Printausgabe der Tiroler Tageszeitung vom So, 21.05.2017


Freizeit

Paddler kämpfen für Parcours an der Sill bis nach Innsbruck

Der Paddelsport boomt. Bisher ohne Erfolg setzen sich die Paddelvereine dafür ein, dass die Sill barrierefrei bis in die Stadt befahren werden kann.

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© Thomas Boehm / TT



Von Brigitte Warenski

Innsbruck – Nach Schätzungen gibt es rund 3000 Kajak- und Kanufahrer in Tirol, 500 davon sind in Vereinen organisiert. Touristisch ist der Wildwassersport zwar noch ein Nischenthema, „gilt aber als sehr wertvolle Ergänzung unserer Angebots­palette von Aktivitäten im Tiroler Bergsommer“, sagt der Chef der Tirol Werbung, Josef Margreiter. Bei schweren und mittelschweren Strecken genießt Tirol „zudem den Ruf als eine der besten Reviere Europas“, so Margreiter. Im Nahbereich von Innsbruck sieht es dagegen für Paddler derzeit schlecht aus. Vor allem die vier Paddelvereine Innsbrucks setzen sich daher seit Jahren für die Umsetzung eines Wildwasserparcours an der Sill ein. „Wir kämpfen dafür, dass eine Fahrt vom hintersten Stubaital bis in die Sill nach Innsbruck durchgehend barrierefrei möglich wird. Die Strecke wäre ideal, weil sie für Anfänger geeignet ist und vom Wasserstand her eine extrem lange Befahrbarkeit im Jahr ermöglicht“, sagt Bernhard Steidl, Obmann des Vereins WET (Wildwasser erhalten Tirol). Dafür müsste die Sill an einer Stelle renaturiert werden, „was man mit großen Steinen erreichen kann, die in den Fluss gesetzt werden. Das tut zudem den Fischen gut und wertet die Sill ökologisch auf, was ja sowieso im Rahmen der Umsetzung der EU-Wasserrahmenrichtlinie bis spätestens 2020 gemacht werden muss“, so Steidl.

Zudem müsste die so genannte Kajakrampe in Innsbruck (wo die Sill in den Inn mündet) bepaddelbar werden. Maßnahmen, die laut Kanuvereinen „machbar und eine einzigartige Chance für die Sport- und Studentenstadt Innsbruck sind. Mit dem Parcours könnte man quasi direkt in die Stadt fahren, was nirgendwo anders möglich ist“, sagt Martin Kronthaler vom Tiroler Wassersportverein. Dass das Projekt dennoch gestorben sein könnte, können die Paddler nicht verstehen. „Mit der Brennerbasistunnelgesellschaft sind wir noch immer in gutem Kontakt, aber das Tiefbauamt der Stadt Innsbruck hat den Dialog plötzlich eingestellt“, erzählen Steidl und Kronthaler. Karl-Heinz Reckziegel vom Tiefbauamt beruhigt: „Der Dialog wird nicht abgebrochen. Wir warten aber noch auf Förderzusagen von Bund und Land, um andere geplante Baumaßnahmen an der Sill umzusetzen. Dann können wir die Rampe in Angriff nehmen. Ziel ist, die Gefährlichkeit der Rampe zu entschärfen und sie eventuell bepaddelbar zu machen.“

Daher ein Appell der Paddler an Kinder und Jugendliche: „Klettert nicht über die Absperrung. Die Flüsse haben derzeit Hochwasser und wer im Bereich der Rampe ins Wasser fällt, riskiert sein Leben!“

Drittes Kajakfestival Tirol im Stubaital

Festival: Geboten werden vom 25. bis 28. Mai actionreiche Events, Workshops, Vorträge und ein breit angelegtes Programm für alle Besucher. Festivalgelände ist die Wiese zwischen Camping „Stubai“ und dem Parkplatz der 11er-Bahnen in Neustift. Als Highlight wird heuer die erste Auflage der „Stubai Rafting Challenge“ über die Bühne gehen. Programmdetails auf stubaiwasser.at/kajakfestival-tirol/

Kanupolo: Der Kanupolo-Verein Turtles Innsbruck veranstaltet am 25. Mai von 10 bis 17 Uhr am Natterer See ein Kanupoloturnier, eine Mischung aus Kajakfahren und Handball.

Einsteigerkurs: für alle Inter­essierten am 25. Mai ab 14 Uhr am Kampler Badesee

Befahren verboten und wie jetzt bei Hochwasser gefährlich: Die Kajakrampe, die Stelle, an der die Sill in den Inn fließt. "Wer hier hineinfällt, riskiert sein Leben", sagt Bernhard Steidl.
Befahren verboten und wie jetzt bei Hochwasser gefährlich: Die Kajakrampe, die Stelle, an der die Sill in den Inn fließt. "Wer hier hineinfällt, riskiert sein Leben", sagt Bernhard Steidl.
- Thomas Böhm