Printausgabe der Tiroler Tageszeitung vom Fr, 30.06.2017


Interview

Treffen der Generationen: Peter Habeler und David Lama

43 Jahre nach seiner Rekord-Durchsteigung kehrt Peter Habeler an die Eiger-Nordwand zurück, diesmal in einer Seilschaft mit David Lama. Ein Filmteam hat die Tiroler Alpinisten begleitet.

Zusammen sind sie 100 Jahre alt. Der 26-jährige David Lama und der 74-jährige Peter Habeler bezwangen Ende März die berühmte Heckmair-Route an der Eiger-Nordwand.

© Timeline od VoitlZusammen sind sie 100 Jahre alt. Der 26-jährige David Lama und der 74-jährige Peter Habeler bezwangen Ende März die berühmte Heckmair-Route an der Eiger-Nordwand.



Peter Habeler, 1974 durchstiegen Sie mit Reinhold Messner die Heckmair-Route mit der damaligen Rekordzeit von zehn Stunden. Dieses Mal war David Lama Ihr Partner, was war der größte Unterschied?

Habeler: Die Verhältnisse heuer waren viel schwieriger, es gab Schnee und Eis. Damals hatten wir einen schönen, trockenen Fels. Mit Reinhold, das war richtig ein Wettlauf. Heuer mit David stand das natürlich nicht im Vordergrund. Mir hat die Sicherheit imponiert, die er ausstrahlt, und das reflektierte auch auf mich. Er hat eine prächtige, ruhige und angenehme Art.

Als David Lama neun Jahre alt war, nahmen Sie ihn mit auf den Großglockner. Haben Sie am Eiger die Rollen getauscht, hat er Sie geführt?

Habeler: So war es, damals hab' ich ihn geführt, jetzt er mich. Ich bin nicht so töricht zu glauben, dass ich mit fast 75 vorneweg klettern muss. Lieber geht er voraus, bevor ich eine Brezn baue.

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Sie sind der älteste Mensch, der diese anspruchsvolle Route bisher gemeistert hat. Wieder ein Rekord, ist Ihnen das wichtig?

David Lama und Peter Habeler.
David Lama und Peter Habeler.
- Timeline od Voitl

Habeler: Der Rekord ist mir völlig gleichgültig. Was mir viel mehr behagt, ist die Tatsache, dass ältere Menschen dadurch sehen können, dass es in dem Alter lange nicht aus sein und man nicht auf der Couch bleiben muss, sondern immer noch auf ein Joch oder in die Wand kann. Lasst euch im Alter diese jugendliche Frechheit nicht nehmen, das will ich in meinen Vorträgen weitergeben.

Zwischen David Lama und Ihnen liegen fast 50 Jahre Altersunterschied, hatte Ihre Generation es im Alpinismus einfacher, Neues zu entdecken?

Habeler: Ja schon, bei uns gab es noch viel mehr weiße Flecken auf der alpinen Landkarte. Heute gehen manche Leute schon unglaubliche Risiken ein; ich hoffe, der David ist da gescheiter. Für mich persönlich habe ich gelernt, nicht mehr die ganz extremen Sachen machen zu müssen. Man sollte auch den Mut haben, leichtere Touren zu gehen.

David Lama, Sie haben früher schon Touren mit Ihrem Entdecker Peter Habeler unternommen, aber zum ersten Mal lag die größere Verantwortung bei Ihnen. Wie gingen Sie damit um?

An der Eiger-Nordwand.
An der Eiger-Nordwand.
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Lama: Zuerst habe einmal ich mich geehrt gefühlt, dass er mich gefragt hat, ob ich ihn begleiten will. Die Eiger-Nordwand war sicher das Anspruchsvollste, das wir gemeinsam durchgezogen haben. Beim Bergsteigen ist es so, dass auch wenn der, der hinterherklettert, fliegt, es ungut werden kann. Peter hat seinen Teil übernommen, wir haben als Team funktioniert und in jeder Situation die richtige Lösung parat gehabt.

Wie hat Peter Habeler Ihre Karriere beeinflusst?

TV-Tipp

„Peter Habeler — ... ich will die Welt von oben sehen" in der Reihe Bergwelten, Montag, 3. Juli um 20.15 Uhr auf ServusTV.

Lama: Er ist generell jemand, der andere begeistert, der Lebensfreude ausstrahlt, wie es wenige tun. Vielleicht ist es auch so, dass es mich von der Halle wieder zum Bergsteigen hingezogen hat, weil ich mit ihm dort meine ersten Erfahrungen gesammelt habe.

Sie beide stammen aus verschiedenen Generationen, wären Sie gerne zu seiner Zeit, in der viele Routen und Berge noch nicht bestiegen waren, aktiv gewesen?

Lama: Man kann immer noch viel entdecken. Die Aufgaben, die wir uns heute stellen, sind vielleicht komplexer und für die breite Öffentlichkeit nicht so verständlich. Bei Peter und Reinhold (Messner, Anm.) verstand jeder, dass die als Erste wo rauf sind, während wir erklären müssen, was es beispielsweise bedeutet, eine neue Linie frei zu klettern.

Welche Bedeutung hat diese gemeinsame Tour für Sie?

Lama: Gerade zu meiner Hochphase beim Wettkampfklettern haben wir uns seltener gesehen. Der Großglockner ist ja schon etwas her. Von dem her ist es schön, dass wir mit der Eiger-Tour wieder eine enge Verbindung geknüpft haben, die uns noch einmal zusammenschweißt.

Die Gespräche führte M. Christler

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