Printausgabe der Tiroler Tageszeitung vom Do, 27.06.2019


Tirol

Nicht überall, wo Stainer draufsteht, ist er auch drin

Jakob Stainers Instrumente sind seit Jahrhunderten begehrt, groß ist die Zahl der Kopien und Nachbauten. Im Ferdinandeum sind Originale zu sehen.

Hier ist garantiert alles echt. Experte Benjamin Schröder inmitten der Jakob-Stainer-Schau im Tiroler Landesmuseum.

© Rudy De MoorHier ist garantiert alles echt. Experte Benjamin Schröder inmitten der Jakob-Stainer-Schau im Tiroler Landesmuseum.



Von Markus Schramek

Innsbruck – Benjamin Schröder gerät ins Schwärmen. Fachwissen sprudelt aus dem 61-Jährigen nur so heraus. Seit seiner Lehrzeit beschäftigt sich der aus Frankfurt stammende Experte intensiv mit den historischen Instrumenten, die der Absamer Geigenbauer Jakob Stainer (vermutlich 1619–1683) der Nachwelt hinterlassen hat. „Stainer stand schon zu Lebzeiten eine Stufe über dem Rest seiner Zunft“, legt sich Schröder gleich einmal fest.

Stainer führte eine neue Technik ein, die er in Italien erlernt hatte. Er verwendete spezielle Schablonen und baute seine Instrumente rundherum. Das Ergebnis waren besonders regelmäßig geformte Geigen, Bratschen, Gamben und Celli. Als Rohstoff diente Holz aus der Heimat, Ahorn und Fichte. Die so genannte Decke, die Vorderseite des Instruments und für den Klang hauptverantwortlich, wurde extra dünn ausgestaltet. Das Ergebnis war ein heller, strahlender Klang.

Erkennungsmerkmal von Stainer-Instrumenten: Löwenkopf als markante Verzierung.
Erkennungsmerkmal von Stainer-Instrumenten: Löwenkopf als markante Verzierung.
- Rudy De Moor

Größen der Musikszene wie der legendäre Cellist und Dirigent Nikolaus Harnoncourt schworen auf Stainer-Instrumente, speziell für den Werkekatalog der Alten Musik.

30 Originale sind zum 400. Geburtstag des berühmten Tirolers noch bis 30. Juni im Landesmuseum Ferdinandeum zu bestaunen. Wertvoll, wie die großteils immer noch spielbaren Instrumente sind, wurden diese in schützenden Glasvitrinen untergebracht. Mit Stainer lassen sich bei Auktionen Preise bis zu 200.000 Euro erzielen.

Bei solchen Summen drängt sich die Frage nach Fälschungen auf. Doch Benjamin Schröder, wie Stainer selbst Geigenbauer von Beruf, spricht lieber von Nachahmungsversuchen: „Schon im 17. Jahrhundert gab es zahlreiche Nachbauten, selbst der Löwenkopf wurde kopiert.“

Stainer krönte seine Werke nämlich häufig mit einem besonders dekorativen Merkmal: Bei ihm prangen aufwändig geschnitzte Löwenhäupter am Ende des Instrumentenhalses (siehe kleines Foto). Jeder Löwenkopf ist ein Unikat, keiner wie der andere.

Etwa 300 Instrumente dürfte Stainer gebaut haben. Mehr ging sich in einem Leben nicht aus, zumal der Meister keine Mitarbeiter beschäftigte. Bei ihm wurden ganze Ensembles verschiedener Instrumente geordert. Ein Jahr ging bei solchen Großaufträgen schnell vorbei.

Schröder ist auch Gutachter. Er befindet über die Echtheit eines vermeintlichen Stainers. „Das Fachwissen vorausgesetzt, erkennt man das relativ leicht, weil die Instrumente eben so einzigartig sind“, spielt Schröder seine Tätigkeit ein wenig herunter.

Die Stainer-Geigenzettel, quasi die Echtheitszertifikate der damaligen Zeit, sind besonders kritisch zu beäugen. Sie wurden massenhaft nachgebildet und in Instrumente geklebt, die Stainers Werkstatt nie von innen gesehen hatten. Stainer wurde oft kopiert, doch er blieb unerreicht.