Letztes Update am Mo, 22.08.2016 17:27

TT / Tiroler Tageszeitung Onlineausgabe


Urlaub in Tirol

Tirols Berge und der „Hohe Besuch“

Spezielle Orte für spezielle Menschen: Die Königin war da und auch der Kaiser, Nobelpreisträger und andere Genies, Literaten, gefeierte Schauspieler. Der Aufenthalt besonderer Besucher in Tirol ist verewigt in Gästebüchern und auf Erinnerungstafeln oder -fotos in noblen Hotels ebenso wie in Almhütten.

Bei ihrem Besuch in Innsbruck im Jahr 1969 wurde Queen Elisabeth im Barocksaal des Hotel Europa empfangen.

© Hotel EuropaBei ihrem Besuch in Innsbruck im Jahr 1969 wurde Queen Elisabeth im Barocksaal des Hotel Europa empfangen.



Erlauchte und berühmte Personen, welche in diesem Haus gewohnt“, steht auf den riesigen Steintafeln geschrieben. Nur wer sich die Zeit nimmt, die vielen darunter aufgelisteten Namen zu lesen, weiß den geschichtsträchtigen Ort zu würdigen, an dem er gerade sein Gröstl oder den hausgemachten Apfelstrudel verzehrt. Der Goldene Adler mitten in der Altstadt von Innsbruck beherbergte nach Kaiser Maximilian I. im Jahr 1494 noch viele Könige, Prinzen und Prinzessinnen aus aller Welt. Herzöge stiegen hier ab, Grafen, Fürsten und auch ein Dichterfürst. Wolfgang von Goethe machte 1786 in Innsbruck Rast, bevor er weiterzog nach Italien. Eingeweihte können ihm insgeheim mit einem Glas Wein zuprosten oder eine Melodie von Wolfgang Amadeus Mozart summen, der mit seinem Vater Leopold 1773 im Goldenen Adler Unterkunft fand. Sie können dem Violinvirtuosen Niccolò Paganini Anerkennung zollen und über die Werke von Literaturnobelpreisträger Albert Camus oder Jean Paul Sartre debattieren. Und natürlich war Andreas Hofer „während der Kämpfe für die Befreiung des Vaterlandes“ 1809 öfters zu Gast, wie auf einer Tafel überliefert.

Von nah und fern reisten Menschen nach Tirol: zur Sommerfrische, um in den Pionierzeiten des Wintertourismus Ski fahren zu lernen oder einfach auf der Durchreise. Nicht immer wurde bekannt, welcher Grund sie in die Berge führte oder auch in welcher Begleitung sie waren.

Für wilde Spekulationen gab es offensichtlich häufig Anlass – damals und vor allem heute. Auf die Anfrage an Tirols Gastbetriebe, welche berühmten Personen, welche historischen Persönlichkeiten bereits abgestiegen sind, reagierten einige zurückhaltend. Schließlich sei es auch die Diskretion, die viele so schätzen würden. Außerdem freue man sich über jeden Gast, ob prominent oder unbekannt.

Manche lieben’s diskret

In aller Öffentlichkeit, mit Schützenaufmarsch und Musikkapelle wurde dagegen der Besuch von Queen Elizabeth 1969 in Innsbruck gefeiert. Der Empfang fand im Barocksaal des Grandhotels Europa statt, später ging’s zum Isserwirt nach Sistrans, wo eine Gedenktafel an den „hohen Besuch“ erinnert. Schließlich war das auch eine ganz besondere Ehre, wie der damalige Landeshauptmann Eduard Wallnöfer meinte. Auch zu den Olympischen Winterspielen 1964 und 1976 gab es „königliche Gäste“ im Hotel Europa, darunter König Karl Gustav von Schweden.

