Printausgabe der Tiroler Tageszeitung vom So, 20.10.2019


Musik

“musik+“: Im Zeitraffer durch die Musikgeschichte

Das „Marini Consort Innsbruck“ brachte in der SoWi-Aula Alte Musik zum Klingen.

© HauserDas „Marini Consort Innsbruck“ brachte in der SoWi-Aula Alte Musik zum Klingen.



Innsbruck – Die von den Veranstaltern „musik+“ im Programmheft gestellte Frage, ob es möglich sei, 350 Jahre Uni-Geschichte an einem Konzertabend musikalisch zusammenzufassen, muss man als „rhetorisch“ verorten. Ein wissenschaftlicher Beweis dafür ist nicht möglich. Aus emotionaler Sicht darf man den Konzertabend am Donnerstag in der SoWi-Aula als definitiv erfüllend bewerten.

Es war ein Aufeinander-Zubewegen von Orient und Okzident, ein Verschmelzen von Alt und Neu, sinnbildlich für das, was eine Universität ausmacht. Neue und Alte Musik wurden zu einem homogenen Ganzen verflochten. Zeynep Gedizliogus „wieder also anders“ (2017) sowie Samir Odeh-Tamimis „Lámed“ (2014) liegen eine transkulturelle Konzeption zugrunde. Als komplexe Geflechte vereinen sie vokal perkussive Elemente mit Ins­trumenten auslotenden Pfeiftönen bzw. einer Kombination aus Haltetönen, Klangflächen, Dissonanzreibungen, abrupten Akkordschlägen bis hin zu rhythmisch abgefeuerten Staccatosalven.

Einen formidablen Eindruck davon, zu welcher Musik gut gelaunte kaiserliche Hoheiten feierten, vermittelte das auf die historische Aufführungspraxis spezialisierte Innsbrucker Ensemble Marini Consort mit Werken von Fux, Lully und Leopold I. Die orientalischer Musik zugeschriebenen Qualitäten mystischer Versenkung – an Kleinoden von Mehmed Çelebi (ca. 1650) und Benli Hasan Aga (1607–1662) festgemacht – erfüllten die Herzen der Zuhörer schon durch die wunderbaren Klangqualitäten der von Eleanna Pitsikaki gespielten Kanun. An ihrer Seite ein exzellenter David Bergmüller an der Laute.

Das Hauptwerk des Abends ist Wolfgang Mitterers „Serenade (baroque reflections 1–4)“, ein Auftragswerk zum Uni-Jubiläum. Mitterer hat sich „umgehört“ im Repertoire der 350-jährigen Musikgeschichte. Es ist mehr als die übliche Konstellation von Höreindrücken. Raffiniert lässt er Albinoni, Bach, Corelli, Vivaldi, Telemann etc. anklingen, wie ein Flug über die Musikgeschichte im Zeitraffertempo.

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In einem Kaleidoskop von Klängen verschmelzen Zeit und Raum. Die Musiker des Ensembles Phace unter Lars Mle­kusch haben Spaß an der kompositorischen und instrumentalen Virtuosität des Werkes. (hau)