Printausgabe der Tiroler Tageszeitung vom Sa, 29.06.2019


Konzert

Tiroler Duo “Molly“: Knabengesang und polierte Stiefeletten

„Shoegazing“ mit geschlossenen Augen oder hinter dichten Nebelschwaden. Lars Andersson zeigt sich versteckt auf der Bühne.

© Gasser„Shoegazing“ mit geschlossenen Augen oder hinter dichten Nebelschwaden. Lars Andersson zeigt sich versteckt auf der Bühne.



„All That Ever Could Have Been" heißt das Debütalbum des Tiroler Duos Molly. Vieles, das sein hätte können, verwirklichte sich am Donnerstag in der pmk Innsbruck. Dort wurde in den Veröffentlichungstag der ersten vollständigen Molly-LP hineingefeiert. Diese erschien auf einem britischen Label am Freitag retro-richtig auf CD und Vinyl.

Als dritten Song spielten Molly ein neues Werk. In dem siebenminütigen „Weep, Gently Weep" singt sich Sänger Lars Andersson in sogar für ihn ungeahnte Höhen.

Noch länger dauert der Opener des Albums. „Coming Of Age" klingt, als würde es selbst gerade erst erwachsen. Lars Andersson singt unendlich langgedehnte Melodien, seine Gitarre hat dank der vielen Effekte teilweise etwas von Streichinstrumenten.

Phillip Dornauer spielt zusätzlich zum Schlagzeug noch ein Keyboard und Basspedale per Fuß. So schaffen sie zu zweit hallende Klangsphären, die spannungsvoll anschwellen. Wie in Zeitlupe entwickeln sich die Lieder, die eine saugende und fast sakrale Wirkung entfalten.

Die Wiederholung schafft eine Art Trance, bis zum Höhepunkt. Dort angelangt, passierte es, dass Andersson vor lauter Headbangen seinen Hut verlor. Molly haben auch wuchtiges Getöse im Repertoire (höre das Ende von „Glimpse").

„Shoegaze" ist die Genrebezeichnung für Musik, die introvertiert, die eigenen Schuhe anstarrend, performt und genossen wird. Idealerweise in glänzend aufpolierten Stiefeletten, wie sie Molly tragen.

Auch musikalisch sind Molly das Paradebeispiel für dieses Genre und einer der vielversprechendsten Tiroler Musikexporte. (lg)