Printausgabe der Tiroler Tageszeitung vom Di, 08.10.2019


Bezirk Kufstein

Konzert in Erl: Schönberg und Strauss in die Seele geschaut

Matinee-Konzert beim Erntedank der Tiroler Festspiele Erl mit einer spannungsgeladenen Tondichtung und schwelgenden Liedern.

Anna Gabler und Dirigent Lothar Koenigs waren die Stars der Sonntagsmatinee.

© OtterAnna Gabler und Dirigent Lothar Koenigs waren die Stars der Sonntagsmatinee.



Von Wolfgang Otter

Erl – Gefühls- und Tondichte bis zum Zerreißen, eine Spannung, die an die Grenzen führt. Was Arnold Schönberg mit seiner Tondichtung „Pelleas und Melisande“ bei der Uraufführung dem Publikum 1905 vorlegte, war zu viel. Ein Kritiker empfahl sogar, Schönberg in eine „Irrenanstalt zu stecken“ und das Notenpapier vor ihm zu verstecken.

Wie es scheint, war man einfach noch nicht so weit, um Schönbergs Musik zu verstehen. Beim Ausklang-Konzert der Erler Erntedank-Reihe zur Sonntagsmatinee war das anders. Nicht nur beim Publikum, das sich fesseln ließ, sondern vor allem beim Dirigenten, der mit Schönberg umzugehen wusste. Lothar Koenigs formte mit dem Orchester der Tiroler Festspiele Erl eine Dichtung, die an Dramatik und Intensität nicht zu überbieten war. Bildhafter hätte man die tragische Geschichte der beiden unglücklich Liebenden in Tönen nicht erzählen können.

Der erst 23-jährige Arnold Schönberg griff in seiner Sinfonische Dichtung eine Gattung auf, die zuvor ein großer Komponist wesentlich geprägt hatte. Richard Strauss war es zudem, der Schönberg auf die auch von anderen Komponisten vertonte Geschichte gebracht hatte.

Strauss war ebenfalls ein großer Teil des Konzerts gewidmet. Koenigs legte Auszüge aus der Oper „Capriccio“ den Musikern aufs Notenpult und holte dazu Sopran Anna Gabler und Bariton Gurgen Baveyan mit auf die Bühne. Es erklang das Sextett, die Mondscheinmusik und Schlussszene aus Capriccio.

Zuvor konnten die Solisten des Festspielorchesters brillieren, danach Anna Gabler mit ihrem wunderschönen, klaren Sopran in Strauss’ farbigen Harmonien schwelgen. Danach gab es noch vier Orchesterlieder von Joseph Marx, nur das Orchester war dabei manchmal derart üppig, dass es die Sängerin überdeckte, Trotzdem: Das Lächeln Gablers auf ihren Lippen übertrug sie auf die Musik. Und Koenigs und das Ensemble folgten gerne ebenfalls mit einem Lächeln.