Printausgabe der Tiroler Tageszeitung vom Do, 23.07.2015


Osttirol

Glockner wird zur Ultra-Rennbahn

Am Wochenende feiert der Großglockner-Ultratrail seine Premiere. Die Teilnehmer müssen in maximal 29 Stunden über Kaprun und Kals rund um den Glockner laufen. 7000 Höhenmeter sind zu schaffen.

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© Matthias Kodym



Von Catharina Oblasser

Kals – Am Freitag, den 24. Juli, geht es los: Da starten Läuferinnen und Läufer, die das Extreme lieben, zum Lauf rund um den Glockner. Großglockner-Ultratrail heißt das Rennen, das heuer zum ersten Mal stattfindet. Start ist um 19 Uhr in Kaprun, über Nacht müssen die Teilnehmer über Fusch und Pfannscharte Richtung Glocknerhaus und dann über die Glorerhütte bis nach Kals laufen.

Dort wartet die zweite Etappe, die gleichzeitig ein eigener Bewerb ist. Wer sich die ganze Runde um Österreichs höchsten Berg nicht zutraut, kann auch nur beim „Glockner Trail“ mitmachen. Während beim Ultratrail 110 Kilometer und 7000 Höhenmeter bewältigt werden müssen, sind es beim Glockner Trail „nur“ 50 Kilometer und 2500 Höhenmeter. Start dafür ist am Samstag, den 25. Juli, um 8.30 Uhr beim Kalser Pavillon. Dann geht es durch das Dorfertal vorbei am Kalser Tauernhaus zur Rudolfshütte und wieder zurück nach Kaprun. Maximal 29 Stunden dürfen die Ultratrail-Teilnehmer für die Runde brauchen, die schnellsten werden sie aber in etwa 13 Stunden schaffen. Zum Vergleich: Für Wanderer ist diese Strecke mit sieben Tagen veranschlagt.

Die Idee zum ersten Großglockner-Ultratrail hatte Hubert Resch, Organisator vieler ähnlicher Läufe und seit 20 Jahren Stammgast in Kals. Mitorganisator ist der Kalser Vizebürgermeister Martin Gratz, der selbst am 50-Kilometer-Lauf teilnehmen wird. „Unser Vorbild ist der Mont-Blanc-Ultratrail“, meint Resch. „Wir haben vor, den Glockner-Ultratrail ab heuer jedes Jahr zu veranstalten.“

Obwohl der Bewerb eine Premiere darstellt, ist das Interesse groß. „Mehr als 450 Personen haben sich für beide Läufe angemeldet“, ist Martin Gratz stolz. Beim Ultratrail machen etwa zehn Prozent Frauen mit, beim kürzeren Lauf mehr als ein Drittel. 14 Nationen sind vertreten, darunter auch Mexiko, die USA oder Australien. Der Kalser Vizebürgermeister ist überzeugt, dass die Veranstaltung das Richtige für Kals ist. „Diese Szene boomt. Und unser Ultratrail ist der größte und anspruchsvollste in Österreich.“

Wenn alles klappt, wird der Lauf in die Vereinigung „Ultra Trail World Tour“ aufgenommen, eine Art Weltcup der Extremläufe. Um zu überprüfen, ob Organisation, Strecke und Schwierigkeit den Anforderungen der Vereinigung genügen, schickt diese einen Vertreter nach Kals, sagt Resch.

Die Gebrüder Mair sind wieder dabei

Extreme Läufe sind für das Brüderpaar Stefan (49) und Franz (55) Mair nichts Außergewöhnliches. So bewältigten sie vor drei Jahren etwa den Transalpine Run, der in acht Tagen von Ruhpolding bis nach Sexten führte. Auch beim ersten Großglockner-Trail sind sie mit dabei. „Ich werde die 110 Kilometer lange Strecke laufen, Franz die 50 Kilometer lange“, erzählt Stefan Mair. Für ihn ist das der Abschluss einer sechswöchigen Trainingseinheit, in der er den Hochkönig- und den Zugspitzlauf sowie einen Bergmarathon am Traunstein bewältigte. Denn Stefans Ziel für den Herbst ist die Insel Reunion. „Dort findet im Oktober der so genannte Lauf der Verrückten über 170 Kilometer statt“, schmunzelt der Brauereimitarbeiter. Als Qual will er diese extremen Herausforderungen nicht bezeichnen. „Man lernt beim Laufen vieles, was man auch im Leben braucht, wie Gelassenheit, Ausdauer und Durchhaltevermögen.“ Besonders schön sei der Austausch mit den anderen Sportlern. „Wir sind wie eine große Familie.“ (co)