Printausgabe der Tiroler Tageszeitung vom Mi, 25.01.2017


Schlafen

Schwierige Phasen am Morgen

Langschläfer oder Frühaufsteher – das hängt mit den Genen und dem Alter zusammen. Was Schlafphasenwecker bringen und warum die Schule später anfangen sollte.

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Von Philipp Schwartze

Innsbruck – Guten Morgen, gut geschlafen? Oder wieder durch den unbarmherzigen Wecker aus dem Tiefschlaf gerissen worden?

Ein leichteres Aufwachen versprechen die Hersteller von Schlafphasenweckern. Handy-Apps und Armbänder messen Bewegungen und schließen dann auf die aktuelle Schlafphase.

Der deutsche Schlafforscher Jürgen Zulley hat derartige Wecker untersucht. „Wenn man morgens Probleme mit dem Aufstehen hat, sind sie nicht falsch“, lautet sein Fazit. Denn was paradox klingt, ist eigentlich ganz logisch: „Wenn man früher aufsteht, kann man durchaus wacher sein.“ Da wir zwischen leichteren und tieferen Schlafphasen abwechseln, wachen wir dann vielleicht gerade aus der leichteren auf.

„Wir können den Zeitpunkt bestimmten, an dem jemand fast wach ist. Der Moment unmittelbar vor und nach der Traumphase“, erklärt einer der Erfinder solcher Geräte, axbo-Geschäftsführer Boris Eis, das Prinzip. In einem Zeitraum, beginnend dreißig Minuten vor der eingestellten Weckzeit, erfasst das Armband an der nicht dominanten Hand – bei Rechtshändern also links – diesen Moment und der Wecker klingelt.

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„So etwas macht schon Sinn. Denn aus dem Tiefschlaf aufgeweckt ist man desorientiert und schlecht gelaunt“, sagt der Wiener Schlafforscher Gerhard Klösch von der MedUni Wien. „Aber der Wecker müsste den individuellen Schlafrhythmus identifizieren. Das Alter spielt eine Rolle, das Geschlecht. Frauen zum Beispiel bewegen sich im Schlaf weniger und machen kleinere Bewegungen“, erklärt Klösch. So wecke ein Schlafphasenwecker mit der bisherigen Methode zwar nie im absoluten Tiefschlaf, aber Unterschiede bei der Bewegungsfreude des Schlafenden würden nicht berücksichtigt.

Generell gibt es Spätaufsteher, die so genannten Eulen, und Frühaufsteher, die Lerchen. Was man ist, liegt neben den Genen auch am Alter, weiß Zulley. „Gerade ältere Schüler, etwa ab zehn Jahren, sind eher Eulen. Bei späterem Schulbeginn um neun würden sie bessere Leistungen bringen.“ Erwachsene dagegen hätten mit dem beginnenden Alltag um acht, halb neun kein Problem. „Wenn sie nicht gerade zu den Extremen gehören. Die meisten sind schließlich ‚Normaltypen‘, weder Eulen noch Lerchen“, sagt der deutsche Schlafforscher.

Im Alter werden die Menschen hingegen immer mehr zu Frühaufstehern. „Je älter ich werde, umso früher kann ich mein erstes Lied singen“, berichtet Zulley über die „Alters-Lerchen“.

Probleme haben die meisten Menschen mit dem Aufstehen im Winter wegen des fehlenden Lichts. „Eigentlich machen wir da eine Art ‚Winterschlaf‘. Aber in unserer Leistungsgesellschaft können wir uns Länger-Schlafen natürlich nicht erlauben.“

Tipps, wie man – auch als notorischer Spätaufwacher – früher am Tag fit ist, gibt es viele. Ein von Langschläfern oft gehörter Spruch: Geh doch früher ins Bett! Hilfreich ist das nicht immer, wenn der eigene Körper darauf nicht abgestimmt ist und man nicht früher einschläft. Ändern können wir unseren Schlaf- und Biorhythmus nur wenig. Zulleys Tipp: Zu Tagesbeginn helles Licht – heller als gewöhnliches Raumlicht – verwenden, denn das „hat einen Weckeffekt und hebt die Stimmung“. Schließlich ist das Licht der wichtigste Taktgeber für unsere „innere Uhr“.

Was laut Zulley dagegen nicht mit der Schlafgewohnheit zusammenhängt, ist die Leistungsfähigkeit oder Intelligenz eines Menschen. Vorurteilen, wer früher aufsteht, sei fleißiger, erteilt er eine Absage. „Es gibt da keinen Unterschied. Man sollte möglichst nach seinem eigenen Biorhythmus gehen. Dann ist man am leistungsfähigsten.“

Unabhängig von allen Aufwach-Strategien und Hilfetools gibt es aber auch so Hoffnung. „Das Aufstehen wird wieder leichterfallen“, prophezeit Zulley. Denn die Tage werden wieder heller.




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