Printausgabe der Tiroler Tageszeitung vom Fr, 16.08.2019


Alte Musik

Festwochen: Kreativer Blick in den Süden

Charmante Handreichung von Bach und den Italienern durch Robin Johannsen und die Akademie für Alte Musik Berlin.

Robin Johannsen singt Bach im Spanischen Saal von Schloss Ambras. Rechts Flötensolist Leonard Schelb.

© VenierRobin Johannsen singt Bach im Spanischen Saal von Schloss Ambras. Rechts Flötensolist Leonard Schelb.



Von Ursula Strohal

Innsbruck – Seit vielen Jahren vertraut, bewundert, geliebt: die Akademie für Alte Musik Berlin bei den Innsbrucker Festwochen. Bach war das Zentrum ihres Konzertes auf Schloss Ambras, obwohl seine Musik nur einen Teil des Programmes ausmachte, aber Johann Sebastian ist nun einmal die Mündung. Zumal, wenn Scarlatti und Vivaldi vorausgehen. Es wäre nicht fair, beide für sich großen Italiener dem Deutschen Stück für Stück gegenüberzustellen, und ist in diesem Zusammenhang auch sinnstiftend, ein altes Thema erhellend aufzubereiten: Bach und Italien, oder laut Programmheft „Bach in Italien“.

Er war nie dort. Doch er kannte die aktuelle Musik, in den Englischen und Französischen Suiten setzte er sich mit Tanzformen auseinander, Anregung boten auch französische Organisten – und lebenslang die Italiener. In seinen Bearbeitungen von Antonio Vivaldis Konzerten offenbarte Bach aber nicht nur Interesse, sondern naturgemäß auch sein­e Kreativität und Originalität. Der thematische Zugriff, die Geschmeidigkeit der Linien, das dialogische Prinzip nahm er an in Verbindung mit seiner Raffinesse und kontrapunktischen Kunst der Stimmführung.

Im Spanischen Saal haben Akamus, solistisch singulär besetzt, und die bezaubernde Robin Johannsen das deutlich, dabei mit hohem ästhetischen Anspruch und Unterhaltungswert dargelegt. Alessandro Scarlattis Concerto für Blockflöte in a-Moll und die Kantat­e „Bella, s’io t’amo“ sowie Vivaldis Concerto für Streicher in e-Moll und Arie für Sopran und Traversflöte „All’ombra di sospetto“ führten natürlich zu Bachs „Concerto nach italienischem Gusto“, das Raphael Alpermann am Cembalo nicht unfehlbar, daher aber auch nicht mechanisch spielte, und zu seiner Kantate „Non sa che sia dolore“ BWV 209. Dazwischen eine Arie aus Pergolesis Stabat Mater in überraschender Bach-Version.

Robin Johannsens lyrische Zartheit und leise Verhangenheit, ihr Lächeln, das sie auch in die Stimme legt, verschmolzen mit dem Stilbewusstsein und Charme des in jeder Stimme bedeutungsvollen, doch perfekt sich integrierenden Akamus-Ensembles. Angeführt von Bernhard Forck, am Bass gestützt von Walter Rumer. Herausragend Leonard Schelbs solistische, musikalisch und klanglich verführerische Block- und Traversflöte.


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