Printausgabe der Tiroler Tageszeitung vom Di, 03.12.2019


Musik

“Knoedel“-Gründer Christof Dienz: “Einfach so dahindudeln kann ja jeder“

Christof Dienz konzertiert mit den wiedervereinten „Knoedeln“ diese Woche dreimal in Tirol. Ein Gespräch über 30 Karrierejahre.

Christof Dienz, Jahrgang 1968, wuchs in Kitzbühel und Innsbruck auf. Nach dem Durchbruch mit seiner Band „Knoedel“ in den 90er-Jahren lebte er längere Zeit in Wien. Seit dem Vorjahr ist er zurück in Tirol.

© Thomas Boehm / TTChristof Dienz, Jahrgang 1968, wuchs in Kitzbühel und Innsbruck auf. Nach dem Durchbruch mit seiner Band „Knoedel“ in den 90er-Jahren lebte er längere Zeit in Wien. Seit dem Vorjahr ist er zurück in Tirol.



Von Markus Schramek

Innsbruck — Seinen 50er im Vorjahr hat Knoedel-Gründer Christof Dienz ohne größere Folgewirkungen hinter sich gebracht. „Richtig jung bin ich halt nicht mehr", lautet die Schlussfolgerung des Musikers, auch mit Blick auf seine drei heranwachsenden Söhne. Mehr als ein halbes Jahrhundert auf Erden regt aber doch zu einer Rückschau an.

In den 90er-Jahren (voriges Jahrhundert) waren die Knoedel als Botschafter einer neuen, progressiven Form von Volksmusik schwer angesagt. Mit traditionellem Instrumentarium, von Hackbrett bis Trompete, wurden neue Wege beschritten: akustische Stücke, jazzig, poppig, mehr oder weniger älplerisch angehaucht. Der Knoedel-Sound traf den Nerv seiner Zeit, weit über das heimatliche Tirol hinaus. „Wir spielten damals sogar in New York vor vollen Konzertsälen", gerät Dienz im TT-Gespräch retrospektiv ein wenig ins Schwärmen.

Acht Jahre lang verbrachte das Oktett beruflich und privat eine Menge Zeit zusammen. Im markanten Jahr 2000 erfolgte ein Radikalschnitt.

Dienz löste die Knoedel auf („Es hat einfach nicht mehr gepasst"), er beendete seine ungeliebte Tätigkeit als Musiklehrer („Das lag mir nicht") und er stieg als Fagottist beim Bühnenorchester der Wiener Staatsoper aus („Das Arbeitsklima dort war schwierig"). Fürderhin widmete er sich dem Komponieren, seinem zweiten Arbeitsbereich.

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Nach 18 Jahren auf getrennten Wegen fanden die Knoedel 2018 überraschend wieder zusammen, und das, mit nur einer Änderung, in der Originalbesetzung von anno dazumal. Erste Comeback-Konzerte fanden sofort freudige Aufnahme bei den Zuhörern.

Das Reunion-Album „Still" wurde heuer, bedacht mit viel Kritikerlob, nachgereicht. Um die Tracks dieser Scheibe herum geben die Knoedel diese Woche mehrere konzertante Heimspiele: am 4. Dezember in St. Johann/Tirol (Alte Gerberei) und am 7. und 8. Dezember in Innsbruck (Treibhaus), in jener Stadt, in der seinerzeit alles begann und in der Familie Dienz, zurück aus Wien, auch wieder lebtWas hat sich verändert in annähernd 30 Jahren als professioneller Musiker? Dienz überlegt nur kurz: „Man muss sich als Band heute viel mehr um das Geschäft kümmern, man steht gegenüber dem Veranstalter in der Pflicht, für volle Hallen zu sorgen. Von alleine passiert gar nichts."

Dienz führt die Knoedel „fast wie eine Firma". Er verzichtet auf einen Manager, ist selbst auch als „Zahlmeister" für die Gagen zuständig. Wobei: „Ums große Geld geht es uns nicht. Wir wollen Spaß an der Musik transportieren und unterhalten." Hier sieht der Ober-Knoedel einen Anknüpfungspunkt zur traditionellen Hausmusik, wie er sie von seinem Vater kennt. Und auch Ehefrau Alexandra, Kontra­bassistin der Knoedel, ist mit Musik aufgewachsen. Sie stammt aus der bekannten Musikerfamilie Pedarnig.

Was das Klangbild der Knoede­l anbelangt, legt Dienz Wert auf die Feststellung, „dass wir nach Noten spielen". Die Stücke sind durchkomponiert, alle acht Ausführenden spielen auf höchstem Niveau (Knoedel-Mitglieder wie Klarinettist Walter See­bacher oder Harfenistin Margret Köll sind viel gefragte Solisten). Freie Improvisation steht bei Dienz nicht so hoch im Kurs: „Einfach so dahin­dudeln kann ja jeder."

Auch als Komponist ist die Auftragslage gut. Heue­r wurden drei Dienz-Werke uraufgeführt: beim Forum Alpbach, beim Steirischen Herbst und Anfang Oktober im BTV Stadtforum in Innsbruck. Dort lieferte Dienz den Soundtrack zur (bis 25. Jänner laufenden) Ausstellung „Mountainworks" von Fotokünstlerin Melanie Manchot.

Dienz hat sich neben dem Fagott auch als Zither-Spieler einen Namen gemacht — als Folge einer Zwangslage. „Eines meiner älteren Stücke war angeblich für die Zither unspielbar. Also habe ich selbst Zither gespielt." Ohne Ausbildung, einfach so.

Video | KNOEDEL - GASTHAUSMUSIK:


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