Letztes Update am So, 01.09.2019 12:00

TT / Tiroler Tageszeitung Onlineausgabe


Tournee-Abschluss

Andreas Gabalier verwandelte Happel-Stadion in gigantisches Bierzelt

Der „Volks Rock‘n‘Roller“ beschloss seine Stadientournee in Wien und wurde von 50.000 Fans frenetisch gefeiert. Bereits Stunden vor Beginn des Konzerts machte sich Kirtag-Stimmung breit.

Gabalier zog während des gesamten Konzerts in vielen bejubelten Reden eine ausgiebige Bilanz der ersten zehn Jahre seiner Karriere.

© APAGabalier zog während des gesamten Konzerts in vielen bejubelten Reden eine ausgiebige Bilanz der ersten zehn Jahre seiner Karriere.



Wien – Vor rund 50.000 Besuchern lieferte Andreas Gabalier am Samstagabend im ausverkauften Ernst-Happel-Stadion in Wien einen würdigen Abschluss seiner Stadientournee, die ihn durch den ganzen deutschsprachigen Raum geführt hatte. Die Location wurde angesichts des „Volks-Rock‘n‘Rolls“ und der zahlreichen Zuschauer in Tracht zum riesigen Bierzelt mit ausgelassener Feierlaune.

Bereits Stunden vor Beginn des Konzerts machte sich vor dem Stadion Kirtag-Stimmung breit: Die meisten Besucher, die sich aus allen Altersgruppen zusammensetzten und zum Teil aus Deutschland und der Schweiz angereist waren, trugen Dirndl oder Lederhosen und dazu rot-weiß karierte Hemden. Die allgegenwärtigen Imbiss- und Getränkestände unterstrichen den Volksfestcharakter des Konzerts besonders - wenngleich der Bierpreis von sechs Euro nicht gerade volksnah war.

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„Kein österreichischer Künstler hat es bisher geschafft, dieses Stadion zu füllen“, sagte Bernd Pratter vom ORF, der während des Vorprogramms die Stimmung aufheizte. Das Konzert, mit dem Gabalier sein zehnjähriges Bühnenjubiläum feierte, eigne sich seiner Meinung nach dazu, den „Kindern, Enkeln und Urenkeln davon zu erzählen“.

Ein Medley markierte den Start für Gabaliers dreistündige Show mit fulminanter Lichtshow in der schwülen Sommernacht. Spätestens bei der zweiten Nummer „Volks Rock‘n‘Roller“ sprang die Stimmung über, „Verdammt lang her“ wurde ausgiebig gefeiert, auf den Rängen standen bereits beim dritten Lied alle Zuschauer. Bei sämtlichen Knallern wurde mitgeklatscht, mitgesungen und mitgehüpft, sodass die Besuchermenge einem wogenden Meer glich. Bei Liebesliedern wie „So liab hob i Di“ und „Verliebt verliebt“ verwandelte sich das Stadion dank tausender Handylampen in ein Sternenmeer – eine ausgelassene Stimmung wie auf einem überdimensionalen Dorffest.

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„So viel Motivation und Textsicherheit gibt es nur hier in Österreich“, freute sich Gabalier zwischendurch. „Es ist wunderschön, dass auch in Wien so viele Menschen in Tracht zu uns gefunden haben“, rief er dem in rot-weiß-rotes Licht getauchten Publikum zu, das wenig später mit rot-weiß-rotem Konfetti beschossen wurde.

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Gabalier zog während des gesamten Konzerts in vielen bejubelten Reden eine ausgiebige Bilanz der ersten zehn Jahre seiner Karriere. „Aus einem Funken von Hoffnung ist etwas Unvergleichbares geworden“, schmetterte er der Menge entgegen. Seine Fans seien eine „große Bewegung“, die mit „Euphorie und Lebensfreunde, Dirndl und Lederhose“ das „Herz von Österreich in die Welt hinaustragen“. Diese „Welle“ sei bereits in Frankreich angekommen, selbst jenseits des Atlantik interessiere man sich dafür: „Die New York Times ist heute hier“, freute sich der Volksmusiker.

Besonders seine Bodenständigkeit, seine steirischen Wurzeln und seine unbeirrbare Vermittlung österreichischer Traditionen wurde Gabalier nicht müde zu erwähnen: Nach gefühlt jedem zweiten Lied kehrte er dazu zurück und verwies auf seine Erfolgsgeschichte. Jenseits von Dirndl und Lederhose, über deren steigende Verkaufszahlen er sich freute, definierte er österreichische Traditionen jedoch nicht und förderte damit die Rückbesinnung auf ein mythisches, nostalgisches Gute-Alte-Zeit-Österreich, das es so jedoch wohl nie gegeben hat.

„Ich kann nicht mehr“

Trotz seiner gesundheitlichen Probleme legte Gabalier auf der Bühne und dem langen Laufsteg etliche Meter zurück und schonte sich körperlich nicht. Da er die österreichischen Traditionen trotz seiner körperlichen Verfassung nicht im Stich lassen wollte, musste der Volks-Rock‘n‘Roller sein Martyrium mehrfach erwähnen: „Es ist mein größtes Anliegen, für euch zu performen“, erklärte er. „Das ist die härteste Show, die ich jemals für euch gespielt habe. Aber das ist es wert“, biss sich Gabalier später durch.

Nach seiner Ankündigung „Ich kann nicht mehr“ blieb er nach „Hulapalu“, das tosend gefeiert wurde, sogar längere Zeit regungslos auf der Bühne liegen. Kurz bevor man sich ernsthaft Sorgen machen musste, kämpfte er sich glücklicherweise unter ohrenbetäubendem Jubel wieder auf. „Oh, wie ist das schön“ sang das Publikum in einer Lautstärke, die eines Fußball-WM-Endspiels würdig war.

„Egal was journalistische Randgruppen von sich gegeben haben, ihr seid hinter mir gestanden“, rief der Musiker dem begeisterte Publikum zu und verwies damit auf seine zahlreichen medialen Kontroversen. Die „schräge, negative Berichterstattung“ mache lediglich „ein Prozent“ der Gesamtheit aus. Er wolle darum „jetzt erst recht“ auf der Bühne stehen. Zwar beteuerte er während der dem Konzert vorangegangenen Pressekonferenz, nicht „von der Bühne herab Politik machen zu wollen“, jedoch war diese Behauptung angesichts Gabaliers Reminiszenzen von seiner Zeit als „singender Kellner am türkisblauen Wörthersee“ und der durchwegs in blau gehaltenen Lichtshow beim Song „A Meinung haben“ nicht sehr glaubhaft.

Mit dem sehr emotionalen „Wenn i wiederkomm“, das er einst für seine verstorbene Schwester geschrieben hatte, beschloss Gabalier im Ernst-Happel-Stadion würdig seine Stadientournee. Ein wahres Feuerwerk der Volksmusik, das er 2020 nach einer Pause weiterführen will. „Dann starten wir in die nächsten zehn Jahre“, versprach der Musiker. (APA)