Printausgabe der Tiroler Tageszeitung vom Mi, 02.10.2019


Musik

Neue CD des „Frauen-Jazz-Orchesters“: Heißes Eisen, musikalisch

Das „Frauen-Jazz-Orchester“ erhielt zum Start spöttische Kommentare aus manchem Männermund. Jetzt stellt das weibliche Ensemble die erste CD live in Innsbruck vor.

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© FJO



Von Markus Schramek

Innsbruck – Das Musikbusiness ist hart und wird von Männern dominiert. „Wir Frauen müssen uns aber nicht verstecken“, sagt Rita Goller selbstbewusst. Keine leeren Worte: Die aus Innsbruck stammende Pianistin hat vor zwei Jahren das Frauen-Jazz-Orchester (FJO) gegründet. Ein Ensemble ausschließlich mit Musikerinnen besetzt, allesamt top ausgebildet auf ihren Instrumenten: Saxofone in mehreren Stimmlagen, Trompeten, Posaunen, E-Bass, Schlagzeug, dazu, als Besonderheiten, Querflöte und Horn, und mit Bandleaderin Goller am Klavier.

Erste Auftritte sind absolviert. Die Debüt-CD ist fertig. Sie wartet darauf, am Freitag in Innsbruck konzertant vorgestellt zu werden (siehe den Hinweis am Textende).

„Hot Iron“ heißt die Scheibe. Goller will das musikalisch als „Heißes Eisen“ verstanden wissen und nicht, wie im Englischen möglich, als „heißes Bügeleisen“. Denn als sich die Gründung des Frauen-Jazz-Orchesters herumsprach, ließen männlicherseits spöttische Kommentare wie diese nicht lange auf sich warten: „Was macht ihr in eurem Frauenorchester denn so, Stricken und Bügeln?“

Schwamm drüber. Goller und Kolleginnen lassen sich Spaß und Spielfreude nicht nehmen: „Wir sehen uns als Ergänzung zu den Männer-Ensembles und nicht als deren Konkurrenz.“ Das Frauen-Jazz-Orchester ist für Goller „ein ganz spezieller Klangkörper“, der sich mit den Mitteln der Musik zu relevanten Themen äußert. Das Kollektiv versteht sich als Statement für die Gleichstellung der Frau. Im „bunt gemischten“ Publikum finden sich Frauen und Männer wieder.

Gespielt werden Eigenkompositionen. Mehrere Musikerinnen sind am Komponieren. Teamwork wird dabei großgeschrieben. „Es geht um das Ganze, das Gemeinsame“, beschreibt Goller die Grundhaltung.

Die Abwesenheit männlicher Bandmitglieder macht sich deutlich bemerkbar. „Es gibt bei uns weder ein Platzhirsch-Getue noch sexistische Zwischenrufe“, stellt Goller trocken fest.

Frauen würden eben anders kommunizieren. Solistinnen ließen einander den Vortritt. Goller: „Niemand fährt die Ellbogen aus, sondern es wird gefragt: ,Möchtest nicht du das nächste Solo spielen?‘“

13 Mitglieder, großteils aus Österreich, Deutschland und der Schweiz sowie eine Israelin, umfasst das Ensemble. Goller musste für die aktuelle Besetzung eine Weile suchen: „Jazz-Sängerinnen gibt es viele, doch Instrumentalistinnen sind eher dünn gesät.“

Stilistisch bewegt sich das Frauen-Jazz-Orchester nach Beschreibung der Chefin „zwischen Swing und Funk, richtig groovig mit vielen freien Klangfarben“. Wer Lust auf eine Kostprobe bekommen hat, erhält diese über die Homepage frauen-jazz-orchester.com.

Goller, die am Mozarteum in Salzburg Klavier studiert und etliche Jahre als Musiklehrerin unterrichtet hat, lebt nun freiberuflich von der Musik. Sie tritt als Pianistin mit verschiedenen weiteren Formationen wie dem Jazzaster oder dem Rita Goller Trio auf, begleitet natürlich auch von männlichen Kollegen.

Musik kennt letztlich keine Grenzen, auch nicht zwischen den Geschlechtern.