Letztes Update am Mi, 13.09.2017 16:08

TT / Tiroler Tageszeitung Onlineausgabe


Freizeit

Life-Hack-Videos: Weil es immer noch ein bisschen besser geht

Aludosenverschlüsse im Kleiderschrank, Plastikbecher als Handyständer: Life-Hack-Videos zeigen uns, wie wir uns das Leben noch praktischer basteln können. Das ist zwar urmenschlich, muss aber auch seine Grenzen haben.

© Julia HammerleEin Trick aus dem Hit-Clip "Get clever with your clutter and these 7 organization hacks!": Aludosenverschlüsse aufheben, um Kleiderbügel aneinanderzuhängen. Schafft Ordnung, spart Platz und begeistert die Welt.



Aus einem Luftballon eine Schutzhülle fürs Smartphone zu machen wäre früher eine Angelegenheit für MacGyver gewesen. Heute macht das der 33-jährige Andreas Unterberger aus Kirchdorf. Der Tiroler betreut den Blog www.kreativeseite.com und zeigt dort, was Life Hacks sind.

Damit sind Tricks gemeint, mit denen wir alltägliche Probleme knacken können (auf Engl.: to hack). Da wird aus einem Plastikbecher ein Ständer fürs rutschige Handy gebaut und simple Wäschekluppen bündeln den ewigen, leidigen Kabelsalat. Meistens wird mit Dingen gebastelt, die wir sowieso zu Hause haben. Oft ist zusätzlich eine Heißklebepistole im Einsatz.

Besser geht immer

Mit seiner Begeisterung für Life Hacks ist Unterberger bei Weitem nicht allein. Tatsächlich ist das beliebteste Video, das seit der Gründung von Facebook auf dem Social-Media-Portal geteilt wurde, aus diesem Genre. Fast 340 Millionen Mal wurde der Clip von User „Blossom“ aufgerufen, in dem gezeigt wird, wie man im eigenen Kleiderschrank besser Ordnung hält.

Was weltweit funktioniert, ist auch in Österreich präsent. Laut einer GFK-Studie, die im Jahr 2016 für den Mobilfunkanbieter A1 erhoben wurde, nutzen bereits 82 Prozent aller 1100 Befragten Life Hacks oder Do-it-yourself-Videos (DIY). Zwei Drittel der User haben ihr Wissen aus der Theorie sogar bereits in die Praxis umgesetzt.

Ob der erfolgreiche Kleiderschrank-Clip von „Blossom“ auch so viele Nachahmer fand, wissen wir nicht. Es ist jedoch anzunehmen, dass nicht alle 340 Millionen Zuseher nun auch einen Tip-Top-Kleiderschrank zu Hause haben.

Aber was treibt den Menschen überhaupt an, seinen Alltag immer weiter zu verbessen, um nicht zu sagen, „zu hacken“? Für den deutschen Lehrer und Fachbuchautor Rainer Hattenhauer („Digital Life Hacks“, Vierfarben Verlag) ist es etwas Urmenschliches: „Ich sehe das als die natürliche Fortsetzung der Evolution, die dem Menschen nun einmal inne ist.“ Es ginge immer um das Konzept der Verbesserung.

Dass das zu einem gewissen Maß zu Frustration führen kann, weiß Steve Ayan. Der Psychologe und Wissenschaftsredakteur hat sich in seinem Buch „Lockerlassen“ (Klett Cotta) mit dem Phänomen der ewigen Selbstverbesserung auseinandergesetzt: „In unserer Gesellschaft hat das Effizienzstreben einen großen Stellenwert. Jeder geht davon aus, dass er richtig funktionieren muss.“ Insofern könne die Frustration natürlich nicht ausbleiben, denn nach dem erreichten Ziel stehe immer schon wieder ein neues. „Wenn man nicht in der Lage ist, das mit einer gewissen Lockerheit zu sehen, dann ist der Preis zu hoch.“

Basteln aus Spaß

Für den Tiroler Life Hacker Andreas Unterberger scheint das kein Problem zu sein. Er bastle nun mal gerne, sagt er. Und: „Man fängt an, die Dinge immer genauer anzuschauen und sich zu fragen, was man daraus noch machen kann. Wenn es einem dann gelingt, mit so einfachen Sachen eine praktische und günstige Lösung zu finden, dann ist das einfach cool.“ (Andrea Wieser)