Printausgabe der Tiroler Tageszeitung vom Fr, 20.10.2017


Tourentipp

Eisacktaler Keschtnweg: So stachelig ist‘s nur im Herbst

Eigentlich ist der Eisacktaler Keschtnweg 61 Kilometer lang. Doch selbst auf einer Kurzetappe erlebt der Wanderer die Vorzüge dieser sonnenverwöhnten Strecke.

© Kathrin SillerNach der Tour: Törggelen beim „Radoar“ in Feldthurns.Foto: Siller



Von Kathrin Silller

Feldthurns, Klausen – Heute schlagen wir uns wortwörtlich auf die Sonnenseite des Lebens. Wir haben uns den Eisacktaler Keschtnweg vorgenommen. Wer den gesamten Kastanienweg abwandert, hat am Ende 61 Kilometer in den Wadeln (in vier Etappen zu schaffen), bewegt sich meistens auf einer Seehöhe von 800 Metern und bewältigt insgesamt 2000 Höhenmeter. Die Tour startet in Neustift bei Brixen und endet beim Schloss Runkelstein in Bozen. Gepäckservice gibt es keinen, Übernachtungs- und Einkehrmöglichkeiten unterwegs aber zuhauf. Für uns steht die abgespeckte Version auf dem Programm: ein kinderfreundliches Teilstück, laut Bettina Tschaffert vom Tourismusverband Eisacktal aber eines der schönsten.

So kommt man hin: Unsere Kurzetappe startet im Dörfchen Feldthurns (880 Meter). Die Autobahn-Ausfahrt „Klausen/Gröden“ nehmen, dann über die zahlreichen Kehren auf der rechten Eisacktalseite hinauf nach Feldthurns. Zahlreiche kostenlose Parkplätze gibt es beim öffentlichen Parkplatz „Keschtnweg“ am Dorfeingang rechts von der Hauptstraße. Links befindet sich das Schwimmbad.

Auf der Schwimmbadseite spazieren wir leicht bergauf. Nach fünf Minuten ist das Schild „Keschtnweg“ erreicht, dem wir folgen. Einen Moment später wird uns klar, warum Feldthurns zum Kastaniendorf ernannt wurde. Unter den Wanderschuhen knirschen die Kastanienigel, einer fällt uns fast auf den Kopf. Eine Gaudi für die Kinder, die vorsichtig nach den stacheligen Dingern greifen und testen, ob sich darin ein Früchtchen versteckt. Rechts von uns strecken Apfelbäume ihre Äste in die Sonne. Nach einigen Minuten erreichen wir den „Radoar“-Bauer, bei dem wir etwa drei Stunden später unsere Tour ausklingen lassen werden – aber dazu später. Vom „Radoar“ geht’s rechts auf einem Feldweg kurz steil nach oben, dann auf einem quasi ebenen Panoramaweg in Richtung Süden. Aus der Ferne grüßen die markanten Geislerspitzen, neben uns ist ein Bauer gerade damit beschäftigt, einen Zaun aufzustellen: „Im Sommer zäunen wir die Kühe ein, im Herbst die Menschen aus“, lacht er und deutet auf einige Spaziergänger, die am Boden liegende Edelkastanien, die wohl von seinen privaten Kastanienbäumen stammen, in Säcke stopfen.

Gemütlich geht es durch Kastanienhaine, Wiesen und lichte Wäldchen bis links von uns der „Weinbrenner“-Hof auftaucht, wo es Kartoffeln zu kaufen gibt. Ein buckeliges Mütterchen mit blauer Schürze grüßt freundlich, der alte Hofhund trollt sich indes in den Acker. Bis zum „Moar zu Viersch“-Hof wandert man nur mehr bergab. Wer nach Fotomotiven sucht, wird bei der wunderschönen Kapelle des alten Ansitzes fündig. Wer Lust auf Pause hat, sollte in diesem schönen Hof einkehren.

Wir gehen weiter nach Pardell (775 Meter). Laut Karte braucht man von Feldthurns bis zu dem kleinen Weiler bloß eine Stunde, wir sind dank Kastaniensuchen, Eidechsen-zwischen-Steinmauern-Beobachten und Durch-trockene-Blätter-Rascheln allerdings schon eine halbe Stunde länger auf dem Weg.

Vom Kastanienweg geht der Blick hinunter ins Eisacktal. In der Ferne strecken sich die mächtigen Geislerspitzen in den Himmel. Foto: Siller
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Jetzt geht es über die Kurven der Asphaltstraße am „Hienghof“ vorbei. Ein Spazierweg führt uns schließlich in Richtung Säben. Hier wird der Weg noch einmal steil, geht kurz durch einen Felsentunnel und endet schließlich im Innenhof der Klosterburg Säben (729 Meter). Majestätisch schaut das Kloster aus dem 17. Jahrhundert auf das Eisacktal und die heute sehr geschäftige Brennerautobahn herunter. Nicht umsonst trägt das Bauwerk auch den Namen „Akropolis Tirols“. Vom Kloster Säben aus würde man in ca. einer Stunde das mittelalterliche Städtchen Klausen, 200 Höhenmeter tiefer, erreichen. Wem der Sinn nach einem Tagesmarsch steht, wandert dann noch weiter nach Villanders oder Barbian (der schiefe Kirchturm macht dem Turm von Pisa Konkurrenz).

Wir hingegen kehren auf dem gleichen Weg zurück zum Ausgangspunkt. Während des ganzen Ausflugs haben wir uns auf die Einkehr beim „Radoar“ gefreut. In dem Gastgarten, den die Sonne auch im Herbst richtig aufwärmt, scharen sich die Genießer. Manch’ ein Wanderer kauft im Vorbeigehen ein Sackerl gebratener Kastanien, eine Jause braucht es bei der Menge an Einkehrmöglichkeiten wirklich nicht. Wir schicken die Kinder auf den Spielplatz und genießen bei Brettljause, Apfelsaft, Wein, Apfelkuchen und Kastanien den geschenkten Sommertag.

Tipps und Infos

Der Kastanienweg (61 km) ist nur teilweise kinderwagentauglich. Er lässt sich beliebig abkürzen und bietet viele Einkehrmöglichkeiten an der Strecke.

In vier Etappen (jeweils ca. 5 h) ist die Strecke zu schaffen: 1. Neustift – Feld- thurns, 2. Feldthurns – Klausen – Barbian, 3. Barbian – Leitach am Ritten, 4. Leitach – Schloss Runkelstein (Bozen).

Im Kompass-Verlag ist der Führer „Keschtnweg“ erschienen (64 S., 9,99 Euro). Infos: www.eisacktal.com.

Bis zum 5.11. („Keschtnigl-Sunntig“) findet in Feldthurns das Kastanienfestival „Keschtnigl“ statt. Viele Betriebe von Vahrn bis auf den Ritten bieten während der Eisacktaler Kastanienwochen (bis 5.11.) Spezialitäten an.


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