Printausgabe der Tiroler Tageszeitung vom Sa, 31.08.2019


Musik

Ungebremster Hang zu Herzschmerz und Melancholie

Lana Del Rey hält mit ihrem neuen Album „Norman Fucking Rockwell“ unbeirrt Kurs und verbeugt sich vor den Großen des Musikgeschäfts.

Lana Del Rey hat es zum internationalen Popstar gebracht – mit schmachten, melancholischen Songs.

© imago/CTK PhotoLana Del Rey hat es zum internationalen Popstar gebracht – mit schmachten, melancholischen Songs.



Von Anne Pollmann, dpa

Berlin – Elegischer Stil, melancholische Stimmung: Mit ihrem neuen Album bleibt sich US-Künstlerin Lana Del Rey treu und lässt ihrem Hang zu Retro-Chic und Pathos freien Lauf. In Ästhetik und Texten finden sich nicht nur Rückgriffe auf vergangene Zeiten und Größen der Musikgeschichte. „Norman Fucking Rockwell“ ist auch ein Blick in die persönliche Vergangenheit Del Reys. Meist geht es um die Liebe.

Bekannt ist der Titel ihres sechsten Albums, das gestern veröffentlicht wurde, schon seit knapp einem Jahr. Namensgeber ist der legendäre US-Künstler Norman Rockwell, dessen Illustrationen aus den 40er- bis 60er-Jahren so vergleichbar typisch amerikanisch sind wie Donuts. Dass die Wahl auf Rockwell gefallen ist, scheint nicht nur dem fast notorischen Griff Del Reys in den Fundus amerikanischer Popkultur geschuldet zu sein. Im namensgebenden Song des Albums stehe Rockwell für Männer, die zwar geniale Künstler seien, aber ständig über sich redeten, verriet die Popsängerin.

Einen Ausschnitt des Tracks veröffentlichte die Künstlerin bereits im Voraus auf ihrem Instagram-Profil. Er setzt den Ton für die folgenden 13 Stücke: musikalisch solide, dazu gefällige Melodien voller melancholischer Töne im typischen Del-Rey-Timbre – aber auch Ausgefalleneres.

Thematisch geht es um Beziehungskisten. In „Cinnamon Girl“ singt die gebürtige New Yorkerin über emotionale Verletzungen und schafft einen Song mit deutlich mehr Dramatik als der gleichnamige Klassiker von Neil Young. In „Happiness Is a Butterfly“ klingt sie fast resigniert, wenn sie fragt, was einem Mädchen, das bereits verletzt sei, schon passieren könne.

Referenzen zu Stars der Musikgeschichte gibt es zahlreich. Im kürzlich veröffentlichten Video zu „The Greatest“ streift die Kamera über die Titelliste einer Jukebox und fängt mit Leonard Cohen, David Bowie und Janis Joplin große Namen ein. Auch in „Venice Bitch“ finden sich Verweise auf Ikonen vergangener Tage. Ihr Retro-Faible übersteigert Del Rey ästhetisch jedoch an den Rand der Redundanz. Musikalisch hält die 34-Jährige derart Kurs, dass die Songs nach gut der Hälfte mit ähnlichem Einstieg und Grundton fast ineinander verlaufen.