Printausgabe der Tiroler Tageszeitung vom Mo, 15.12.2014


Musik

Bryan Adams: Softrockballaden mit Starkstromgitarren

Rock ’n’ Roll in Perfektion und Popballaden voll Herzschmerz zum Mitschunkeln: Bryan Adams spielte in Innsbruck vor 6700 Fans auf.

© Andreas Rottensteiner / TTDer kanadische Megastar Bryan Adams sorgte Samstagabend für eine gut gefüllte Olympiahalle.Foto: Rottensteiner



Innsbruck – Auf Bryan Adams ist Verlass. Seit er vor nunmehr 30 Jahren mit dem Album „Reckless“ den kommerziellen Durchbruch feierte, liefert er Hit um Hit. Es gibt zwar immer weniger neue Songs, die altbekannten erwiesen sich dafür als recht hartnäckig – beziehungsweise zeitlos, wie die treuen Anhänger mit Verweis aufs Radio-Airplay wohl zu Recht sagen würden.

Rund 6700 Fans haben sich Samstagabend in der Innsbrucker Olympiahalle versammelt. Ein gesetztes und auffallend textsicheres Publikum erlebt dabei ein gut zweistündiges „Greatest-Hits“-Feuerwerk. Live liefert Adams ordentlichen Stadionrock, rauer als auf Platte, aber dennoch mainstreamtauglich. Die Bühnenshow wirkt eingangs dank der großen Videowalls noch elegant bis distanziert, dennoch versucht der Sänger jeden seiner Fans miteinzubeziehen. Von der Mitte der Bühne zum kleinen Stage rechts hastend – und von dort wieder zur kleinen Nebenbühne links: Der 55-Jährige ist ganz der sympathische Megastar von nebenan – jung und dynamisch geblieben dank veganer Lebensweise. Ordentliche Rockposen liefert derweil Lead-Gitarrist Keith Scott, seit mehr als 30 Jahren ständiger Wegbegleiter. Dass die Firma Gretsch eine eigene Gitarre – die Gretsch 6120 – nach Scott benannte, wird dank seiner Soli nachvollziehbar.

Das „Reckless“-Album wird im ersten Teil des Abends brav runtergespielt. Softballaden und Starkstromrock im Wechselspiel, der Höhepunkt schließlich die Up-tempo-Nummer „Summer of 69“. Falls tatsächlich einer den Text nicht auswendig können sollte, wird das Karaoke-Video gleich mitgeliefert. Der Clip gereicht dem selbstironischen Künstler zur Ehre. Die Liedzeilen wurden auf nackte weibliche Haut aufgemalt, 69 dürfte wohl mehr als eine Jahreszahl sein. Zwei Lieder später kommt auch schon der Schmachtfetzen „I Do It For You“ von 1991. Zur Erinnerung, dass er insgesamt elf Alben geschrieben habe, sagt Adams. Besonders heimelig wird es im Handy-Lichtermeer nochmals bei der Zugabe: Adams solo mit Akustikgitarre. Vor lauter Publikumseuphorie stimmt er sogar kurz ein Weihnachtslied an. Auf seinem Instagram-Account hat der talentierte Fotograf Innsbruck übrigens noch ein kleines Geschenk hinterlassen. (sire)