Printausgabe der Tiroler Tageszeitung vom Sa, 24.08.2019


Neuerscheinung

Neues Album von Taylor Swift: Brisantes knapp verpasst

Schmalzpop in 18 Songs: Taylor Swift hält in ihrem neuen Album „Lover“ kaum Überraschungen bereit.

Am Freitag erschien Taylor Swifts siebtes Studioalbum „Lover“.

© Universal MusicAm Freitag erschien Taylor Swifts siebtes Studioalbum „Lover“.



Innsbruck – Ob Donald Trump ihre neue Platte hören wird, ist ungewiss. Der Taylor-Swift-Fan und US-Präsident möge die Musik der Popsängerin laut eigenen Angaben nämlich um 25 Prozent weniger als früher. Warum? Die 29-Jährige hatte vor rund einem Jahr gewagt, ein – von Kritikern schon längst eingefordertes – politisches Statement abzugeben. Via Instagram ließ sie wissen, sie könne nie jemanden wählen, der nicht für die Würde aller Menschen in den USA kämpft – egal, welche Hautfarbe oder Geschlecht sie haben oder wen sie lieben. Die Kritiker jubelten, die Republikaner reagierten verschnupft.

Und die erfolgreichste Solokünstlerin der Gegenwart legt mit ihrem gestern erschienenen Album „Lover“ nach: Im Video zu „You Need To Calm Down“ feiert Swift inmitten von Dragqueens, Ellen De Generes und den „Fab Five“ (aus der Serie „Queer Eye“) eine quietschbunte Party. Das finden die Hillbilly-Nachbarn mit ihren „Ihr kommt in die Hölle“-Protestschildern gar nicht gut – plumper kann ein Statement kaum sein.

Wer meinte, Taylor Swift könne nun in die Riege politischer Liedermacherinnen aufgenommen werden, wird enttäuscht: Die restlichen 17 (!) Songs sind größtenteils auch inhaltlich schmalziger Radiopop, der wenig überrascht. Sie liefert damit auch, das muss man ihr zugutehalten, Melodien, die funktionieren. „ME!“ sammelte bereits Mengen an Airplay; die neue, titelgebende Auskoppelung „Lover“, solider Gitarrenpop, wird ähnlich erfolgreich werden. Der Opener „I Forgot That You Existed“ bedient den Trend und hoppelt im omnipräsenten Dubstep-Offbeat daher. Und dass Swift auch mal ein Countrygirl war, beweist sie mit „Soon You’ll Get Better“, (und holt sich dafür die Dixie Chicks an Bord).

Um die Kritiker nicht zu enttäuschen – so scheint es –, fehlt auch ein Song über Gleichberechtigung nicht. In „The Man“ sinniert sich Swift in die Rolle eines Mannes. An wirklich brisanten Aussagen schrammt sie aber auch hier vorbei. Dass sie ihren Mann steht, zeigt die Popsängerin dabei im wahren Leben: Derzeit plant sie die Neuaufnahme ihrer alten Alben, um für die Rechte an ihrer Musik zu kämpfen. Ihr früheres Label und auch die Master-Aufnahmen ihrer Songs sind inzwischen im Besitz von US-Musikmogul Scooter Braun. Und damit ist Swift gar nicht einverstanden. (bunt)

Pop Taylor Swift: Lover. Universal.