Letztes Update am Fr, 09.06.2017 13:28

TT / Tiroler Tageszeitung Onlineausgabe


Freizeit

Mit entspanntem Schritt durch den Alltag

Gehen ist gesund und braucht keinen Extra-Eintrag im Terminkalender. Warum der Blick dabei geradeaus gerichtet sein soll und nicht aufs Handy, erklärt ein Sportlehrer.

Aus Sammlern und Jägern, die einst 20 Kilometer am Tag zurücklegten, werden langsam Sitzer. Trotzdem bleibt Gehen eine der wichtigsten Bewegungen.

© iStockAus Sammlern und Jägern, die einst 20 Kilometer am Tag zurücklegten, werden langsam Sitzer. Trotzdem bleibt Gehen eine der wichtigsten Bewegungen.



Was sagt der Gang über einen Menschen aus? Viel. Zum Beispiel, dass er angespannt ist. Wenn der Erdinger Sportlehrer und Buchautor Markus Roßmann seinen Blick auf Fußgängerwege richtet, sieht er, „dass 95 Prozent der Leute falsch gehen“. Viele gehen gebückt, bei anderen zieht der Kopf schwer Richtung Boden, manche Menschen spannen aber auch in Gedanken versunken die Schultern an und andere Muskeln, die sie beim Gehen gar nicht brauchen würden. Ältere Menschen verschränken oft die Arme hinten am Rücken, andere beladen sich mit Taschen und verhindern dadurch das Pendeln der Arme.

„Gehen ist eine der wichtigsten Bewegungen“, erklärt Roßmann, der gerade das Buch „Fit mit jedem Schritt“ (Südwest Verlag) veröffentlicht hat. Durch die kontralaterale (gegengleiche) Ausrichtung des Gehens – linker Arm vor, linkes Bein hinten – wird der ganze Körper durchbewegt. Auch hilft diese natürliche Form der menschlichen Fortbewegung, Rückenschmerzen, aber auch Herz-Kreislauf-Erkrankungen vorzubeugen.

Roßmann richtet sein Konzept „Richtig gehen“ auf eine Lockerung des Bewegungsapparates aus. Sieben Punkte sind beim bewussten Gehen, das sich leicht in den Alltag einbauen lässt, wichtig.

1. Konzentration auf den Moment. Wenn jemand nach der Arbeit zehn Minuten zum Bus hat, kann er versuchen, sich nur auf das eigene Gehen zu konzentrieren und sich dabei beobachten. So manch ein quälender Gedanke rückt dabei in den Hintergrund.

2. Locker bleiben. Der Stress des Alltags hängt nach. Viele Menschen spannen dann unbewusst noch im Gehen die Gesäß-, Bauch- und Schultermuskulatur an. Damit wird aber der Bewegungsfluss ausgebremst. Um den Unterschied zu spüren, rät Roßmann, diese Muskeln zuerst bewusst anzuspannen und dann wieder loszulassen.

3. Arme pendeln lassen. Am Schreibtisch sind die Arme meist abgewinkelt. Sie beim Gehen mit der Schwer- und Fliehkraft pendeln zu lassen, entspannt. Gleichzeitig sollte man versuchen, gerade und aufrecht zu gehen.

4. Den Blick in die Ferne richten. Wer nicht ständig zu Boden blickt, entlastet die Halswirbelsäule. Außerdem sorgt ein gewisser Weitblick auf der Straße für ein selbstbewusstes Erscheinungsbild.

5. Psoas Walk. „Der Muskel, der Beine und Wirbelsäule verbindet, verkümmert beim Sitzen“, erläutert Roßmann. Wer für einen gesunden Dehnreiz sorgen will, kann sich etwas von den Models am Laufsteg abschauen. Sie führen die Bewegung der Hüfte sehr bewusst aus.

6. Kiefergelenk lösen. Ein angespanntes Kiefergelenk lässt uns nicht nur grimmig aussehen, „es blockiert auch unsere Halswirbelsäule“, erklärt der Trainer und empfiehlt als Test folgende Übung: „Zuerst geht man mit zusammengebissenen Zähnen, anschließend lässt man das Kiefer locker und öffnet den Mund leicht. Man merkt sofort die Entspannung.“

Mit Punkt 7 schließt sich der Kreis: Die Momente des Gehens genießen, lautet die schwierigste wie schönste Übung.

Entwarnung gibt der Trainer bei Handtaschen und Stöckelschuhen. Die Handtasche kann ins entspann­te Gehen leicht eingebaut werden und mitschwingen. Auch mit Stöckelschuhen sind einige der Prinzipien umsetzbar. Aber was ist mit dem Handy, auf das so viele Menschen auch beim Gehen mit gesenktem Kopf blicken? Hier meint Roßmann: „Auf den Alltagswegen kann man vermeiden, am Handy herumzuspielen.“

Für weiterführende Übungen eignet sich die gute alte Forstmeile. Der Trainer: „An einer Klimmstange kann man sich einfach einmal hängen lassen.“ An einer der Station ist sicher Platz zum Hin- und Herspringen oder, um tief in den Hocksitz zu gehen. Wichtig dabei ist es aber, im schmerzfreien Bereich zu bleiben. (Sabine Strobl)