Printausgabe der Tiroler Tageszeitung vom Mo, 12.08.2019


Musik

Himmlisches Hochamt: Helden-Arien aus Farinellis Zeiten in Innsbruck

Countertenor Valer Sabadus und seine hervorragenden Begleitmusiker veredelten am Samstagabend im Innsbrucker Riesensaal Helden-Arien aus Farinellis Zeiten.

Das 33-jährige Stimmwunder Valer Sabadus triumphierte mit dem Programm „Farinelli und andere Helden“ bei den Innsbrucker Festwochen.

© LarlDas 33-jährige Stimmwunder Valer Sabadus triumphierte mit dem Programm „Farinelli und andere Helden“ bei den Innsbrucker Festwochen.



Innsbruck – Nachdem zum Start der 43. Innsbrucker Festwochen der Alten Musik mit Riccardo Broschis „Merope“ eine Rarität sondergleichen aus den Archiven der Musikgeschichte gehoben wurde, die seither auch und gerade bei internationalen Festivalbeobachtern für Begeisterung sorgt, standen am Samstagabend im Riesensaal der Hofburg Alte Meister von ungleich größerer Strahlkraft im Zentrum: Countertenor Valer Sabadus – ein Star der Szene – widmete sich heroischen Arien von Nicola Porpora, Georg Friedrich Händel und Antonio Caldara. Die rein Instrumentalen Vor- und Zwischenspiele stammten von Caldara, Antonio Vivaldi, Giovanni Battista Bononcini. Und gerade hier zeigte das Ensemble – Mayumi Hirasaki, Anna Dmitrieva, Corina Golomoz (Violine), Leonhard Bartussek (Violoncello), Makiko Kurabayashi (Fagott), Luca Quintavalle (Cembalo) und Michael Dücker (Laute und Mandoline) – hochdramatisches Gespür, gestattete sich aber auch hintersinnige Spielfreude. Im Largo-Teil von Vivaldis Concerto B-Dur für Mandoline, Violine, Streicher und Basso continuo zum Beispiel, der sich mit federleichtem Pizzicato als heiterer Urahn sommerlichen „Easy Listenings“ entpuppte.

Im Zentrum des „Farinelli und anderen Helden“ zugedachten Abends freilich stand Sabadus’ meisterhafte „messa di voce“, sprich: die atemberaubende Präsentation stimmlicher Ausnahmeakrobatik. Valer Sabadus, der zuletzt 2015 bei den Festwochen gastierte, ist ein hochexpressiver Sänger und trotzdem punktgenau. Ungemein einfach, beinahe mühelos wirkt es, wenn er sich auf seine Begleitmusiker einschwingt, sich ganz auf die Musik einlässt, um dann glasklar und überirdisch schön von Seelenpein und rachsüchtiger Raserei – in „L’angue offeso“ aus Händels „Giulio Cesare in Egitto“ zum Beispiel – zu singen. Spätestens dann vergisst man als Zuhörer Raum und Zeit – folgt ganz selbstvergessen, schmilzt dahin. Dass sich der Riesensaal mancher Klangfacette prunkvoll-störrisch verschließt, während seine Fenster für Frischluftzufuhr verschlossen bleiben – egal. Nichts spielt eine Rolle, wenn Sabadus sich, scheinbar befreit von jeder irdischen Last, in höchste Höhen schwingt. Kein Wunder, dass einst, zu Farinellis Zeiten, vergleichbare Stimmwunder chirurgischer Grausamkeit geschuldet waren, und mancher Begeisterungssturm in der Ohnmacht endete. In der Hofburg entlud sich die beispielhaft konzentrierte Andacht während dieses hochmusikalischen Hochamtes in euphorischem Jubel: stehende Ovationen. Zu Recht. (jole)


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