Printausgabe der Tiroler Tageszeitung vom Mo, 19.08.2019


Festwochen

Innsbrucker Festwochenorchester: Die große Zukunftschance

Das Innsbrucker Festwochenorchester hat dieser Tage sein Debüt exzellent absolviert.

Walter Rumer, international gefragter Tiroler Kontrabassist, im Ambras-Konzert mit der "Akademie für Alte Musik Berlin".

© Michael VenierWalter Rumer, international gefragter Tiroler Kontrabassist, im Ambras-Konzert mit der "Akademie für Alte Musik Berlin".



Innsbruck – Das war mehr als eine Bewährungsprobe: Das Innsbrucker Festwochenorchester hat seine Feuertaufe bestanden. Was innerhalb der Tiroler Alte-Musik-Aktivitäten seit Jahrzehnten angedacht, aber nie Wirklichkeit wurde, setzte Festwochen-Intendant Alessandro De Marchi nun innerhalb der Festwochen-Möglichkeiten um: ein eigenes Barockorchester. Bei den laufenden Festwochen kam es in Broschis Oper „Merope“ und Händels Oratorium „Il Trionfo del Tempo e del Disinganno“ zum Einsatz: leistungsstark, klangsatt, flexibel.

Eine Chance für die Zukunft und jede Unterstützung wert, nicht nur, weil es die Innsbrucker Festwochen überregional stärkt, sondern weil De Marchi die benötigten stilistischen Qualitäten von Fall zu Fall aussuchen kann und heimische mit internationalen Spitzenkräften verbindet. Erstaunlich, wie viele renommierte Solisten da musizierten, die durch ihre Auftritte, CD-Einspielungen, auch Forschungsarbeiten ein Begriff sind: Konzertmeisterin in „Merope“ war, auch in dieser Funktion begehrt, Plamena Nikitassova; Oboist Pier Luigi Fabretti (Les Arts Florissants, Concerto Köln u. a.) schaffte es trotz Salzburger Engagement, dabei zu sein; weiters die überaus vielseitige Cembalistin Chiara Cattani, Flötistin Dorothea Seel, Leila Schayegh, im Vorjahr mit einem Biber-Abend bei den Festwochen erfolgreich, als Konzertmeisterin im Oratorium usw. Auch Mitglieder der Academia Monti­s Regalis wirkten mit.

In „Merope“ waren die Tiroler Naturtrompeter Christian Gruber und Martin Patscheider, Nikolaus Walch am Naturhorn und Paukist Paul Bramböck eingesetzt, Burg­i Pichler war bei Händel am Kontrabass. Sie entstammt der Klasse von Walter Rumer, der wie Trompeter Andreas Lackner und Schlagzeuger Charlie Fischer (heuer in Stams an der Pauke) zu den international begehrten Tiroler Spezialisten gehört. Rumer war heuer schon verplant, berichtete Betriebsdirektorin Eva-Maria Sens, und wer vergangenen Mittwoch auf Schloss Ambras der Akademie für Alte Musik lauschte, weiß, weshalb. Da war Rumer als deren Stimmführer für Kontrabass im Einsatz.

Das Ensemble wird mit den vorhandenen Mitteln aus dem Festwochen-Budget finanziert und ist jetzt nur als Projektorchester zu führen. „Eine große Herausforderung“, sagt Sens, „heuer die erste Erfahrung, alles Weitere wird jetzt ausgearbeitet.“ Für das „Merope“-Gastspiel am 21. Oktober im Theater an der Wien wird man wieder zusammenkommen. (u.st.)

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