Letztes Update am Mi, 07.06.2017 08:53

TT / Tiroler Tageszeitung Onlineausgabe


Tirol

Wenn Buddha nicht nur schön aussieht

Im heiligen Land Tirol führen viele Wege zur Spiritualität. Diese sind nicht immer mit Kreuzen gepflastert, sondern auch mit Buddhastatuen und bunten Gebetsfahnen. Der Buddhismus erfährt hierzulande viel Zuspruch. Einige Tempel gibt es bereits. Die Mitglieder werden immer mehr.

© Thomas Böhm / TT



Buddha auf der Wand, im Wellnessbereich oder auf dem Fenstersims. Bunte Fahnen auf Hütten, Dächern und in Gärten. Der Buddhismus ist in Tirol gegenwärtig.

„Im privaten Bereich wie in Geschäften und Hotels stehen viele Buddhafiguren, die in einem friedlichen Nebeneinander mit den Kruzifixen Tirol bereichern“, meint Hugo Klingler. Der Milser ist Repräsentant der Österreichischen Buddhistischen Religionsgesellschaft (ÖBR) und ein Tiroler Buddhist der ersten Stunde. „Ich habe 1976 begonnen, mich dafür zu interessieren und versucht, in Innsbruck ein Buddhabild aufzutreiben. Das war damals nicht möglich.“

Im Heimatland Indien und im asiatischen Raum seit 2500 Jahren betrieben, ist der Buddhismus im Westen ein junges Phänomen. 1983 wird der Buddhismus in Österreich als Religion anerkannt. Die Alpenrepublik ist damit das erste Land Europas.

Im Jänner 1986 organisiert sich dann in Innsbruck die erste Gruppe. Die Meditationen finden zunächst in privaten Wohnungen statt. In den 1990er-Jahren etabliert sich die Religion allmählich im Westen. Seitdem wächst die Mitgliederzahl. „An Mission sind wir aber nicht interessiert. Der Buddhismus soll vielmehr ein Beitrag zur Psychohygiene und Spiritualität der Bevölkerung sein“, betont Klingler. Viele Interessierte würden den Buddhismus praktizieren, ohne aus ihrer Religion ausgetreten zu sein.

Mittlerweile gibt es hier einige Zentren mit verschiedenen Traditionen. Klingler zählt zehn größere Gruppen und einige kleinere. Insgesamt geht er von 2500 Buddhisten in Tirol aus. Die größte Anzahl machen Ethno-Buddhisten aus, das sind zugezogene Asiaten. Etwa 1000 Tiroler dürften Buddhisten sein. „Buddhismus ist im Westen eine sehr individuelle Angelegenheit. Es gibt viele Buddhisten, die nicht organisiert sind. Ich schätze, in Tirol sind das noch einmal circa 300 Menschen“, sagt Klingler. Der Glaube zeigt vielen den Weg, auch den achtfachen buddhistischen.

Die Buddhisten lesen und meditieren gemeinsam.
Die Buddhisten lesen und meditieren gemeinsam.
- Julia Hammerle

Glaube von Bergland zu Bergland

Grinzens ist umringt von Bergen, Tibet von noch höheren. Was die beiden auch verbindet, ist der Buddhismus. Denn im Tiroler Dorf hat sich seit über 20 Jahren das Deleg Rabten Zentrum niedergelassen. Am ehemaligen Gasthaus „Jägerklause“ hängen nun buddhis­tische Fahnen.

Hinter dem typischen Tiroler Haus versteckt sich ein prächtiger tibetischer Tempel mit einem imposanten Altar, Buddhastatuen und Bildern von hohen Lehrmeistern. Schriftrollen dürfen auch nicht fehlen. Hannes Spiss begrüßt im Mönchsgewand die Besucher. „Wir feiern in diesem Monat Vesakh-Fest, das ist ein Gedenken an Geburt, Erleuchtung und Tod des Buddha“, erklärt er. Der 50-jährige Tiroler hat sich vor acht Jahren für ein Leben im tibetischen Kloster am Mont Pèlerin bei Genf entschieden. Seit 30 Jahren beschäftigt er sich mit dem Buddhismus. Seine Brüder Ewald und Martin sind ebenfalls Buddhisten und kümmern sich viel um den tibetischen Tempel in Grinzens.

Nachdem dieser zunächst gemeinsam gereinigt wurde und Opfergaben gebracht wurden, nehmen die Mitglieder auf dem Boden vor einem kleinen Holztisch Platz. Jeden Mittwochabend folgt eine Art Lesung auf Deutsch, in der die buddhistische Praxis erklärt wird. Dann wird in tiefen Klängen meditiert. Das Tibetische ist für ungeübte Tiroler Ohren unverständlich, dafür umso melodischer. Der Blick schweift kurz über die umliegenden grünen Wiesen und Heustadl, ehe eine Glocke ertönt und das Gebet von Neuem beginnt.

