Printausgabe der Tiroler Tageszeitung vom Do, 08.08.2019


Tirol

Bierlein eröffnete Festwochen der Alten Musik: Klangreisen durch Zeit und Raum

Die Eröffnung der 43. Innsbrucker Festwochen der Alten Musik stand ganz im Zeichen der Verschränkungen von Wissenschaft und Kunst.

Die „Accademia La Chimera“ unter Fabrizio Ventura spielte Auszüge aus Händels „Ottone“.

© Thomas BöhmDie „Accademia La Chimera“ unter Fabrizio Ventura spielte Auszüge aus Händels „Ottone“.



Innsbruck – Alessandro De Marchi fasste sich zur Eröffnung der zehnten von ihm verantworteten Innsbrucker Festwochen der Alten Musik kurz. „Musiker reden wenig, sie musizieren“, erklärte De Marchi – und setzte sich ans Cembalo. Gemeinsam mit Chiara Cattani – ebenfalls am Cembalo – und dem Countertenor Filippo Mineccia erlaubte der Festwochen-Intendant einen vormittäglichen Ausblick auf Riccardo Broschis Oper „Merope“, die gestern Abend im Tiroler Landestheater erstmals seit gut 300 Jahren zur Aufführung kam.

Das Reden also überließ De Marchi anderen. Kulturlandesrätin Beate Palfrader (ÖVP) zum Beispiel, die – daran führt heuer wohl kein Weg vorbei – an Jahresregent Kaiser Maximilian I. erinnerte. Aber eben auch an den Komponisten Antonio Cesti. Cesti war von 1652 bis 1657 Hofkapellmeister in Innsbruck, komponierte hier unter anderem die Oper „La Dori“, die heuer bei den Festwochen zu erleben ist (Premiere: 24. August). Cestis Tod jährt sich 2019 zum 350. Mal.

Bundeskanzlerin Brigitte Bierlein
Bundeskanzlerin Brigitte Bierlein
- Thomas Böhm

In Cestis Todesjahr – auch daran wurde gestern im Spanischen Saal von Schloss Ambras mehrfach erinnert – wurde die Leopold-Franzens-Universität Innsbruck gegründet. Der Verbindung von Wissenschaft und Kunst war dann auch der Eröffnungsempfang der 43. Innsbrucker Festwochen gewidmet. Die Festwochen selbst sind heuer mit „Glanzlichter“ überschrieben – und bei der Suche nach einer sinnstiftenden Klammer, für Glanz, Kunst und Wissenschaft, landeten sowohl Palfrader als auch Innsbrucks Bürgermeister Georg Willi (Grüne) beim „Freischütz“-Librettisten Johann Friedrich Kind. Kinds Erkenntnis, dass der Menschengeist da am hellsten leuchtet, „wo Glanz der Kunst mit Glanz der Wissenschaft sich eint“, diente beiden als Ausgangspunkt für ihre Überlegungen. Wobei Willi darauf hinwies, dass das erste Fach, das in Innsbruck gelehrt wurde, Logik, also folgerichtiges Denken, war. „Heutzutage fragt man sich, ob manche Staatenlenker bei dem Fach gefehlt haben“, stellte der Bürgermeister mit Blick auf Donald Trump oder das „Ibiza-Video“ fest. Aber er sei durchaus hoffnungsvoll, dass sich künftig auch glänzende Politik an die Seite glänzender Wissenschaft und glänzender Kunst stellen könnte.

Auch Bundeskanzlerin Brigitte Bierlein, die die 43. Innsbrucker Festwochen offiziell eröffnete, nahm ihre Rede zum Anlass, um über Politik zu räsonieren. Diese trage große Verantwortung und dürfe nicht das Trennende, sondern das Verbindende in den Blick nehmen. Es sei nicht zuletzt die Kunst, die es vermag, der Politik den Spiegel vorzuhalten. Wie die Musik brauche auch die Staatsführung ein ruhiges, harmonisches Fundament, das „alles andere, was sich gewissermaßen darüber abspielt“, trägt.

Georg Willi: „Ich habe Hoffnung, dass dreifacher Glanz erreichbar ist: glänzende Wissenschaft, Kunst und Politik.“
Georg Willi: „Ich habe Hoffnung, dass dreifacher Glanz erreichbar ist: glänzende Wissenschaft, Kunst und Politik.“
- Thomas Böhm

Davor hatte auch Festrednerin Konstanze Zwintz Schnittpunkte von Kunst und Wissenschaft herausgearbeitet. In Form einer Reise durch Raum und Zeit schlug die Professorin am Institut für Astro- und Teilchenphysik der Universität Innsbruck eine Brücke zwischen astronomischer Sphärenmusik und Kompositionslehre vom Barock bis zur Zwölftonreihe.

Musikalisch verziert wurde die Eröffnung neben der eingangs erwähnten „Merope“-Arie von zwei Auszügen aus Georg Friedrich Händels Oper „Ottone, Rè di Germania“, der diesjährigen Barockoper:jung (Premiere: 8. August). (jole)


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