Letztes Update am So, 15.10.2017 06:40

TT / Tiroler Tageszeitung Onlineausgabe


Tipps

Hochsaison im herbstlichen Garten

Schlechte Nachrichten für alle Hobby-Gärtner, die dachten, die Arbeit wäre für heuer getan. Der Herbst sollte genutzt werden, um zu schneiden, zu wässern, zu setzen und zu pflegen. Zwei Gartenexperten verraten ihre wichtigsten Tipps.

© APA/dpa(Symbolfoto)



Sie sind wieder da: die Laubbläser-Wochen. Dabei könnte der Herbst im Garten so schön sein – mit seiner sauberen Luft und der klaren Fernsicht. Wären da nicht die emsigen Nachbarn, deren Laubbläser schon um sieben Uhr morgens in Tirols Gärten knattern. Mit bis zu 112 Dezibel. Horror. „Aber notwendig. Also nicht der Laubbläser selbst, sondern die abgefallenen Blätter zusammentragen“, erklärt Gartenexperte Roman Pirchheim.

Kaum ausgesprochen, zückt der Lermooser einen Stapel Ausdrucke, auf denen er unzählige Tricks für die Herbstarbeiten im Garten notiert hat. Schlechte Nachrichten für alle Hobby-Gärtner, die dachten, die Arbeit wäre für heuer getan. Im Gegenteil:

Nährstoffwunder und Gefahr: „Würde Laub am Rasen liegen bleiben, käme es darunter zu Luftmangel. Das kann so weit gehen, dass der Rasen fault oder Schneeschimmel entwickelt. Das ist eine Pilzkrankheit, die im Frühjahr zu braunen, abgestorbenen Flecken im Gras führt“, erklärt Pirchheim in seiner Reuttener Gärtnerei.

Unter Sträuchern oder auf Beeten wiederum sollte man Laub verteilen. Dort ist es ein großartiger Humusbildner, der ein Drittel des Jahresbedarfs an Nährstoffen enthält, die eine Gartenpflanze braucht.

Eine Mischung aus Laub und Stroh ist laut Erwin Seidemann, Chef des gleichnamigen Blumenparks in Völs, optimaler Dünger für Obstbäume: „Die gedeihen am besten, wenn man diese Laubmischung jetzt auf deren Wurzeln verteilt.“

Das gilt allerdings nicht für Blätter der Rosskastanie. Darauf kann die gefürchtete Miniermotte überwintern. Deren Larven fressen Kastanienblätter an, wodurch die sich braun färben, schon im Sommer welken und abfallen. „Befallenes Laub gehört verbrannt“, sagt Pirchheim.

Schutz vor Ungeziefer: Der Herbst eignet sich zudem gut, um mit Leim beschichtete Bänder, so genannte Leimringe, auf Baumstämme zu kleben. So kann man dem Befall von Frostspannern vorbeugen. Dieser Schädling schlüpft sonst nach dem ersten Frost und legt überwinternde Eier in die Rinde. Dessen Raupen umspinnen im Frühjahr die Knospen und fressen sie auf. „Im Februar sollte man die Leimringe wieder entfernen, sonst kleben dort auch Nützlinge fest“, rät Seidemann.

Ein weiterer Schutz gegen Schädlinge ist laut Pirchheim ein Kalkanstrich auf dem Stamm: „Der hilft auch gegen zu starkes Ausfrieren.“

Trimmen im Garten: Eines sollte man bei Bäumen derzeit aber vermeiden. Beschnitten werden sie erst wieder im Frühjahr. Jetzt, in der Ruhezeit, lagern sie nämlich Nährstoffe ein, die ihnen sonst verloren gehen würden.

Wer im Herbst das Verlangen hat, seine Gartenschere einzusetzen, kann sich an Sträuchern austoben. Doch Vorsicht: Ein häufiger Fehler ist, Sträucher wie Pilzköpfe zurechtzutrimmen. „Das ist weder der Form noch der Blüte zuträglich“, weiß Seidemann. Vielmehr empfiehlt er, alle zwei bis drei Jahre altes, dürres Holz aus der Mitte des Strauchs herauszuschneiden. Das fördere die Jungholz- und Blütenbildung. Bei früh blühenden Gehölzen wie Forsythie oder Flieder allerdings können dabei versehentlich Blütenknospen abgeschnitten werden, sodass diese Sträucher erst übernächstes Jahr wieder blühen.

Immergrüne Gehölze: Stehen immergrüne Nadel- und Laubgehölze im Garten, gilt es wieder andere Tricks zu beachten. Seidemann rät, Lorbeerkirschen, Buchse oder Stechpalmen im November kräftig zu wässern: „Übertriebenes Einpacken, etwa mit Vlies, ist noch nicht angebracht. Erst im Jänner macht das Sinn.“ Ohne Schutz bestehe sonst die Gefahr, dass zu viel Wasser über die Blätter verdunstet oder sie bei Frost abfrieren.

Hartgesottene Frühblüher: Von niedrigen Temperaturen unbeeindruckt sind Zwiebelblüher wie Tulpen, Narzissen, Hyazinthen oder Krokusse. „Wer diese Blumen jetzt einpflanzt, kann sich schon im Februar und März über erste Blüten freuen“, schildert Pirchheim. Zwiebelblüher zu düngen, sei nicht notwendig: „Wer jetzt nämlich düngt – egal, bei welcher Gartenpflanze –, regt sie im Herbst noch zum Wachsen an. Im Frühjahr wären die jungen Triebe dann zu schwach, um aufzureißen und sie frieren weg.“

Bei Zwiebelblühern mache es stattdessen Sinn, Hornspäne oder anderen organischen Dünger in die Erde einzuarbeiten. „Die Zwiebel bezieht ihre Nährstoffe bereits im Herbst beim Einwurzeln daraus“, weiß Seidemann. Auch in Trögen könne man Zwiebeln einpflanzen: „Es gehört nur ein gewisser Schutz, etwa Stroh oder Reisig, darauf, um vor Starkfrösten und Austrocknung zu schützen.“

Da freut sich der Igel: Zu guter Letzt noch ein Tipp für Tierfreunde: Wer eine abgeschiedene Ecke im Garten hat, kann dort einen Haufen aus Ästen und Laub aufschütten, um Igel zum Überwintern anzulocken. (Judith Sam)




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