Peter Pfötscher leitet den Zen-Tempel.
Peter Pfötscher leitet den Zen-Tempel.
- Rudy De Moor / TT

Sitzen, um zum Ursprung zu kommen

Die Kellertreppe einer alten Innsbrucker Villa in der Müllerstraße führt nach Japan bzw. China. Dort im Zen-Tempel, dem Kannon-Do, üben sich Buddhisten um den Innsbrucker Goldschmied und Lehrmeister Peter Pfötscher in Ruhe und Stille. Laut wurde es kürzlich bei Führungen, die aufgrund des Erfolges dreimal stattfanden.

„Ich spüre ein Interesse am Buddhismus. Er ist keine Glaubensreligion, sondern ein Praxisweg, um für sich die Fragen des Lebens zu klären“, sagt Pfötscher, der sich zum Lehrmeister ausbilden ließ und nun im traditionellen Gewand und Schneidersitz vor einem sitzt.

Das „Sitzen“ ist die wichtigste Praxis im Zen-Buddhismus. Dabei sitzen die Mitglieder auf Kissen, den Blick Richtung Wand gerichtet. Loslassen, aufhören etwas zu manipulieren, um tief in sich zu ruhen und so eine tiefe Freude am Dasein zu spüren – das sei die Quintessenz. „Es geht um eine offene Weite, ein Da-Sein und ein Gegenwärtig-Sein“, ergänzt Pfötscher. So fände man selbst die Antwort auf seine Fragen und gelange zu seinem spirituellen Ursprung. „Wir versuchen herauszufinden, wo der Bartl den Most herholt“, spricht Pfötscher in Tiroler Redensart.

Den Zen-Tempel gibt es in Innsbruck seit 1986 in unterschiedlichen Räumlichkeiten. Damals löste Pfötscher mit seinem Glauben noch „Schockmomente“ aus. Heute ist dies kein Thema mehr. Mit dem im Land vorherrschenden Katholizismus gäbe es sogar Parallelen.

„Die Benediktiner-Mönche leben ähnlich wie Zen-Buddhisten. Und in vielen Klöstern ist die Hinwendung zur Stille gerade sehr beliebt, das wurde stark vom Zen beeinflusst“, meint Pfötscher. Montag- und Donnerstagabend sowie Samstagfrüh setzt die Stille im minimalst dekorierten Kellergewölbe ein. Denn auch die Ruhe will geübt sein.

Zwei Mönche segnen die Mitglieder.
Zwei Mönche segnen die Mitglieder.
- Thomas Böhm / TT

Tempel im ehemaligen Drogerie-Geschäft

Lockte die Kundler Bahnhofstraße früher Kunden, sind es nun gläubige Buddhisten. Dort ist in einem alten Geschäftslokal nämlich seit einem Jahr der Wat Thaisamakkeewararam, der Tempel der thailändischen Gemeinde Tirols, untergebracht. Ein zweiter, kleinerer Tempel findet sich noch in Rum.

In Kundl werden die 210 Mitglieder, überwiegend sind es Frauen aus Thailand, die in Tirol, Bayern und Salzburg leben und arbeiten, von zwei thailändischen Mönchen betreut und gesegnet. „Wir sind religiöse Botschafter. Das große gemeinsame Ziel ist es, Gutes zu tun“, lässt Phra Chanin Rache-Art über Übersetzerin Sudawadee Lamp­rechter ausrichten.

Neben der Schriften-Lehre und Unterweisung der Gläubigen steht bei den traditionell in Orange gekleideten Mönchen auch Deutsch-Unterricht auf dem Programm. Einige Tiroler Worte sind schon geläufig, die eigene buddhistische Glaubenslehre erklärt sich jedoch leichter in Thai.

Am Samstag und Sonntag sei im Tempel am meisten los. Vor der großen goldenen Buddhastatue versammeln sich dann die Gläubigen. Manche zünden Räucherstäbchen an, dabei sind es jeweils drei, die für Wissen, Toleranz und Reinheit stehen. Kerzen bringen zudem „Licht ins Leben“ und Blumen symbolisieren die Vielfalt und den Zusammenhalt der Gemeinschaft.

Der Tempel, wie die meisten anderen in Tirol, finanziert sich ausschließlich durch Spenden der Mitglieder, erklärt Vereinsobmann Michael Graupner, der durch seine thailändische Frau zum Buddhismus gekommen ist. Im Tempel finden sich viele Spendenboxen und Gelegenheiten, um Geld-, Essens- oder Sachspenden zu deponieren. „Wir Mönche lernen und lehren den Buddhismus und geben ihn weiter. Das ist quasi unsere Arbeit. Dafür dürfen wir aber nichts verlangen“, erklärt Rache-Art die Gedanken dahinter.

Die Gläubigen unterstützen die Mönche und den Tempel. Sie sollen geben, ohne etwas zu verlangen. Das sei auch Teil der buddhistischen Lehre und diese gelte in Tirol wie in Thailand. Wird es hierzulande allerdings kälter, dann dürfen die Mönche ausnahmsweise auch Pullover oder Hemden unter ihren orangefarbenen Gewändern tragen. (Deborah Darnhofer)