Printausgabe der Tiroler Tageszeitung vom Di, 06.08.2019


Exklusiv

Festwochen der Alten Musik: Noble Klarheit, exaltiertes Entzücken

Dirigent Howard Arman präsentiert beim Festwochen-Introitus in der Stiftskirche Stams eine beglückende Rarität.

Solisten des Chors des Bayrischen Rundfunks, das Trompeten-Consort Innsbruck und ein Instrumentalchor unter Howard Arman in Stams.

© HauserSolisten des Chors des Bayrischen Rundfunks, das Trompeten-Consort Innsbruck und ein Instrumentalchor unter Howard Arman in Stams.



Von Markus Hauser

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Stams – Der auch in Tirol durch seine Tätigkeit als künstlerischer Leiter der Innsbrucker Festwochen der Alten Musik (1991–1995) bestens bekannte, international renommierte englische Musiker, Dirigent, Chorleiter und Komponist Howard Arman ist ein Garant für die allererlesenste Aufführung und Interpretation von Musikwerken jeglicher Stilepoche, von Alter Musik bis hin zum Zeitgenössischen.

Als ausgewiesener Spezialist historisch informierter Chormusik – er leitet zurzeit den Chor des Bayrischen Rundfunkorchesters – durfte man ihn am Sonntagabend im Rahmen der Innsbrucker Festwochen der Alten Musik in der Stiftskirche Stams erleben. Mitgebracht hatte Arman eine von ihm in einem Grazer Chorbuch entdeckte wahre Rarität, die nachweislich erste Messe, in der „con le trombe“ im Titel enthalten ist und in deren 16-stimmige Komposition Trompetenchöre eingebunden sind. Die Messe stammt vom fast vergessenen Hofkomponisten der Habsburger, Reimundo Ballestra, der ab 1602 am Hof Erzherzog Ferdinands von Innerösterreich in Graz wirkte.

Erlesen die Wahl der Interpreten, die mit Solisten des Chors des Bayrischen Rundfunks, dem einzigartigen und international gefeierten Trompeten-Consort aus Innsbruck um Andreas Lackner und einem zehnköpfigen, international besetzten Instrumentalchor mühelos höchsten Ansprüchen gerecht werden. Erlesen auch die Programmgestaltung: Ballestras Messe mit Sonaten und Kanzonen der drei „Giovannis“, G. Gabrieli, G. Valentini und G. Priuli im Wechsel, ließ in einen musikalischen Kosmos eintauchen, für den die Stiftskirche Stams den idealen Rahmen bildete.

Die vielfältigen Klangmöglichkeiten der gemischten Ensembles aus Bläsern, eng mensurierten Posaunen, Trompetenchor, Zinken, Orgel und Streichern, getragen von der stark besetzten Continuo-Ebene, wurden den ganzen Kirchenraum füllend sensibelst ausgelotet. So reich an Klangfarben, unterschiedlichen Satztechniken und differenziert vielfältigen motivischen Ideen: reiner Genuss. Durchsichtigkeit im dichtesten polyphonen Satzgewebe, sie war ebenso gegeben wie die so machtvoll ergreifende Bläserpräsenz, selbst im gemächlich Dezenten.

Vokal waren es schlicht und ergreifend jene einnehmenden Qualitäten, die sich aus der Summe von rhetorischer Deutlichkeit, nobler Klarheit und exaltiertem Entzücken ergeben. Von den von jeglichem Zwang befreiten, sich in den Raum erhebenden Harmo- nien aus Giovanni Gabrielis „Magnificat á 17“ zum Abschluss beglückt, verließ ein begeistertes Publikum die Stiftskirche.


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