Printausgabe der Tiroler Tageszeitung vom Do, 12.09.2019


Musik

Jordi Savall in Hall: Sehnsucht nach der grünen Insel

Gambist Jordi Savall gastierte mit einem Trio in Hall. Stimmungsvolle irisch-keltische Traditionals brachten das Kopfkino gehörig zum Laufen.

Kleine Besetzung mit großer klanglicher Wirkung. Jordi Savall, Andrew Lawrence-King und Frank McGuire (v. l.) im Salzlager.

© Victor MalyshevKleine Besetzung mit großer klanglicher Wirkung. Jordi Savall, Andrew Lawrence-King und Frank McGuire (v. l.) im Salzlager.



Von Markus Schramek

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Hall – Doolin ist eine Reise wert. Ein winziges Fischerdorf an der irischen Westküste, nur ein paar Kilometer entfernt von den berühmten „Cliffs of Moher“, den viel bestaunten Klippen, die steil in den Atlantik abfallen.

Was soll dieser geografische Exkurs am Beginn einer Konzertbesprechung? Das mag man fragend einwenden. Eine Antwort darauf ist Pflicht: Beim Auftritt von Jordi Savall am Dienstag in Hall wähnte man sich plötzlich sehnsuchtsvoll im grünen Irland. Savall und seine beiden Co-Musiker Andrew Lawrence-King (Irische Harfe und Psalterium) sowie Frank McGuire (an der Bodhrán, einer irischen Rahmentrommel) spielten herzerwärmend im bestens besuchten Salzlager auf. Traditionals keltisch-irischen Ursprungs standen auf dem Programm, alte Lieder und Weisen bis ins 17. Jahrhundert zurückreichend.

Doolin gilt heute als Mekka traditioneller irischer Musik. Die Pubs des beschaulichen Ortes („McGann’s“ serviert ein fantastisches Beef-Stew!) werden regelmäßig von den Stars der Szene bespielt. Die Musik der Vorfahren findet dort würdige Nachfolger.

Und genau das gilt auch für Señor Savall. Der international gefeierte Großmeister des historischen Streichinstruments Gambe gastierte erstmals 1972 in Hall. Seither tritt der 78-jährige Katalane mit hübscher Regelmäßigkeit bei Konzerten von Familie Crepaz auf, diesmal zum Auftakt der neuen „Musik+“-Spielzeit.

Mit zwei unterschiedlichen Instrumenten, einer Bassgambe und einer Diskantgambe (im hohen Tonumfang angesiedelt) entwickelte Savall ein erstaunliches Spektrum musikalischen Ausdrucks: Lebensfreude und Wehmut, Ausgelassenheit und Melancholie. Klassische Zutaten irischer Musik eben.

Harfe und Rahmentrommel, letztere mit einem Schlegel bzw. bloßer Hand gespielt, ergänzten den filigran-feinen Gambenklang auf wunderbar stimmige Weise. Mit geringem Aufwand und kleiner Besetzung wurde das Salzlager zum Klingen gebracht. So mancher Konzertbesucher wippte sitzenderweise mit. Klänge wie diese würden andernorts mit Gewissheit zu einem Tänzchen einladen.

Es war ein Abend großer Gefühle und ein Musterbeispiel für die Wirkung von Musik. Das Publikum geriet beim Schlussapplaus schier aus dem Häuschen. Savall und Co. boten zwei Wiegenlieder als Zugaben auf, um die Herr- bzw. Damenschaften dann doch zum Nachhausegehen zu bewegen.


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