Printausgabe der Tiroler Tageszeitung vom Sa, 13.07.2019


Ed Sheeran

„No. 6 Collaborations Project“: Gemeinsam nicht richtig dabei

Ed Sheeran baut bei seiner neuen Platte auf die Unterstützung von Musikkollegen. Gegenseitige Befruchtung gibt es aber nicht.

Ed Sheeran.

© Screenshot/YouTubeEd Sheeran.



Innsbruck – Der Rothaarige und die Gitarre. Allein vor 33.000 kreischenden Fans. Restlos begeistert hatte Ed Sheeran Ende Juni seine Gäste beim Österreich-Auftritt in Klagenfurt. Im Gepäck hatte er seine Hits, die sich längst nicht mehr nur an einer Hand abzählen lassen. Nicht fehlen durfte da auch „Perfect“, ebenjener Dauerbrenner, der dank in Hintertux gedrehten Kitschvideos mit Tirol auf ewig verbunden bleibt.

Seine neuen Songs aber – das Album „No. 6 Collaborations Project“ steht seit gestern in den Regalen der virtuellen Musikdealer – schafften es bei seinem letzten Austro-Gastspiel bis auf zwei Ausnahmen nicht auf die Setliste. Wie auch. Ist Sheeran bei seinem neuen Projekt doch die Gitarre und damit fast alles, was ihn ausmachte, abhandengekommen. Die neue Platte besteht aus 15 Zusammenarbeiten mit anderen. Und nein, Justin Bieber kam nicht in Klagenfurt vorbei, um mit Sheeran seinen neuen Song zu trällern.

Bieber ging mit ihm für „I Don’t Care“ ins Studio. Endprodukt: eine müde Mitwipp-Nummer; und allerlei Geschleime über die sozialen Kanäle. Beide entpuppten sich als Fanboys des jeweils anderen. Einen gewissen Schmäh bewahren sich die Mittzwanziger höchstens im dazugehörigen Video. Herzige Quintessenz des Songs: „When I’m with my baby, yeah, all the bad things disappear“. Sehen lassen kann sich „Beautiful People“, der Opener, den Sheeran mit US-Rapper Khalid intoniert. Selbst wenn auch dieser Song schreit: Ein Baby an deiner Seite kann alles richten.

Beim Gemeinsam-Sein – mit einem Baby oder anderen Musikkollegen – hat Ed Sheeran Erfahrung. Am Anfang seiner Karriere hat er es schon einmal getan: Für „No. 5 Collaborations Project“ holte er sich Rapper ins Studio und machte auf braven Bad Boy. Beim Nachfolger von 2019 schauten insgesamt 22 Gäste vorbei: unter ihnen Camila Cabello, Cardi B, Eminem oder auch DJ-Größe Skrillex. Eine illustre Liste – dass das Kollektiv aber nicht unbedingt zur gegenseitigen Befruchtung anregen oder gar musikalische Qualität zur Folge haben muss, beweisen die Songs genauso. Die hippen Ausflüge in den Hip-Hop enden in belanglosem Gehopse.

„No. 6 Collaborations Project“ ist damit kein Album mit Konzept, sondern ein eher musikalisches Fotoalbum von schnell anberaumten To-do-Kooperationen; gemeinsam, aber nicht richtig bei der Sache. Den alten Sheeran hört man vielleicht bei „Best Part of Me“, das er mit YEBBA trällert – bis einem auffällt, da wurde der typische Sheeran-Schmalz sogar noch potenziert. Übrig bleibt Countrykitsch, der einem schwer im Hals stecken bleibt.

Auch der Abschluss des Albums ist schwere Kost: Wer sich bei der Nummer mit Bruno Mars und Chris Stapleton einen sonnigen Sommerhit erwartet hat, der wird von den drei Herren im Regen stehen gelassen: „Blow“ ist fader Alte-Männer-Rock. Ob das Sheeran beunruhigt? Sicher nicht. Spaß gemacht hat’s doch wohl hoffentlich. Die Fans verzeihen ihm die Platte eh. Und werden weiterkreischen. (bunt)

Pop, Ed Sheeran, „No. 6 Collaborations Project“, Atlantic Records.