvaro, wir lieben dich.“

Den Spruch des Abends lieferte der Mann, der im Line-Up vor Soler zu finden war: DJ Felix Jaehn, ebenfalls aus Deutschland. Er war von der Stimmung auf der Donauinsel so begeistert, dass er in seinem besten Wienerisch rief: „Das war fix leiwand, Oida.“ Er gab sich auch redlich Mühe, posierte auf seinen Turntables und animierte das Publikum zu allerlei Mitmach-Aktionen.

Den Anfang auf der Festbühne machte das junge österreichische Duo King & Potter – alias Benny König und Martin Hafner. Die beiden Künstler, die sich ihre Sporen auch als Straßenmusikanten verdient haben, bedankten sich bei ihren Zuhörern ausdrücklich fürs Ausharren trotz Regens, der zu diesem Zeitpunkt zum Teil noch intensiv war.

Sänger Dirk von Lowtzow von der Band "Tocotronic" auf der FM4-Bühne.
Sänger Dirk von Lowtzow von der Band "Tocotronic" auf der FM4-Bühne.
- APA/Oczeret

Publikumsandrang bei Yung Hurn nicht zu übertreffen

Fulminant fiel dann der Schlussakkord auch auf der FM4-Bühne aus. Auch wenn sich der Auftakt eine Spur anders gestaltete als bei den Rap-Stars der vergangenen Tage, bei denen mitunter (also bei Yung Hurn) der Bereich wegen des großen Andrangs kurzfristig abgeriegelt werden musste. Es folgte nicht sofort ein kollektives Auszucken der Crowd, als Dirk von Lowtzow und seine Mannen die Bühne enterten. Auch das Hallo war eher von der höflichen Sorte: „Wir sind die Band Tocotronic und begrüßen euch auf das Allerherzlichste.“

Was folgte war ein stimmiger Gig, in dem sich Freunde der Hamburger Formation fühlen durften wie im Fanhimmel. „Let There Be Rock“, „Hi Freaks“, das fast enthusiastisch gefeierte „Aber hier leben, nein danke“, „This Band is Tocotronic“, „Macht es nicht selbst“ oder „Letztes Jahr im Sommer“ wurden druckvoll dargeboten. Die Band befand sich sichtlich in Spiellaune – und bedankte sich artig: „Ihr seid ein ausgesprochen reizendes Publikum.“

Schön dazu passte auch die Nummer „Electric Guitar“ vom aktuellen Album „Die Unendlichkeit“. Die Jugend, von der dort erzählt wird, ist schon einige Jahre her – was sich eh gut ergab: Der Altersschnitt der Menschen vor der FM4-Stage war geringfügig höher als bei den Auftritten der Rapper. Sogar eine Zugabe ging sich nach der obligatorischen Zuspielung des Chansons „Die großen weißen Vögel“ von Ingrid Caven noch aus. Das mit „Freiburg“ ein absoluter Klassiker zum Zug kam, war schließlich ein perfekter Inselfestabschluss. Dass „Reine Vernunft darf niemals siegen“ in der Setlist fehlte, war somit verschmerzbar. (APA)