Printausgabe der Tiroler Tageszeitung vom Sa, 13.07.2019


Konzert

“Scooter“ in Wien: So hyper, dass es wehtut

„Scooter“ kann man nicht erklären, aber erleben. Etwa am Donnerstag in Wien.

„How much is the fish?“ Diese Frage konnte „Scooter“-Frontmann H. P. Baxxter (55) auch dem Publikum in Wien nicht beantworten.

© Acoda Films„How much is the fish?“ Diese Frage konnte „Scooter“-Frontmann H. P. Baxxter (55) auch dem Publikum in Wien nicht beantworten.



Von Barbara Wohlsein

Wien – Döpdöpdöp-dödö-döpdöpdöp. Der Fan-Schlachtruf tönt über das Konzertgelände, bevor jemand die Bühne betritt. Die Melodie aus dem Song „Maria (I Like It Loud)“ ist so beliebt und potenziell auch so nervig wie das Gitarrenriff aus „Seven Nation Army“.

Wer Scooter sagt, muss grinsen. Das liegt auch daran, dass sich Scooter selbst seit 25 Jahren als Lachnummer inszenieren. Brachiale Technobeats, gepaart mit dämlichen Texten, dargeboten von einem Frontmann, der sich H. P. („Äitschpi“) nennt und eigentlich Hans Peter heißt – das kann sich eigentlich nicht ausgehen. Und doch sind Scooter Kult, nicht nur bei der Generation Loveparade.

Würde man eine popkulturelle Analyse des Phänomens vom Schreibtisch aus machen, könnte man mit dem 90er-Revival argumentieren, das sich derzeit in der Mode und in der Musik abspielt. Ein Blick ins Publikum in Wien reicht aber, um diese These in den Müll zu werfen. Hier sind die wenigsten da, um das Phänomen Scooter mit hochgezogener Augenbraue zu belächeln. Vielmehr ist eine extrem gemischte Gruppe aus jungen, alten, exzentrischen, braven, benebelten und nüchternen Menschen in die Metastadt gekommen, um Zeilen wie „I Feel Hardcore“ zu brüllen.

Um sich auf Scooter einzulassen, bedarf es allerdings einer ordentlichen Portion Toleranz. Man darf sich nicht von der komplett übertriebenen Pyrotechnik abschrecken lassen. Oder von den leicht bekleideten Tänzerinnen, die wirken, als seien sie von H. P. Baxxter persönlich in einem Club auf Ibiza gecastet worden. Und auch nicht von den männlichen Tänzern, die in wechselnden „Freizeitoutfits“ herumhampeln müssen.

H. P. Baxxter bleibt die ganze Show über komplett in seiner Rolle. Die Selbstironie, die er in Interviews aufblitzen lässt, hat er wohl backstage abgegeben. Zwischen den Songs kommuniziert Baxxter fast nur auf „Englisch“ und reiht einzelne Wörter und Phrasen aus Scooter-Songs aneinander. „Yeah, yeah, yeah, wicked, wicked, are you ready to rave? Yeah, yeah!“ Tiefgründiger wird’s an diesem Abend nicht mehr. Muss es auch nicht.

Am Ende riecht’s nach Achselschweiß und Wodka Bull, die müden Raver verlassen glücklich das Gelände und singen weiter. Döpdöpdöp.