Letztes Update am So, 02.07.2017 04:35

TT / Tiroler Tageszeitung Onlineausgabe


Graffitis

Anpassungsfähig: Graffiti-Sprayer in Tirol

Graffitis sind anpassungsfähig – wie Tier und Mensch.

© Thomas Boehm / TTDie letzte Galerie vor den Talstationen der Stubaier Gletscherbahnen.



Der Fuchs fühlt sich wohl, egal wohin es ihn treibt, ob an den Rand der Stadt oder hinauf zum Gletscher. In dieser Eigenschaft ist er dem Tiroler nicht unähnlich, weil der sich genauso von Talkesseln bis in die Berge ausbreitet. Der Fuchs hat es gut, er wandert querfeldein, der Mensch braucht Straßen und Tunnel, graue Straßen und fade Tunnel.

Muss das sein? Nein, dachte sich dieser Graffiti-Sprayer, der wie viele seiner Berufskollegen anonym bleiben und nur seinen Künstlernamen „Sketch“ verraten will. In der letzten Lawinengalerie vor dem Parkplatz der Stubaier Gletscherbahnen vollendet er soeben sein Werk. „Graffiti sind eher ein urbanes Thema, aber ich wollte es schon immer hinauf in die Berge holen“, erzählt der gebürtige Stubaier von seiner Idee, mit der er die Betreiber der Gletscherbahnen begeistern konnte. Und anscheinend auch Ziegen, die im Hintergrund vorbeischauen. „Das hat was Surreales“, freut er sich über die ersten Bewunderer von Fuchs und Bergpanorama.

Wenn im Winter die Autofahrer vorbeikommen oder im Stau davor stehen bleiben, „sollen sie ihre eigenen Schlüsse aus den Motiven ziehen“. Graffitis sind anpassungsfähig – wie Tier und Mensch. Sie passen sich an den an, der sie betrachtet. Der eine erkennt einen angriffslustigen Fuchs, der andere ein böse dreinschauendes Reh. (Matthias Christler)