Printausgabe der Tiroler Tageszeitung vom So, 23.10.2016


Fleißbildchen

Maria Spötl: Vergessene Schöpferin frommer Bildchen

Kindlein, Engel und Heiligenfiguren. Das sind typische Motive von Andachtsbildern, wie sie Kinder früher zur Belohnung erhielten. Schöpferin vieler dieser Druckwerke war die Tirolerin Maria Spötl. Über ihr Leben war bis jetzt wenig bekannt. Ein Autor begab sich auf Spurensuche.

© Ablinger.GarberAlle Abbildungen im Artikel aus: "Das vergessene Leben der Künstlerin Maria Spötl", Ablinger.Garber, 2016



Sie ist eine der erfolgreichsten Tiroler Künstlerinnen aller Zeiten, ihre religiösen Bilder, Postkarten und Zeichnungen erreichten eine Millionenauflage. Dennoch kennt kaum jemand ihren Namen. Generationen von Schulkindern haben sich über „Fleißbildchen“ gefreut, überreicht von der Frau Lehrerin als besondere Belohnung. Wer aber war diese Maria Spötl, die Hunderte solcher Motive gemalt und mit frommen Sprüchen versehen hatte?

Das hat sich Schriftsteller Martin Kolozs gefragt. Auch er, Jahrgang 1978, kennt „Spötl-Bilder“ noch aus seiner Innsbrucker Kindheit. Das war es dann aber auch schon mit Fakten über die Vita der Künstlerin. Also begab sich Kolozs auf Spurensuche: in Landeck, wo Spötl 1898 auf die Welt kam, und in Schwaz, wo sie den Großteil ihres kurzen Lebens verbrachte. Denn schon 1953 starb die Vielbegabte. Sie hatte Zeit ihres Lebens mit gesundheitlichen Problemen zu kämpfen.

Tief katholisch war Spötls familiäres Umfeld. Die ältere Schwester Paula ging ins Kloster, ihr Bruder Josef wurde Priester. Nesthäkchen Maria schlug eine künstlerische Laufbahn ein, stark vom christlichen Glauben geprägt war aber auch diese. Maria absolvierte die Kunstgewerbeschule in Innsbruck. An der Akademie in München wurde sie zur Bildhauerin ausgebildet.

Zunächst widmete sich Maria dem Schnitzen von Heiligenfiguren und Krippen. Diese genießen in Kennerkreisen noch heute höchstes Ansehen. Zunehmend geschwächt, wandte sie sich jedoch vermehrt dem körperlich weniger anstrengenden Malen zu. Ein Münchner Verlag brachte ihre Andachtsbilder massenhaft unters Volk. Das war Anfang der politisch unruhigen 30er-Jahre.

Einige Zeit ging das gut. Maria nützte den Verkaufserlös, um ihre kranken Eltern zu pflegen. Den Großteil ihres Einkommens spendete sie. Für sich behielt sie wenig. „Sie war eine selbstlose Persönlichkeit“, meint Spötl-Biograph Martin Kolozs anerkennend. Und sie war mit ganzem Herzen Gott zugewandt. „Eines sei täglich in meinem Leben: Gottes Liebe weitergeben“, lautete Marias Wahlspruch.

Solche Frömmigkeit stieß bald auf Widerstand. Den Nazis war Spötls religiöses Wirken ein Dorn im Auge, aber auch kirchliche Kreise machten gegen sie mobil. Spötl wurde vorgeworfen, das Religiöse zu verkitschen. Andere Kritiker wollten sogar eine „verborgene Erotik“ in ihren Zeichnungen erspäht haben.

Maria Spötl brach daraufhin die Zusammenarbeit mit den Münchnern ab. Sie gründete ihren eigenen Verlag unter eigenem Namen. Von niemandem wollte sie sich vorschreiben lassen, wie ihre Bilder auszusehen hätten. Abnehmer fand die Tiroler Künstlerin weiterhin genug. Noch lange nach ihrem Tod waren „Spötl-Bilder“ in großer Zahl im Umlauf. Kinder der 70er- und 80er-Jahre können sich gut daran erinnern. Danach kamen „Fleißbildchen“ allmählich aus der Mode.

Doch die Geschichte ist damit nicht zu Ende. Die Jenbacherin Martha Guggenbichler kümmert sich seit dem Jahr 2000 um den früheren Verlag Maria Spötls. Sie hat Restbestände der Bildchen vor dem Reißwolf gerettet. Name und Werk einer Künstlerin, die fast vergessen war, leben weiter. (Markus Schramek)

- Ablinger.Garber
Martin Kolozs – "Das vergessene Leben der Künstlerin Maria Spötl" (Verlag Ablinger.Garber, Hall, 84 Seiten, 15,90 Euro). Der Verkaufserlös kommt der internationalen Hilfsorganisation „Jugend Eine Welt“ zugute.
- Ablinger.Garber
Maria Spötl malte Hunderte fromme, religiöse Motive.
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Maria Spötl (1898–1953) spendete den Großteil ihrer Verkaufserlöse.
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Fleißbildchen waren unter Kindern begehrt.
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