Printausgabe der Tiroler Tageszeitung vom Mo, 15.07.2019


FM4-Charts

Südtiroler Musikduo Anger macht Hedonisten-Pop für Millenials

Performance und Musik: Dreampop katapultierte das Südtiroler Musikduo „Anger“ an die Spitze der FM4-Charts.

„Anger“ muss nicht immer Zorn heißen: Der Bandname erzählt auch von Julian Angerers Nachnamen und Noras Piders Heimatadresse.<span class="TT11_Fotohinweis">Foto: Hauer</span>

© „Anger“ muss nicht immer Zorn heißen: Der Bandname erzählt auch von Julian Angerers Nachnamen und Noras Piders Heimatadresse.Foto: Hauer



Innsbruck – Lange waren sie ein Geheimtipp. Vor Kurzem standen sie an der Spitze der FM4-Charts. Das erfrischend andere Duo Anger gibt es seit dem Zeitpunkt, als Sängerin Nora Pider einen Musikladen verlässt – als stolze Besitzerin eines rosafarbenen Basses. Spielen konnte die Keyboarderin den noch nicht. Trotzdem beschloss sie gemeinsam mit ihrer besseren Hälfte Julian Angerer, ab jetzt selbst Musik zu machen.

2017 kamen die gebürtigen Südtiroler beim Label „Phat Penguin“ in ihrer Wahlheimat Wien unter, die EP „Liebe & Wut“ – Dreampop, in dem eingängige Gitarrenstreicheleinheiten auf sanftes Geflüster stoßen – folgte ein Jahr später. „Hedonistenpopforlovers“, nannte Anger das Genre – und da wird natürlich über die Liebe geflüstert. Ein Thema, das Pider und Angerer eigen verarbeiten, ist das Duo doch auch privat ein Pärchen. „Es ist schön, weil man alles teilt“, meint Pider im Gespräch. Und eben auch kompliziert, weil man alles teile.

Auch abseits der Musik sind sie unzertrennlich, etwa im Theaterensemble „VonPiderzuHeiss“, wo die beiden seit 2009 mit anderen Künstlern zusammenarbeiten; ihre Produktion „Born To Kill“ – eine Zusammenarbeit mit dem Tiroler Autor Martin Fritz – war zuletzt im Herbst im Rahmen von „Vorbrenner“ im Freien Theater Innsbruck zu sehen.

Eine Art von Performance spiele für Anger auch live eine Rolle, erklärt Pider. Die Musik sei inzwischen auch definitiv Mittelpunkt ihrer beider Leben. Das hat sich ausgezahlt: Die erste Single ihrer neuen Platte, „Baby“, kletterte zuletzt auf Platz eins der FM4-Charts. Dort passt der freche Song von und für Millennials auch hin. „Natürlich interessiert uns diese Generation, weil wir ihr selbst angehören“, erklärt Pider. „Eine Generation, die laut und bunt ist.“ Und sich nicht davor scheue, kritisch zu sein. Auch im sonst so glatten Pop.

Wie kritisch, das können Hörer auf der neuen Platte, die im September erscheint, in Erfahrung bringen. Einen Vorgeschmack gibt’s online: Das offizielle Video von „Baby“ gibt es nur (wie passend!) als Duo mit der zweiten Single „Sie schreit“. Da steht nur noch ein längst überfälliger Tirol-Termin auf der To-do-Liste. (bunt)