Printausgabe der Tiroler Tageszeitung vom So, 21.07.2019


Musik

“Matakustix“: Ab sofort regiert der Almösiking

Ein Kärntner Allrounder macht mit seinem Projekt „Matakustix“ alle narrisch. Der „Almösiking“ tritt nun seinen Siegeszug an.

Belebend: Das Musikprojekt „Matakustix“ rund um Matthias Ortner (m.).

© KnablBelebend: Das Musikprojekt „Matakustix“ rund um Matthias Ortner (m.).



Von Hubert Trenkwalder

Klagenfurt – Matthias Ortner alias Matakustix bespielt mit seinen Musikerkollegen Christia­n Wrulich und Michae­l Kraxner in Kärnten 3000er-Locations wie die Wörtherseehalle in Klagenfurt oder die Messehalle in Villach.

Warum das hier erwähnt wird? Weil trotz der Kleinheit des Landes zwischen Bodensee, Neusiedler und Wörthersee der Westen und Osten oft völlig übersehen, was im Süden so abgeht und umgekehrt.

Es ist offenbar an der Zeit, ein Projekt etwas nach vorne an die Bühnenkante zu schieben: Matakustix. Der Nam­e ist ein Wortspiel aus Matthia­s und akustisch. Das X erinnert vielleicht spontan an Miraculix, aber mit Zauberei hat der Werdegang des Musikers wenig zu tun.

Matthias tourte rund um die Jahrtausend­wende quer durch Europ­a, war selbst mutig genug, sich zu trauen, den Briten Carinthian-Rock näherzubringen, aber die gefühlte Distanz zu den Originalen war am Ende halt doch größer. Hier im Land, da regiert vielmehr die Ziacha, die größten Hits werden im lokalen Zungenschlag geschrieben und gesungen, und der heimische Rock ’n’ Roll ist eher bei Songs wie „Schifoan“ oder „Fürstenfeld“ daheim.

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Im Volksmusikland Kärnten entfernte sich Matthias zwar vom klassischen Heavy-Rock, doch dort, wo der Rock seine Wurzeln hat, im Herzen, in der Attitüde, da ist sich Matthias bis heute treu geblieben.

So greift er tief in die unterschiedlichsten Genres, baut rund um ein urösterreichisches Fundament seine im Dialekt geschriebenen Texte, erkannte, dass der Rap gar nicht aus der Bronx stammt, sondern schon vor 50 Jahren von Pirron und Knapp im Schnitzelland erfunden wurde, jagt­e das alles durch die Beat Box und zog dabei ganz bewusst den Starkstromstecker.

So – in etwa – ist Mata­kustix. In den späten 70ern und 80ern waren die Wiener rund um Ambro­s und Danzer und dann die Steirer mit EAV, STS und Steffi Werger bundesweit erfolgreich. Punktuell meldeten sich die anderen Bundesländer auch dann und wann in den Charts, aber eigentlich war der Graben immer irgendwie da.

Wien rockt, alles andere jodelt oder ist sonst wie mit sich selbst beschäftigt. Ausnahmen bestätigen wie immer die Regel. „Österreichische Popkultur heute? Die ist wesentlich bunter und lebendiger, als es auf den ersten Blick ausschaut“, sagt Matthias und weiß, dass er mit dem, was er macht, punktgenau zwischen Stadt und Land aufspielt. Zwischen den Stühlen, sich jedweder Katalogisierung verwehrend, musizieren Matakustix nun seit acht Jahren mit stetig wachsendem Publikumszulauf. Mundpropaganda und Internet (großartiges Video auf Youtube) helfen fleißig mit. Und da ist er jetzt, der längstverdiente Hit: Der „Alm­ösiking“ nimmt sich selbst auf die Schippe, groovt, bedient auf sympathische Weise alle rotweißroten Klischees und läuft österreichweit im Radio.

Es ist nur eine Frage der Zeit, dann werden Matakustix vermutlich weit über den Süden hinaus die Hallen füllen.




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