Printausgabe der Tiroler Tageszeitung vom Do, 18.07.2019


Musik

„La Vaghezza“: Soundtrack aus der Zeit von Galileo Galilei

Ein irdisches Ereignis ließ die partielle Mondfinsternis glatt vergessen: viel Beifall für „La Vaghezza“ beim Gastspiel auf Schloss Ambras.

Das Ensemble „La Vaghezza“ eröffnete den sommerlichen Konzertreigen im Spanischen Saal von Schloss Ambras.

© Michael VenierDas Ensemble „La Vaghezza“ eröffnete den sommerlichen Konzertreigen im Spanischen Saal von Schloss Ambras.



Innsbruck – Viele Köpfe reckten sich himmelwärts am späten Dienstagabend. Eine partielle Mondfinsternis war angesagt. Keine Wolke in Sicht, da wollte man einen Eindruck von diesem seltenen Schauspiel am Firmament bekommen. Zuvor aber zog im Spanischen Saal von Schloss Ambras ein anderes Ereignis alle Blicke auf sich. Die italienische Formation La Vaghezza bewegte sich beim ersten Schlosskonzert der Saison musikalisch im Zeitalter Galileo Galileis (1564–1642).

Durchaus stimmig. Denn Vielwisser und Vielversteher Galileo hatte sich selbst ausgiebig mit Phänomenen im All befasst. Mit seiner – richtigen – Annahme, dass sich die Erde um die Sonne dreht (und nicht die Erde Mittelpunkt des Universums ist), handelte er sich mächtig Ärger mit der Kirche ein. Unter dem Druck der Inquisition musste Galilei seine Lehre widerrufen. „Und sie (die Erde) dreht sich doch!“ soll dem Wissenschafter nach überstandenem Tribunal, in dem er das Gegenteil behauptet hatte, trotzig entfleucht sein.

Die fünf Musiker von La Vaghezza lieferten einen Soundtrack der damaligen Zeit. Zwei Geigen, ein historisches Saiteninstrument namens Theorbe, dazu Cello und wahlweise Orgel oder Cembalo bildeten das Instrumentarium. In den Tänzen, Liedern und kleinen Sonaten aus dem 16. und frühen 17. Jahrhundert klang phasenweise die freudvoll verspielte Musik des frühen Barocks schon deutlich durch.

Das hellauf begeisterte Publikum ließ die famosen Musiker von La Vaghezza erst nach zwei Zugaben von dannen ziehen. Besonders das hochkomplexe, dramatisch bis lyrische Wechselspiel der beiden Geigen, Mayah Kadish auf der einen Seite und Ignacio Ramal Viejo auf der anderen, ließ so manchen Mund bewundernd offenstehen. Draußen musste der vermeintlich teilverdunkelte Mond noch warten. (mark)

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