Printausgabe der Tiroler Tageszeitung vom Fr, 31.07.2015


Freizeit

Eine Spielwiese für Wanderminis

Zu einem der wenigen Almdörfer Südtirols führt eine Familientour oberhalb von Sterzing. Streichelzoo, ein Biotop und die abwechslungsreiche Flora und Fauna machen allerdings den Wanderweg selbst zum Ziel.

An der Kastellacke würden die kleinen Wanderer am liebsten sitzen bleiben. Bis zur Vallmingalm ist’s aber nur noch eine knappe halbe Stunde.

© SillerAn der Kastellacke würden die kleinen Wanderer am liebsten sitzen bleiben. Bis zur Vallmingalm ist’s aber nur noch eine knappe halbe Stunde.



Von Kathrin Siller

Sterzing – Nur unter Bitten und Betteln lässt sich Elsy von den zwei Ziegenböcken weglocken, deren intensiver Geruch uns bereits beim Ausstieg aus der Rosskopf-Bahn in die Nase gekrochen ist. Der Streichelzoo direkt neben der Bergstation hat die Kinder sofort in seinen Bann gezogen. Während die Kleinen also kraulen und Klee verfüttern, schauen die Großen ins Tal auf die Autobahn, auf der man sonst – ohne einen Blick nach oben zu werfen – in den Süden düst. Motorengesumse hört man hier heroben zum Glück nicht, nur das Läuten der Kuhglocken.

Endlich können wir uns von den Lamas, Eseln und Alpakas losreißen und wandern auf dem Weg Nummer 19 Richtung Kastellacke, einem Naturbiotop, in dem Tausende Kaulquappen mit Ärmchen und Beinchen rudern. Viele Wanderer haben hier bereits ihr Lager aufgeschlagen.

Wir nehmen allerdings den Weg durch den Lärchenwald, der nun nur noch bergab zur Vallmingalm führt. Die idyllische Hüttensiedlung besteht aus den drei Kasern (Sennhütten): Jörgner, Baron und Walter. Sie ist eines der wenigen Almdörfer in Südtirol. Dort wird seit Jahrzehnten Frisch- und Graukäse hergestellt. Der Graukäse der Baronkaser hat im vergangenen Jahr sogar den zweiten Platz bei der Südtiroler Almkäseverkostung abgesahnt. In der Jörgner Kaser wird schon seit 70 Jahren im Sommer täglich die Milch der 15 Kühe zu Käse verarbeitet. Das ist aber nicht der Grund, warum wir wenig später auf der Jörgner-Terrasse landen, sondern die jungen Ziegen, Enten und Meerschweinchen, die den Nachwuchs in ihren Bahn ziehen. Sogar ein Trampolin gibt’s.

Die Vallmingalm ist eines der wenigen Almdörfer Südtirols und bekannt für ihren exzellenten Graukäse.
Die Vallmingalm ist eines der wenigen Almdörfer Südtirols und bekannt für ihren exzellenten Graukäse.
- Siller

„Genießt die Wartezeit hier in dieser Herrlichkeit, sie dauert keine Ewigkeit“, legt die Speisekarte den Gästen ans Herz. Lange dauert es wirklich nicht, bis wir die Gabeln in ein haubenverdächtiges Tris (absolut empfehlenswert mit den hausgemachten Schlutzkrapfen, Kas- und Spinatnocken), Erdäpfelblattln mit Kraut, danach Buchweizenkuchen und Kaiserschmarren stechen.

Stunden später kehren wir diesem urigen Platz den Rücken und entscheiden uns für eine Rundtour, wobei der Rückweg etwas länger ausfällt, dafür aber über einen wunderschön angelegten Steig erfolgt. Zutrauliche Schmetterlinge, die sich auf unsere T-Shirts setzen, blaue Käfer entlang des Weges, hier ein Riesen-Ameisenhaufen, dort ein Bächlein, über das man springen muss, paarungsfreudige Grillen, eine mit Seil gesicherte Stelle, eine Fliege, die sich in einer Glockenblume versteckt – kleine Wow-Momente, die uns Erwachsenen vor Augen führen, warum oft der Weg und nicht ein Gipfel das Ziel ist.

Schließlich kommen wir auf einem Joch oberhalb der Bergstation heraus und tauchen förmlich durch die hohen, duftenden Almwiesen voller Arnika und Glockenblumen die letzten Meter zur Bergstation. Die Ziegenböcke verströmen immer noch ihren markanten Duft. Und wir gondeln – erfüllt von Natur und Bergen – ins Tal.

Infos zur Tour

Ausgangspunkt: Die Rosskopf-Bahn in Sterzing; am besten am Brenner auf die Bundesstraße ausfahren. Der Parkplatz an der Bahn ist kostenlos.

Preise für die Berg- und Talfahrt: Für Erwachsene in der Hauptsaison: 14,50 €, Kinder, geboren 2008 und jünger, fahren gratis; die Familienkarte für 2 Kinder und 2 Erwachsene kostet 33 €.

Gehzeit zur Vallmingalm: ca. 1 Stunde (Weg Nr. 19). Von der Vallmingalm entweder den gleichen Weg zurück zur Bergstation nehmen oder für die Rundtour ab der Alm den Steig 34A wählen (Tour ist nicht kinderwagentauglich).

Alternativen: In ca. 30 Minuten erreicht man die Kastellacke. Der weiche Almboden dort eignet sich gut zum Picknicken. Wer auf einen Gipfel will, dem sei die Tour auf die Telfer Weissen (2558 Meter) empfohlen. Gehzeit gesamt: ca. 5,5 Stunden (ab Bergstation). Gut beschildert!

Veranstaltungen im Sommer: Am 9. August findet das Vallminger Almenfest statt, am 23. August der Kindersonntag am Rosskopf.