Printausgabe der Tiroler Tageszeitung vom Mi, 14.08.2019


Innsbruck

Barockes Rhythmusgewitter bei den Festwochen der Alten Musik

Patricia Guerrero zeigte im Landestheater, wie gut Flamenco mit Alter Musik harmoniert.

Starker Ausdruck: In eleganten Bewegungen und exakter Rhythmik wird der Körper bei Patricia Guerrero zum Instrument.

© Michael VenierStarker Ausdruck: In eleganten Bewegungen und exakter Rhythmik wird der Körper bei Patricia Guerrero zum Instrument.



Innsbruck – Anfänglich herrschte Skepsis. Was hat Flamenco mit Barockmusik gemein? Gar nicht so wenig, erklärten die Festwochen der Alten Musik am Montag dem zahlreich erschienenen Publikum. Der Anlass: Der Shootingstar der internationalen Flamencoszene, Patricia Guerrero, gastierte am Tiroler Landestheater. Begleitet wurde sie vom spanischen Originalklangensemble Accademia del Piacere um Leiter Fahmi Alqhai und Flamenco-Sängerin Rocío Márquez.

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Diese führte die Zuhörer in die intensive Klangwelt des Flamenco ein; typisch dabei der in Melismatik vorgetragene „cante“, bei dem ein Vokal durch mehrere Noten in die Länge gezogen wird. Assoziationen zu Wehklagen und orientalischen Gesängen werden geweckt. Der Flamenco fußt gleich in mehreren Traditionen: in europäischer, amerikanischer und afrikanischer.

Diese Einflüsse und die große Schnittmenge mit der Alten Musik versucht Accademia del Piacere klanglich zu verarbeiten – in vornehmlich traditionellen Stücken. Highlight ist die technische Brillanz der Musiker, die in ausgedehnten Improvisationsparts zelebriert wird, stets begleitet von der umwerfenden Stimme der Flamenco-Sängerin.

Den Eindruck kann nur noch Tänzerin Guerrero intensivieren, die zu einigen Stücken (das Glanzstück: ein Solo mit Sängerin Márquez) inmitten der Musiker ins Licht tritt. Und mit einem sinnlich-eindringlichen Tanz den Zuhörern zusätzlich einen ästhetischen Anreiz gibt – nicht primär verführerisch, liefert sie vielmehr ein elegantes, mit dem Körper erzeugtes Rhythmusgewitter. Bei der Zugabe („Ángeles Negros“) wird sie, bewaffnet mit dem „pico“, einem Tuch mit langen Fransen, dann gar zur Schleiertänzerin, die an die Wegbereiterinnen des modernen Tanzes, Loïe Fuller oder Isadora Duncan, denken lassen. (bunt)




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