Letztes Update am Di, 29.10.2019 14:43

TT / Tiroler Tageszeitung Onlineausgabe


Neues Album

Michael Kiwanuka: Schwarzer Stolz produziert perfekten Soul

Schwarzes Selbstbewusstsein übersetzt der Brite Michael Kiwanuka auf seinem dritten Album in perfekten Soul. Man hört den Nachklang der Genre-Legenden – doch letztlich sind seine Lieder sehr gegenwärtig.

Michael Kiwanuka veröffentlicht sein drittes Album.

© Universal MusicMichael Kiwanuka veröffentlicht sein drittes Album.



London – Wie ein König posiert Michael Kiwanuka für das Ölgemälde-Cover seines dritten Studioalbums. Der Stolz auf die eigenen Wurzeln spiegelt sich dann auch in den 13 Stücken von „Kiwanuka“.

Der in Los Angeles, New York und London entstandene Albumsound ist dementsprechend riesengroß: Klassischer 70er-Jahre-Soul eines Marvin Gaye oder Isaac Hayes trifft auf den Gitarren-Vibe von Jimi Hendrix oder Prince und die moderne Produktionsweise eines Kendrick Lamar. Die Songs wachsen durch die Streicher- und Chor-Arrangements der Top-Produzenten Brian Burton (Danger Mouse) und Inflo zu dunkel schimmernden Pop-Monumenten.

Vorreiter des Retro-Soul

Der 32-jährige Kiwanuka, dessen Eltern aus Uganda stammen, gilt schon länger als Vorreiter des Retro-Soul. Aufgewachsen als afro-britischer Außenseiter im Norden von London, spielte er zunächst als Gitarrist in Rockbands, ehe er mit dem Folk-Soul-Album „Home Again“ 2012 gleich großen Erfolg bei Käufern und Kritikern hatte. Der Nachfolger „Love & Hate“ (2016) kam sogar auf Platz eins der Charts in Großbritannien.

Dem einstigen Ansinnen von Label-Managern, seinen sperrigen Namen für die bessere Verkäuflichkeit in ein Alter Ego umzuwandeln, setzt er nun also ein Album mit dem unmissverständlichen Titel „Kiwanuka“ entgegen. „Würde ich mehr Platten verkaufen, wenn mein Name eingängiger wäre?“ – was er von dieser Frage hält, hat er damit beantwortet und singt in „Hero“ (siehe Video): „I won‘t change my name no matter what they call me...“

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Schwarze Identität, die Bedrohung durch Rassismus und Gewalt: Diese Themen des ähnlich gestrickten zweiten Albums tauchen auch jetzt wieder auf, ohne dass es aggressiv oder bitter klänge. Elegante Songs wie „You Ain‘t The Problem“, „“Final Days“ oder „Solid Ground“ schöpfen aus der Vergangenheit fürs Hier und Jetzt. „Kiwanuka“ bietet sozialkritische, politisch relevante Soulmusik auf höchstem Niveau. (dpa)




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