Letztes Update am Mo, 28.10.2019 15:11

TT / Tiroler Tageszeitung Onlineausgabe


Tiroler Musikszene

Tiroler DJ Medusa (22): „Viel mehr als nur ein paar Knöpfe drücken“

Der Tiroler Egon Medunjanin hat von Polling aus einige der größten Dancefloors Europas erobert. Als „DJ Medusa“ bestreitet der 22-Jährige seinen Lebensunterhalt. Mit der TT sprach er über das, was andere oft nicht sehen — und noch von ihm hören werden.

Hunderttausende streamen seine Songs, Tausende feiern jährlich mit ihm: DJ Medusa ist in Österreich längst kein Unbekannter mehr.

© Janick EntremontHunderttausende streamen seine Songs, Tausende feiern jährlich mit ihm: DJ Medusa ist in Österreich längst kein Unbekannter mehr.



Von Tamara Stocker

Innsbruck — Nach seinen Arbeitszeiten gefragt, lacht Egon Medunjanin kurz auf. „Reden wir vielleicht lieber darüber, wie viele Stunden pro Woche ich schlafe", antwortet der Tiroler etwas verlegen. Unter dem Namen „DJ Medusa" tingelt der 22-Jährige nämlich mehrmals in der Woche von einem Auftritt zum anderen — mal ist es der kleine Nachtclub in Innsbruck, mal einer der größten Clubs der Welt am Zcre­ Beach in Kroatien.

Weit mehr als 100-mal im Jahr hält er feiernde Menschenmassen mit seiner Musik bei Laune — heuer gar beim Electric Love Festival, das zu den größten seiner Art in Europa zählt. „Darauf habe ich lange hingearbeitet, das war einer meiner größten Erfolge", erinnert er sich zurück.

DJ Medusa hat noch viele Träume: „Auf den größten Festivals der Welt spielen und ein eigenes Konzert, zu dem die Leute wegen meiner Musik kommen."
DJ Medusa hat noch viele Träume: „Auf den größten Festivals der Welt spielen und ein eigenes Konzert, zu dem die Leute wegen meiner Musik kommen."
- Janick Entremont

Zwischen Vollzeitjob und Individualität

Dass hinter diesem Erfolg aber nicht nur wenig Schlaf, sondern eben auch eine Menge Arbeit steckt, wissen die wenigsten. „Jeder sieht freilich nur die Spitze des Eisberges. Aber es ist viel mehr, als nur ein paar Knöpfe zu drücken", weiß der Pollinger über die Vorurteile gegenüber dem DJ-Beruf Bescheid. „Es ist ein Vollzeitjob." Acht bis zehn Stunden täglich verbringt er vor dem Laptop, um neue Songs zu produzieren und seine Sets für die Partynächte vorzubereiten — als Resident-DJ im Prater Dome in Wien legt er da schon mal sechs bis acht Stunden am Stück auf.

„Da sitzt man schon mal Wochen und Monate dran, dass die Leute einfach eine gute Zeit haben", sagt DJ Medusa, dem Individualität in seinen Sets das größte Anliegen ist. „Bei der Menge an DJs, die es gibt, muss man natürlich versuchen, sich abzuheben." Die Tiroler Szene sei jedenfalls mit starken Talenten und Newcomern ausgestattet — sich da die Hand zu reichen, anstatt die Ellenbogen auszufahren, ist für den 22-Jährigen ein Selbstverständnis. „Man kommt nur miteinander weiter, alleine geht es einfach nicht — das war bei mir am Anfang nicht anders."

An der Seite von David Guetta und Robin Schulz

Seine eigene Laufbahn begann 2014, als er als 17-Jähriger vom Musik-Verantwortlichen für Geburtstagspartys über einen Bekannten seines Bruders in die DJ-Szene reingerutscht ist. Seither geht es für ihn stetig bergauf, er tritt nicht mehr vor 40 sondern vor Tausenden Menschen auf und ist mittlerweile in Österreich längst kein Unbekannter mehr. Da spielt natürlich auch das Thema Vermarktung eine entscheidende Rolle. „Ab einem gewissen Zeitpunkt reicht es nicht mehr, nur aufzulegen. Da muss dann mehr kommen, um dem Veranstalter einen Grund zu geben, dich zu buchen."

>> Jahresrückblick im Video: So war DJ Medusas Jahr 2018

Und DJ Medusa liefert viele solcher Gründe, nicht umsonst durfte er etwa schon die Szenegrößen David Guetta in der Olympiahalle oder Robin Schulz und Alan Walker beim hiesigen Conquer-the-Alps-Festival supporten. Letzterem drückte der 22-Jährige dann prompt einen USB-Stick in die Hand. „Einer meiner Remixe hat ihm so gut gefallen, dass er ihn sogar in sein Set aufgenommen hat und immer wieder spielt."

Nächster Auftritt

Sein nächstes „Heimspiel" hat DJ Medusa am kommenden Donnerstag bei der „Halloween Freakshow" in der Music Hall in Innsbruck.

Eigene Popsongs in Arbeit

Auf dem Musikportal Soundcloud erreichen seine Mash-Ups mit mehr als 100.000 Downloads stets Top-Platzierungen. Und im letzten halben Jahr hat er seine ersten zwei Songs veröffentlicht — Hörproben gibt's entweder unten im Video oder direkt auf Spotify und Apple Music.

Während diese noch im Future-House-Genre angesiedelt sind, arbeitet Egon aktuell auch an eigenen Popsongs, teilweise in Zusammenarbeit mit Tiroler Gesangstalenten. Ob er so bald auch die Radiocharts erobern will? „Ja klar." Da muss keine Nacht darüber geschlafen werden.




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