Letztes Update am Do, 22.08.2019 07:09

TT / Tiroler Tageszeitung Onlineausgabe


Klassische Musik

Tiroler Komponist Larcher erhält Großen Österreichischen Staatspreis

Der gebürtige Innsbrucker Thomas Larcher wird am 10. Oktober mit der höchsten Kulturauszeichnung der Republik geehrt. Er erhält den mit 30.000 Euro dotierten Großen Österreichischen Staatspreis.

Der Innsbrucker Komponist Thomas Larcher.

© Richard HaughtonDer Innsbrucker Komponist Thomas Larcher.



Von Joachim Leitner

Wien, Innsbruck – Die höchste heimische Kulturauszeichnung, der Große Österreichische Staatspreis, geht heuer an den Tiroler Komponisten und Pianisten Thomas Larcher. Kulturminister Alexander Schallenberg würdigte den 55-Jährigen gestern als „Grenzgänger der Musik, der eine spezifisch eigene Klangfarbe entwickelt hat“. Der Große Staatspreis ist mit 30.000 Euro dotiert – und soll am 10. Oktober im Bundeskanzleramt verliehen werden.

Larchers Musik erschließe sich Hörerinnen und Hörern unmittelbar, so Schallenberg. Sie sei „mutig, phantasievoll und raffiniert klangsinnlich“, ziehe Zuhörer in ihren Bann und „erschließt so wertvolle Begegnungen mit faszinierenden Klanglandschaften“.

Vergeben wird die Auszeichnung auf Vorschlag des Kunstsenats im Rotationsprinzip innerhalb der Sparten Literatur, Musik, bildende Kunst und Architektur. Gewürdigt wird explizit ein künstlerisches Lebenswerk. In der Sparte Musik wurde zuletzt 2014 Beat Furrer ausgezeichnet. Der letzte Tiroler, der den Großen Staatspreis erhielt, war 2011 der Wörgler Architekt Heinz Tesar.

Sein Votum für Thomas Larcher begründet der Kunstsenat mit dessen herausragender Bedeutung für die zeitgenössische Musikszene. Larchers Arbeiten, die von den wichtigsten Orchestern weltweit zur Aufführung gebracht werden, bewegen sich „auf gefährlichen Routen zwischen gesicherter und ungesicherter Tonalität bis hin zu rein geräuschhaften Flächen“, so die Jury. Als Komponist habe der gebürtige Innsbrucker eine eigene Klangwelt und Handschrift entwickelt, „er lässt sich keinerlei gängigen Trends unterordnen, sein Umgang mit den vielfältigen Möglichkeiten eines großen Orchesters ist virtuos“.

Die Auszeichnung freue ihn außerordentlich, sagte Thomas Larcher gestern in einer ersten Reaktion. Auch weil sie auf Empfehlung des Kunstsenates vergeben wird, „der fachkundigsten Jury, die man sich denken kann“. „Das ehrt mich ganz besonders.“ Dem Kunstsenat gehören vorherige Staatspreisträger an, darunter die Komponisten HK Gruber, Friedrich Cerha, Georg Friedrich Haas und Kurt Schwertsik.

Thomas Larcher, Jahrgang 1964, gründete 1994 das Schwazer Festival „Klangspuren“, das er bis 2003 leitete. Seit 2004 betreut er „Musik im Riesen“. Seine erste Oper „Das Jagdgewehr“ kam im Vorjahr bei den Bregenzer Festspielen zur Uraufführung.

Vielfach ausgezeichneter Komponist

Der gebürtige Innsbrucker Pianist und Komponist Thomas Larcher wurde bereits vielfach ausgezeichnet. Allein im Vorjahr gab es den mit 75.000 Euro dotierten „Prix de Composition Musicale“ in Monaco für seine 2016 geschriebene Symphonie Nr. 2 „Kenotaph“ und den mit 10.000 Euro dotierten Ernst-Krenek-Preis der Stadt Wien. Nun ist der 55-Jährige auch Träger des Großen Österreichischen Staatspreises.

„Als Komponist hat Thomas Larcher sowohl in großen als auch in kleinen Formaten Außergewöhnliches vollbracht. Seine Musik ist zutiefst kommunikativ und gleichzeitig doch kompromisslos“, hieß es seitens der Chamber Music Society des Lincoln Center New York, die ihn mit dem Elise L. Stoeger Preis 2014/15 auszeichnete. „Larcher steht für ehrliche, authentische Musik, auf Distanz haltend und doch sehr offen“, schrieb Manuel Brug 2012 im „profil“. „Dieser Komponist bereichert und erstaunt, er ist Utopist und trotzdem immer auch Realist. An ihm ist kein Kalkül, null Inszenierung.“

Geboren am 16. September 1963 in Innsbruck, studierte Thomas Larcher in Wien Komposition und Klavier und begann seine internationale Laufbahn vor allem als Interpret zeitgenössischer Werke. 1994 gründete er das Festival „Klangspuren“ in Schwaz, das er bis 2003 leitete. 2004 gründete er das Kammermusikfestival „Musik im Riesen“, das jährlich in Wattens stattfindet und unter seiner Leitung jeweils „einen kleinen Ausschnitt meiner musikalischen Welt“ zeigt. Dass er musikalisch vielfältig interessiert und unabhängig von Stilen oder ästhetischen Prämissen ist, spiegelt sich in seiner Programmierung ebenso wie in seinen eigenen Kompositionen.

Zu Larchers frühen Werken zählen Kompositionen wie „Naunz“ für Klavier (1989), „Kraken“ für Violine, Violoncello und Klavier (1994/95) sowie „Mumien“ für Violoncello und Klavier (2001). Es folgten drei Streichquartette, in denen er Originalität und Tradition zu vereinen versuchte. Nach ersten Orchesterstücken wurde 2011 das große Orchesterwerk „Red and Green“ vom San Francisco Symphony Orchestra uraufgeführt. Larchers erste Symphonie „Alle Tage“ wurde 2015 im Concertgebouw Amsterdam und in Leipzig uraufgeführt (und kommt im Dezember in den Musikverein und das Festspielhaus St. Pölten), die zweite Symphonie „Kenotaph“, die unter dem Eindruck der Tragödien um die zahlreichen im Mittelmeer ertrunkenen Flüchtlinge entstand, folgte 2016 mit den Wiener Philharmonikern unter Semyon Bychkov.

Der Liederzyklus“A Padmore Cycle“ wurde für den Tenor Mark Padmore konzipiert. Auch seine erste Oper „Das Jagdgewehr“ nach einem Libretto von Friederike Gösweiner war für Padmore geschrieben, der kurz vor der Uraufführung des Auftragswerks der Bregenzer Festspiele 2018 jedoch absagen musste. Mit Tenor Robin Tritschler wurde die Produktion dennoch ein voller Erfolg, bei den International Opera Awards als beste Uraufführung nominiert und Karl Markovics beim Österreichischen Musiktheaterpreis als bester Regisseur ausgezeichnet.

Heuer eröffnete die britische Premiere von „Das Jagdgewehr“ das Aldeburgh Festival. „At first glance this opera might well be a masterpiece“, hieß es dazu in „The Times“. In Aldeburgh wurde zudem im Juni sein Klavierstück für Pauls Lewis uraufgeführt. Derzeit arbeitet Larcher u.a. für das Concertgebouw an seiner dritten Symphonie.


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