Printausgabe der Tiroler Tageszeitung vom Fr, 19.06.2015


Freizeit

An die Spitze Tirols wandern

Der Kaiserwinkl soll die beste ganzjährige Wanderregion in Tirol werden. Das ist ein Ergebnis des Zwischenberichts der TVB-Strategie- und Projektentwicklung für 2025.

null

© TVB Kaiserwinkl



Von Verena Hofer

Kössen, Walchsee – Einen Bettenrückgang von knapp 25 Prozent und ein Nächtigungsminus von 14 Prozent musste der TVB Kaiserwinkl seit der Fusionierung 2005 hinnehmen. Um für die Zukunft besser aufgestellt und gerüstet zu sein, wurde Kohl und Partner, Consulting-Unternehmen für die Tourismus- und Freizeitwirtschaft, engagiert und gemeinsam ein Strategie- und Projektentwicklungsprozess zum Thema „Kaiserwinkl 2025“ gestartet. Der erste Zwischenbericht wurde gestern von Gernot Memmer (Kohl und Partner) sowie der TVB-Führungsriege im Büro in Kössen präsentiert.

Einige Kilometer weit entfernt von den großen Skigebieten ist der Kaiserwinkl mit den Orten Kössen, Walchsee, Schwendt und Rettenschöss eine Sommerdestination. Rund 62 Prozent der Urlauber kommen in den warmen Monaten in die Region. „Wir stehen aber besonders unter Druck“, sagt TVB-Obmann Gerd Erharter und meint damit die zahlreichen Mitbewerber. Daher reifte der Wunsch, die jetzige Situation zu hinterfragen und eine neue Strategie zu entwickeln. „70 Personen aus der Region haben sich eingebracht“, erklärt Gernot Memmer bei der Projektvorstellung und ergänzt, dass diese bei Interviews, der Zukunftswerkstatt sowie die nächste Generation beim Gedankenaustausch eingebunden waren. Die Kernkompetenzen wie die ganzjährigen Aktivmöglichkeiten mit See und Berg sowie die regionalen Qualitätsprodukte aus der Landwirtschaft sind die Merkmale der Region. „Eine Besonderheit sind die fünf Sennereien“, sagt Memmer. Daraus resultierend will man in Zukunft auf einen nachhaltigen Natur-Aktiv-Urlaub zwischen dem Kaisergebirge und Walchsee setzen. Ehrgeiziges Ziel ist es, den Kaiserwinkl als beste ganzjährige Wanderregion in Tirol zu positionieren. Dies soll mit Fokussierung und so genannten Leuchtturmprojekten geschafft werden. In vier Arbeitsgruppen – Wandern, Genussbiken, Walchsee und Winter – werden diese nun entwickelt. Gesetzt wird dabei auf die Jugend, die Nachfolger in den Betrieben, die ihre Visionen einbringen. „Wir sind Mitte 50, jetzt haben wir erstmals die Jungen miteinbezogen“, schildert Norbert Brunner, Aufsichtsratsvorsitzender. Außerdem soll die Kommunikation nach innen verbessert werden, um ein stärkeres Miteinander zu forcieren.

Dringende Impulse sieht Hotelier Christian Mühlberger auch bei den Gemeinden: „Eine Dorfentleerung findet statt“, schildert der Kössner und fordert, dass bestimmte Highlights umgesetzt werden. Das sieht auch TVB-Obmann Erharter so: „Wir wollen absolut nicht für die Schublade produzieren, sondern Projekte in die Tat umsetzen.“

Der erste Teil der Entwicklung ist nun abgeschlossen, jetzt wird das Strategiepapier ausgearbeitet. Ende des Jahres sollen konkrete Ergebnisse präsentiert werden. Die Umsetzung ist ab 2016 geplant, wobei die Finanzierung noch offen ist. „Wir stehen finanziell gut da“, erklärt Brunner. Neben den Betrieben sollen auch die Gemeinden einen Teil leisten. Angesprochen wird eine Abgabenerhöhung, Fremdfinanzierung oder beides. Seit Mai beträgt die Ortstaxe 1,50 Euro. Über eine Anhebung muss die Vollversammlung entscheiden.