Letztes Update am Sa, 16.08.2014 19:25

TT / Tiroler Tageszeitung Onlineausgabe


TT-Interview

Franz Hackl: „Ungleichheit hat viele Gesichter“

Jazz-Star Franz Hackl sprach in New York mit der TT über seinen Alltag, Andreas Gabalier und Asymmetrie.



New York, Schwaz – Der in New York lebende Jazzmusiker, Trompetenbauer, Produzent und Veranstalter Franz Hackl hält sich derzeit wieder für einige Wochen in seiner Heimatstadt Schwaz auf. Denn in nur wenigen Tagen geht in der Silberstadt das dreitägige Jazzfestival Outreach über die Bühne. Der Startrompeter ist ja Gründer und Macher des inzwischen weit über die Grenzen Tirols bekannten Musikfestivals.

Die Hektik der Metropole New York hat mit Ihrer Heimat Tirol wenig gemein. Haben Sie nie Heimweh?

Franz Hackl: Tirol ist meine Heimat, aber ich habe noch nie Fernweh oder Heimweh gehabt. Es ist, als ob ich nie weg war. Außerdem telefoniere ich jeden Tag mit meinen Eltern. Die Technologie macht’s möglich, dass man sich auch sieht. Mit meinem Vater bespreche ich dann zum Beispiel Ideen zu neuen Trompeten. Das ist dann so, als ob man im gleichen Büro arbeitet.

Wie sieht Ihr Alltag in New York aus?

Hackl: Ich habe zwei Projekte als Bandleader: das IDO Quartet mit Adam Holzman, Kim Plainfield und James Genus, wo ich Tiroler Volksweisen auf Miles/Weather Report spiele. Wir spielen etwa 20 Konzerte im Jahr. Neben Musiker bin ich auch Produzent und tüftle als Blechblasinstrumentenbauer an unseren Hacklmusic-Trompeten. Außerdem spielt unser Sohn in drei Eishockeyteams. Unter anderem bei den New Jersey Rockets, einem Nachwuchsteam mit engen Verbindungen zu den New Jersey Devils. Ihn zu den täglichen Trainings und den Spielen zu bringen, nimmt im Leben von Rose (Hackls Ehefrau) und mir viel Zeit ein. Was wir aber sehr gerne tun, weil er mit großer Begeisterung spielt.

Und dann verhelfen Sie auch österreichischen Musikern wie Andreas Ga­balier zu Auftritten in New York. Wie kam es zu der ungewöhnlichen Kooperation und wie sehen die Pläne aus?

Hackl: Der Erstkontakt kam über den Produzenten Andreas Fabianek, der für Klaus (Bartelmus, Gabalier-Manager, Anm.) arbeitet, zustande. Wir bereiten den Einstieg in New York City und in weiterer Folge in den US-Markt vor, weil wir beide an den internationalen Erfolg von Gabalier glauben. Dass seine Musik überregional angenommen wird, hat er schon bewiesen, sonst würde er nicht in Norddeutschland die größten Hallen füllen. Jetzt einmal ist der Fokus auf ein großes öffentlich zugängliches Konzert im Mai 2015 gelegt. An einem prominenten Platz, ein Konzert mit höchster Qualität. Wir zielen aber nicht auf die Masse ab, sondern es geht darum, dem Künstler Gabalier einen Live-Einstieg in einem perfekten Umfeld zu ermöglichen.

In wenigen Tagen geht in Schwaz das Outreach-Jazzfestival über die Bühne. Dieses Mal unter dem Motto „Faces of Asymmetry“ (Gesichter der Ungleichmäßigkeit). Wieso beschäftigt Sie dieses Thema?

Hackl: Asymmetrie spielt bei jedem eine Rolle. Chancengleichheit und beste Rahmenbedingungen zur Weiterentwicklung zu schaffen, ist mir ein großes Anliegen. Die Doppelbedeutung der Asymmetrie beschäftigt mich. Einerseits die immer extremere Schere zwischen dem Top ein Prozent und dem Rest. Andererseits die Asymmetrie als Korrektiv zu fördern, um mit relativ bescheidenen Mitteln ein Momentum zu schaffen, das ausgleichend wirkt.

Wie zeigt sich das Motto im aktuellen Outreach-Programm? Was können sich die Besucher erwarten?

Hackl: Dass es von verschiedensten Blickwinkeln betrachtet wird. Nie mit dem erhobenen Zeigefinger, aber immer zum Nachdenken anregend. Markus Paulmichl beschäftigt sich mit den unterschiedlichen „genetischen Kostümen“, die den Menschen in die Wiege gelegt werden, und warum die Pharmaindustrie gut daran tun würde, darauf einzugehen. Dave Taylor macht die Problematik der Ölkriege zum Thema, Craig Harris beweist, wie Sun Ra die unterschiedlichsten Charaktere zum Glänzen brachte, Gene Pritsker nimmt sich Igor Strawinksy und Frank Zappa vor, Alexandra Caro zeigt, dass man gleichzeitig verletzlich und stark sein kann. Das sind nur einige Beispiele, die hingeschrieben kopflastig wirken mögen, aber das Schöne an der Musik ist, dass selbst Komplexes zuerst auf den Bauch wirkt. Vom Keynote-Eröffnungsevent bis zum Abschlusskonzert – Outreach ist ein stimmiger Bogen.

Das Gespräch führte Stefan Eckerieder




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