Printausgabe der Tiroler Tageszeitung vom So, 10.11.2019


Jubiläum

Beethoven: Jubeljahr für den Erneuerer ohne Gehör

2020 steht das Beethoven-Jahr an. Nicht nur Wien feiert den 250. Geburtstag des ungemein modernen Komponisten.

In Beethovens Heimatstadt Bonn startete das Jubiläum bereits im Sommer: Ottmar Hörl ließ 700 Statuen von Beethoven am Münsterplatz installieren.

© AFPIn Beethovens Heimatstadt Bonn startete das Jubiläum bereits im Sommer: Ottmar Hörl ließ 700 Statuen von Beethoven am Münsterplatz installieren.



Bonn, Wien – 700 kleine Beethovens verteilte der deutsche Künstler Ottmar Hörl im letzten Sommer auf dem Münsterplatz in Bonn. Es ist die Geburtsstadt des legendären Komponisten, vor bald 250 Jahren, 1770 wurde er hier geboren. Die Aktion verweist auf ebendieses 250. Geburtstagsjahr. 2020 wird zum offiziellen Beethoven-Jahr erklärt, das nicht nur in Bonn, sondern auch in der Wahlheimat Wien ordentlich gefeiert wird. Allein im ersten Halbjahr stehen dort über 200 Veranstaltungen zu Ehren Beethovens auf dem Programm.

Nach Wien reiste Beethoven erstmals als 16-Jähriger, er hatte sich bereits als Profimusiker etabliert und sollte in Wien beim 14 Jahre älteren Mozart Kompositionsunterricht nehmen. Ob es zu dem Treffen kam, ist nicht gesichert. Zurück in Bonn fand er in dem Wiener Grafen Waldstein einen wichtigen Förderer und Mäzen, der ihm schließlich auch eine erneute Studienreise nach Wien ermöglichte, um statt bei Mozart nun bei Haydn Unterricht zu nehmen. Und er blieb ein Leben lang – wenn auch nicht an Ort und Stelle: Mehr als 60 Mal sollte Beethoven bis zu seinem Tod 1827 innerhalb Wiens die Adresse wechseln.

In Wien brachte es Beethoven rasch zu großem Erfolg. In der hochproduktiven Phase zwischen 1802 und 1812 komponierte Beethoven viele seiner bedeutendsten Werke – darunter sechs seiner neun Symphonien, Klavierkonzerte, das Violinkonzert und die erste Fassung des „Fidelio“. In dieser Zeit, ab 1803, war Beethoven als Hauskomponist am Theater an der Wien fix engagiert und brachte dort viele seiner Uraufführungen heraus. Kein Wunder, dass dort 2020 der „Fidelio“ – in seiner zweiten Fassung aus 1806 – auf die Bühne gebracht wird, inszeniert übrigens von Hollywoodstar Christoph Waltz als Regisseur und Manfred Honeck als Dirigent. An der Staatsoper gestaltet Amelie Niermeyer mit „Amelie“ hingegen eine Urfassung, die bisher nie am Ring zu hören war.

Steht Beethoven musikhistorisch an der Schwelle der Wiener Klassik zur Frühromantik und sprengte er an dieser Stelle viele jener Formen, die seine Vorbilder Mozart und Haydn geprägt hatten, so ging dieser Drang zur großen Geste, zur weltverbesserischen Revolution auch mit einem klar humanistischen Weltbild einher. Er war fasziniert von der Französischen Revolution und der Idee der aufklärerischen Utopie – und sie ist mit seinem Namen auch weit über das engere Klassikpublikum hinaus durch die „Ode an die Freude“ als Europahymne verbunden.

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Schon mit seinen ersten Erfolgen hatte sich auch Beethovens wohl schwerstes Schicksal als Komponist über seine Vita gelegt: Bereits mit 25 Jahren erlebte er erste Symptome eines Gehörleidens, das innerhalb nur weniger Jahre zu völliger Taubheit führte.

Dennoch schuf Beethoven bis zu seinem Tod visionäre musikalische Schöpfungen, darunter die „Missa Solemnis“, die Diabelli-Variationen, die späten Streichquartette sowie die 9. Symphonie.

Im Alter von 56 Jahren starb Beethoven am 26. März 1827 – an seinem Trauerzug sollen rund 20.000 Wienerinnen und Wiener teilgenommen haben.

Das ganze Ausmaß der Veranstaltungen zum Gedenkjahr ist aktuell noch nicht abzuschätzen, der Musikverein wird Beethoven aber bereits im traditionellen Neujahrskonzert zum Thema haben. In Tirol begehen die Tiroler Barockinstrumentalisten unter Wolfgang Kostner das Jahr u. a. mit einer „Beethoven-Gala“ am 8. März im Haus der Musik. (APA, TT)