Printausgabe der Tiroler Tageszeitung vom Mi, 20.11.2019


Musik

Aus dem Fotonachlass des einzig wahren Prince(n)

Drei Jahre nach seinem Tod ist nun eine Art Autobiografie von Prince auf dem Markt. Ein lesens- und betrachtenswertes Stück Musikgeschichte.

Zeichen der Zeit. Der junge Prince lichtet sich via Spiegel selbst ab.

© Heyne VerlagZeichen der Zeit. Der junge Prince lichtet sich via Spiegel selbst ab.



Innsbruck, Minneapolis – War es die Vorahnung, dass ihm nicht mehr viel Zeit bleiben würde? Jedenfalls arbeitete Prince in der letzten Phase vor seinem Tod im April 2016 mit ungewohnter Konsequenz daran, Stationen aus seinem Leben, das schlussendlich nicht ganz 58 Jahre umfasste, aufzuschreiben. Material darüber zusammenzutragen, wie aus Prince Rogers Nelson einer der letzten Superstars der Rockmusik wurde.

Das Projekt einer Autobiografie war kaum geboren, da war Prince tot. Gestorben an der Überdosis eines starken Schmerzmittels. Mysteriös. Mutmaßlich ein Versehen.

Dan Piepenbring wusste nicht, wie ihm geschah. Prince hatte den knapp 30-jährigen Youngster als Co-Autor angeworben. Jetzt stand der Journalist vor der Aufgabe, eine „unvollendete Autobiografie“ zu Ende zu bringen.

Im Look von „Purple Rain“ in den 80ern.
Im Look von „Purple Rain“ in den 80ern.
- Heyne Verlag

„The Beautiful Ones“ heißt das Buch, das vor Kurzem in deutscher Übersetzung herausgekommen ist, ganz in Purpur ummantelt als Reverenz an „Purple Rain“, den epischen Soundtrack zum gleichnamigen Film von 1984, der Prince den Eintrag in den Kanon der besten Alben aller Zeiten sicherte.

TT-ePaper gratis testen

Jetzt kostenlos TT-ePaper lesen, das Test-Abo endet nach 4 Wochen automatisch

Schritt 1 / 3

In nur 30 Sekunden gelangen Sie zum kostenlosen Test-Abo.

Auf 300 Seiten offenbart sich „The Beautiful Ones“ als Fundgrube für Fans, ganz egal, wie stark diese vom Prince-Fieber noch befallen sein mögen. Private Fotos aus Kindheitstagen, aus der Hüfte geschossene Schnappschüsse von den Karriereanfängen, Spickzettel, handschriftliche Notizen, ja sogar eine Art Drehbuch für „Purple Rain“ werden vor dem schmökernden Musikfreund ausgebreitet.

Prince wurde zur Marke, ein Egozentriker, der sich ständig neu erschuf und sich den Zwängen einer übermächtigen Musikindustrie nicht beugen wollte. Stattdessen blieb der Künstler seiner Heimat Minnesota treu, einem rauen Flecken im Norden der USA, an der kanadischen Grenze. Wahrlich kein Ort, an dem sich ein schwerreicher Megastar freiwillig aufhält. Doch Prince wusste, warum: „In Minnesota ist es so kalt, dass sich die schlechten Menschen fernhalten.“ (mark)

„Unvollendete“ Autobiografie Prince: The Beautiful Ones. Hrsg. Dan Piepenbring, 304 Seiten, 200 Abbildungen, Heyne, 32,90 Euro.


Mehr Artikel aus dieser Kategorie

Die junge französische Trompeterin Lucienne Renaudin Vary nach ihrem Auftritt im Innsbrucker Congress.Musik
Musik

Harmonie als Weihnachtswunsch

Eine blitzblanke Trompete und Camille Saint-Saëns „Oratorio de Noël“ im Symphoniekonzert.

John Lennon mit Sonnenbrille als Hintergrundbild beim "75th Birthday Concert" 2015 in New York.Großbritannien
Großbritannien

Sonnenbrille von John Lennon für knapp 165.000 Euro versteigert

Auch andere Memorabilien der „Beatles“ standen bei der Auktion zum Verkauf. Unter anderem wurde eine Hippie-Halskette von George Harrison für 10.000 Pfund (k ...

Taylor Swift.Geburtstag
Geburtstag

Frisch gekürte „Künstlerin des Jahrzehnts“: Taylor Swift wird 30

Zur „Künstlerin des Jahrzehnts“ erklärt, dutzende weitere Preise eingesammelt, sieben Alben veröffentlicht und viele Millionen mal verkauft: US-Sängerin Tayl ...

Vincent Bueno, Österreichs ESC-Kandidat 2020.ESC
ESC

65. Song Contest: Vincent Bueno fährt für Österreich nach Rotterdam

Ein bisschen ESC-Luft hat Vincent Bueno bereits geschnuppert, 2016 unterlag er beim Vorentscheid gegen Zoe, 2017 sang er als Backgroundsänger für Nathan Tren ...

In der Kellerei, an sich eine einzige Erfolgsgeschichte seit ihrer Eröffnung 2013, kann man bei Open-Stage-Veranstaltungen Besucher wie Musiker schon mal an einer, meist an wenigen Händen abzählen.Exklusiv
Exklusiv

Interesse schwindet: Oft Lonely statt Open Stage in der Kellerei Reutte

Mangelndes Interesse von Publikum und Musikern zerrt am Nervenkostüm von Open-Stage-Organisator Andreas Kopeinig. In der Kellerei kann man Besucher wie Musik ...

Weitere Artikel aus der Kategorie »