Printausgabe der Tiroler Tageszeitung vom Di, 15.10.2019


Tirol

Wolfgang Mitterer: „Ich muss meinen Aufträgen nicht nachlaufen“

Komponist und Organist Wolfgang Mitterer hat für die 350-Jahr-Feier der Uni Innsbruck eine sehr spezielle Serenade geschrieben.

Wolfgang Mitterer, Jahrgang 1958, stammt aus Lienz und lebt seit einigen Jahren in Wien. Foto: Thomas Böhm

© Thomas BöhmWolfgang Mitterer, Jahrgang 1958, stammt aus Lienz und lebt seit einigen Jahren in Wien. Foto: Thomas Böhm



Von Markus Schramek

Wien, Innsbruck – „Danke. Ich kann mich über mangelnde Arbeit nicht beklagen.“ Organist und Komponist Wolfgang Mitterer nimmt sich trotz vollen Kalenders Zeit für ein Telefonat mit der TT. Vorab. Denn in den nächsten Tagen weilt der gebürtige Osttiroler, der in Wien lebt, auch persönlich in Tirol. Für das 350-Jahr-Jubiläum der Uni Innsbruck (und den 50er der Haller Galerie St. Barbara) hat Mitterer ein Auftragswerk komponiert, das am Donnerstag erstmals zu hören ist. Tags zuvor bietet sich die Gelegenheit, den Musiker in einem moderierten Gespräch zu erleben (siehe Textende).

Als Mittler und Vermittler zwischen Alter Musik zur Zeit der Gründung der Uni Innsbruck (17. Jahrhundert) und dem Heute wurde Mitterer auserkoren. Vor den großen Meistern hat er Respekt, aber keine Angst. Für sein Album „Nine in One“ hat Mitterer alle neun Beethoven-Symphonien auf eine Stunde herunterkomprimiert. Als Input für das Stück „Serenade (baroque reflections 1-4)“, seinen Beitrag zu den Festivitäten der Uni, hörte sich der Klangtüftler bei den großen Namen des Barock um: Bach, Cesti, Fux, Lully, Vivaldi. Anregungen aus diesem erlesenen Komponistenzirkel wurden mit Mitteln elektronischer Musik „erweitert“. Zitate aus manchem Original sind enthalten. „Wer auch immer sie findet“, merkt der Musiker dazu neckisch an. Entstanden sei nämlich kein „Kaleidophon“, sondern etwas Neues, Originäres.

Das Ensemble Phace, eine Selektion vorzüglicher Solisten, wird Mitterers Serenade uraufführen. Auf die Mitwirkenden kommt einiges zu. Es ist nicht weniger als „Musik für Virtuosen“, sagt Mitterer als Verbeugung vor dem Ensemble. „Mein Stück verlangt barocke Spieltechnik und es gibt ordentlich schnelle Tempi.“ Mit einer Serenade im Sinne eines „Ständchens am Abend“ hat das nur namentlich zu tun. „Wir spielen es ja auch am Abend“, so Mitterer, um ein kleines Scherzchen zwischendurch nie verlegen.

Aufträge aus vieler Herren Länder – so aus Polen, Frankreich, Deutschland, der Schweiz und natürlich aus Österreich – landen in Mitterers Tonstudio in Wien. „Ich muss den Aufträgen nicht nachlaufen, sie kommen zu mir“, schätzt sich der 61-Jährige glücklich. Er erinnert sich noch an Zeiten, in denen es mitunter eng wurde. Reich ist er auch jetzt nicht: „Nach Krankenkasse und Steuer ist nicht mehr viel übrig.“

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Mitterer hat 2018 den „Jedermann“ bei den Salzburger Festspielen in ein neues Soundkleid gesteckt, eine Bühnenmusik für das Spiel auf dem Domplatz geschrieben. Für den „Jedermann“ des Jahres 2019 ergänzte er den Soundtrack um ein Auftrittslied für die neue Buhlschaft Valery Tscheplanowa.

Ein längerfristiges Engagement bei den Salzburger Festspielen, die kommendes Jahr ausgiebig ihren 100. Geburtstag feiern, ist unwahrscheinlich. Mitterer gibt sich skeptisch: „Die Salzburger Festspiele sind doch ein sehr konservatives Festival.“ Ebenso wenig seien die Wiener Staatsoper und die Wiener Philharmoniker richtige Adressen für jemanden wie ihn. Da fühle er sich beim Jazzfestival in Saalfelden viel besser aufgehoben. Dort jammte Mitterer heuer im Sommer nach Herzenslust.

Auftritte an Orgel und Keyboard seien überhaupt gänzlich unverzichtbar: „Beim Spielen kommen die Ideen fürs Komponieren.“

Termine

Wolfgang Mitterer im Gespräch am Mittwoch, 16. Oktober, Theologische Fakultät Innsbruck, 19 Uhr.

Konzert. Am Donnerstag, 17.10., ist in der SOWI Aula in Innsbruck (20 Uhr) die Uraufführung von Wolfgang Mitterers Auftragswerk „Serenade (baroque reflections 1-4)" im Rahmen der Konzertreihe „Musik+" zu hören.