Letztes Update am Mo, 12.06.2017 14:12

TT / Tiroler Tageszeitung Onlineausgabe


Kaiserin Elisabeth

Sisi in Innsbruck: Die schöne Kaiserin und die Liebe der Tiroler

Innsbruck ist ein Nebenschauplatz der Sisi-Forschung. Trotzdem wurde die Autorin Jeannine Meighörner bei den Recherchen zu ihrem historischen Roman über die Ikone und Kaiserin mehr als fündig. Das erste Mal kam Sisi als elfjähriger Wildfang und Hochzeitsköder in die Stadt.

Das Foto, das in der Innsbrucker Hofburg zu sehen ist, zeigt Kaiserin Sisi mit Wolfshund Shadow.

© Julia HammerleDas Foto, das in der Innsbrucker Hofburg zu sehen ist, zeigt Kaiserin Sisi mit Wolfshund Shadow.



„Sisi in Wien, Sisi in Korfu, Sisi in Ischgl, aber Sisi in Innsbruck? Darüber ist kaum etwas bekannt“, sagt Jeannine Meighörner, die sich in ihren historischen Romanen auch mit starken Frauen beschäftigt. So hat auch schon Philippine Welser und ihr Leben auf Schloss Ambras Einzug in ein Buch gefunden. Dieses Mal führten Meighörner die Recherchen in die Innsbrucker Hofburg und mit Sisi zu einer Frau, über die schon alles gesagt wurde. Fast, jedenfalls.

 Buchautorin Jeannine Meighörner trägt beim Rundgang ein T-Shirt, das die Ikone zeigt.
Buchautorin Jeannine Meighörner trägt beim Rundgang ein T-Shirt, das die Ikone zeigt.
- Julia Hammerle

Sisis Ehemann, der volksverbundene Kaiser Franz Joseph, weilte 30-mal in Tirol. Sie selbst kam dreimal nach Innsbruck und ein viertes Mal als Tote bei der Überstellung nach Wien. Wie Meighörner feststellt, „sagt das schon einiges über Sisi aus. Ihr wurde ja generell vorgeworfen, dass sie ihren Ehemann nie begleitet hat. Als Kaiserin hätte sie gewisse Repräsentationspflichten wahrnehmen müssen.“

1848 ist für Österreich ein spannendes Jahr. Im Revolutionssommer, wo sich Franz Joseph auf die Thronübernahme vorbereitet, reist die elfjährige Sisi aus Bayern, „die reitet und auf Bäume klettert“, mit ihrer Mutter Ludovika und ihrer älteren Schwester Helene nach Innsbruck. „Sie kommen als Hochzeitsköder“, stellt die Historikerin salopp fest. Sisi und Franz Joseph sehen sich nur kurz.

Zum Privatbereich des Sisi-Appartments in der Innsbrucker Hofburg zählen auch ein Schönheitssalon und ein Schlafzimmer, aus dem sie das Ehebett entfernen ließ. Wichtig war ihr ein eigenes Schreibzimmer, heute ein Zeichen ihrer Emanzipation.
Zum Privatbereich des Sisi-Appartments in der Innsbrucker Hofburg zählen auch ein Schönheitssalon und ein Schlafzimmer, aus dem sie das Ehebett entfernen ließ. Wichtig war ihr ein eigenes Schreibzimmer, heute ein Zeichen ihrer Emanzipation.
- Julia Hammerle

Doch im Hintergrund spinnen Franz Josephs Mutter Sophie und deren Schwester Ludovika die Fäden. Zuerst schwärmt Franz Karl, der Bruder des künftigen Kaisers, für den Wildfang. Meighörner: „Jedenfalls muss sich die Mutter rasch um eine höfische Erziehung kümmern. Sisi spricht auch nicht Französisch, sondern Englisch, das sie ein Leben lang mit ihren Schwestern sprechen wird. Hier zeigt sich übrigens eine Sisi, die mir gefällt. Sie hat einen schrägen Humor und reißt gerne Witze auf Englisch.“

Viele Jahre später, 1870, steht wieder ein Besuch von Sisi in Innsbruck an. Sie ist seit 16 Jahren Kaiserin, Mutter von vier Kindern und hat vor, mit der nagelneuen Brenner-Bahn nach Meran zu reisen. „Sisi gilt damals als die schönste Frau der Welt“, beschreibt Meighörner die Stilikone mit komplizierter Frisur, die trainierte Reiterin und Hundeliebhaberin, die sogar aus Innsbruck einen Hund mitnehmen wird. „Die Innsbrucker flippen aus, die Tiroler sind tagelang auf den Beinen“, erzählt Meighörner von unzähligen Berichten, die der Bote von Tirol und Vorarlberg druckt. Ein Glückstreffer für die Autorin ist Alois Oberrauch, der im Roman eine tragende Rolle erhält. Der einstige nach Innsbruck verbannte Revolutionär ist im Verschönerungsverein tätig und „verwandelt die Stadt in einen Festsaal“. Doch die Kaiserin brüskiert die Tiroler.

Jeannine Meighörners historischer Roman "Das fliehende Herz" ist im Innsbrucker Haymonverlag erschienen. Das am Cover abgebildete Gemälde stammt von Franz Xaver Winterhalter und hing im Privatkabinett von Kaiser Franz Joseph.
Jeannine Meighörners historischer Roman "Das fliehende Herz" ist im Innsbrucker Haymonverlag erschienen. Das am Cover abgebildete Gemälde stammt von Franz Xaver Winterhalter und hing im Privatkabinett von Kaiser Franz Joseph.
- Julia Hammerle

Sie ignoriert Programm wie Bergfeuer und zieht sich mit ihren Kindern zurück. 1871, ermahnt von den Wienern, macht sie in Innsbruck wieder eine Visite. Sisi inszeniert sich als „Alpenkaiserin“. Sie geht zu Fuß nach Hötting in die Bildungsanstalt für arme Mädchen. Beim Empfang am Abend macht sie aber wieder alle Erwartungen zunichte. Sie erscheint im schulterfreien weißen Ballkleid mit zu Boden reichendem Haar. Eine Sensation im konservativen Innsbruck.

1898, nach Sisis Ermordung in Genf, spielt sich eine letzte Tragikomödie in Innsbruck ab. Die Tiroler halten den Leichenzug einfach an und bezeugen mit Blumen, Musik und Gedichten, die sie Sisi nie vortragen durften, doch noch ihre Verehrung. Über diese freiheitssuchende, fortschrittliche Frau, die rauchte und Diät hielt, die sich als Marke erschuf, doch ihre Aufgaben als Kaiserin und Mutter vernachlässigte und sich nicht für Frauenrechte einsetzte, gibt es immer etwas zu erzählen. Vor allem mit der Freiheit einer Romanautorin.