Im Klosterbräu in Seefeld gaben sich „gekrönte Häupter und Superstars die Klinke in die Hand“, sagt Carina Fontan, die in dem 500 Jahre alten, früheren Kloster für das Marketing zuständig ist. Der 1980 verstorbene Schah Mohammad Reza Pahlavi war dort mit Farah Diba, seiner dritten Frau und letzten Kaiserin von Persien. „Ich habe im Zimmer einer Kaiserin übernachtet“, konnten Gäste danach sagen. Andere hofften, vielleicht etwas vom mondänen Flair von Supermodel Linda Evangelista oder vom Charisma Josephine Bakers abzukriegen. Im Winter reiste Hollywood-Schauspieler Armin Mueller-Stahl anonym mit seiner Familie an. „Es war schön bei Ihnen“, schrieb er ins Gästebuch.

Auch in St. Anton am Arlberg gehört Diskretion offensichtlich zum Angebot, so viel ist aber doch bekannt: Prinzessin Soraya – zweite Frau des Schahs von Persien – war dort, der König von Malaysien und noch viele, viele andere „königliche Gäste“. Der Kategorie Geldadel war der japanische Unternehmer Yoshiaki Tsutsumi zuzuordnen, immerhin drei Jahre lang einer der reichsten Männer der Welt. Auch ins Trofana Royal in Ischgl zog es bereits viele Prominente. Boxweltmeister Vitali Klitschko und Fußballtrainer Jürgen Klopp erholten sich hier. Für die „Top of the Mountains“-Konzerte reisten Alicia Keys, Robbie Williams und James Blunt an. Im Online-Gästebuch von Rosi’s Sonnberg­stuben in Kitzbühel finden sich der britische Actionfilmstar Jason Statham und – natürlich – Arnold Schwarzenegger.

Im Alpinarium in Galtür sind alte Hüttenbücher der 1882 eröffneten Jamtalhütte ausgestellt – mit hingekritzelten, längst berühmten Namen auf den vergilbten Seiten: Physiker und Nobelpreisträger Albert Einstein, Philosoph Sir Karl Popper, Musiktheoretiker Heinrich Schenker und Schriftsteller Ernest Hemingway, ebenfalls Nobelpreisträger. In einer seiner 14 Kurzgeschichten mit dem Titel „Männer ohne Frauen“ beschrieb er das winterliche Gebirgsidyll von Galtür. Erhalten geblieben sind auch Ansichtskarten, etwa jene mit der Dreiländerspitze, die Literat Karl Kraus 1929 vom Ferienheim Schermboden an „Fräulein Geißler“ in Berlin schickte. „Es waren spezielle Menschen, die spezielle Orte aufgesucht haben“, sagt der Galtürer Bürgermeister Toni Mattle über die damalige Zeit. Mit ihnen begann der Tourismus, die Menschen im Tal mussten nicht mehr nach Landeck in die Textilfabrik, es gab Arbeit. Letzter berühmter Gast im Paznauntal war Klaus Maria Brandauer.

Gustav Klimt führte es ins Pillerseetal, Bundeskanzler Leopold Figl zum Taurerwirt nach Kals am Großglockner, wo er mit dem Schützen Rupert Rogl, „Taurer Ruep“, auf Gamsjagd ging, wie ein Foto zeigt. Kaiser Franz Josef I. bevorzugte für die Jagd das Alpbachtal, der Name des „Kaiserhauses“ stammt aus dieser Zeit.

Foto mit Oscarpreisträger

In den 1950er- und 1960er-Jahren konnte man in Lienz Clark Gable begegnen, der auf dem Weg nach Cortina immer einen Zwischenstopp im Hotel Traube einlegte. Ein Foto zeigt den damaligen Wirt mit dem Oscarpreisträger in der Stadt. Der Gast mit der größten Gefolgschaft ist aber wohl der Kronprinz von Thailand, der samt 100-köpfigem Anhang schon fünfmal ins Zillertal reiste, um im „Theresa“ in Zell abzusteigen. Ein Erinnerungsfoto zeigt „unseren größten Star“, wie Theresa Burkia-Egger meint. Auch Otto Habsburg ist dort auf der „Promiwand“ verewigt. (Michaela S. Paulmichl)




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