Letztes Update am Sa, 02.02.2013 12:51

TT / Tiroler Tageszeitung Onlineausgabe


Musik

Lyrische und bewegende Tastenfreuden



Innsbruck – Peter Waldner überraschte sein Publikum vor einem Jahr mit einem Schubert-Abend, gespielt auf Robert A. Browns Kopie eines Wiener Hammerflügels von Jacob Bertsche (um 1815). Nun legt er ein Doppelalbum dazu vor, erweitert um die kopierte Klangwelt eines Rosen­berger-Hammerflügels (ca.1805) und weiterer Schubert-Werke. Tänzen, Impromptus (op. 90) und Klavierstücken stehen die Sonaten in G-Dur (D. 894) und B-Dur (D. 960 aus dem Todesjahr 1828) gegenüber.

Spätwerke, die Waldner in der speziellen Klangaura nicht im Rückblick, sondern innerhalb Schuberts Traditionen und Errungenschaften interpretiert. Das ergibt eine eigene – Schubert wohl ganz nahe – Poesie und Sanglichkeit, transparent, farbig und dynamisch, ungemein reich in den Möglichkeiten. Waldner nützt das alles differenziert und doch natürlich, mit zügigen Tempi, die wie der Hammerklavierton keine Sentimentalität, aber bewegende Lyrik kennen. Ein sehr schöner Schubert-Zugang.

Nach Mozart war das ein logischer Schritt Waldners, der wie die meisten Spezialisten Alter Musik auch die Gegenrichtung erprobt. Johann Sebastian Bach bleibt natürlich ein Schwerpunkt, erkennbar in Waldners neuer, repertoiremäßig und interpretatorisch wertvoller CD „Bachs Mentoren“. Souverän und erhellend nicht zuletzt durch die Klangräume verschiedener Instrumente (Cembalo, Oktavspinett, Muselar – das ist eine Art Virginal) wird verdeutlicht, wo Bach beeinflusst wurde: bei seinen älteren Zeitgenossen Dieterich Buxtehude, Jan Adam Reincken und Georg Böhm.

Ein Jahrhundert zurück, zu im 16. Jahrhundert geborenen Komponisten, geht Waldner auf der Suche nach der Liebe. Wurde reichlich fündig bei vitalen, vielgestaltigen Bearbeitungen, die auf Liebesliedern basieren. Meister wie Byrd, Hassler, Frescobaldi, Sweelinck u. a. spendeten die Emotion, Waldner greift sie auf mehreren Instrumenten in einer besonders direkten Klangsprache auf. Alle CDs sind in Peter Waldners Eigenlabel „Tastenfreuden“ erschienen. (u. st.)




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